"Christmas-Hockey"

EHC-Coach Pagé trotz 2:6 zuversichtlich

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Feiern dürfen die anderen…trotzdem ist EHC-Coach Pierre Pagé zuversichtlich.

München - Der EHC hat bei der Pleite gegen Krefeld phasenweise so schlecht wie schon lange nicht mehr gespielt. Coach Pagé ist aber nicht sauer. Er findet sogar: "Wir sind jetzt besser."

Andy Wozniewski dachte über das Spiel gegen Krefeld nach, das gerade zu Ende gegangen war. Als hätte er ein Gespenst gesehen, schüttelte er seine mächtigen Schultern und sagte: „So schlecht wie im dritten Drittel haben wir schon lange nicht mehr gespielt.“

Wozniewskis EHC München wurden beim 2:6 gegen Krefeld die Grenzen aufgezeigt. Kevin Clarke, Adam Courchaine und Daniel Pietta hatten die Verteidigungsreihen der Münchner kräftig durcheinander gewirbelt. Einerseits führt das Trio nicht umsonst die Scorerliste der DEL an, andererseits fühlte man sich beim Auftritt des EHC teilweise an den unsäglichen Saisonbeginn erinnert – die Abwehr schwamm bei den zahlreichen Kontern.

Pagé nach 2:6: "Wir sind jetzt besser"

Klar, mit Felix Petermann und Grant Lewis fehlten zwei laufstarke und bissige Verteidiger. Wozniewski erklärte, dass er und seine verbliebenen vier Verteidigerkollegen mehr kraftraubende Einsätze fahren mussten, noch dazu mit wechselnden Partnern. „Aber das ist keine Ausrede dafür, wie wir aufgetreten sind.“

„Das war Christmas-Hockey“, sagte Trainer Pierre Pagé. „Man bekommt einen Haufen Einladungen. Da hat keiner den Mumm, überall immer nur Nein zu sagen.“ Gerade bei vielen Heimspielen in diesem Abschnitt sei es darum schwer, etwas zu reißen. Das vorausgehende 2:5 gegen Augsburg und der Blick auf die Ergebnisse aus den anderen Stadien geben Pagé durchaus recht. Dem EHC kam zugute, dass auch die direkten Konkurrenten Mannheim und Ingolstadt vor eigenem Publikum Punkte liegen ließen.

Pagé war nicht wütend. Er fand Krefeld „besser“, das von Rick Adduono hervorragend eingestellt war. Krefelds Trainer hatte München als „starke Mannschaft in den letzten beiden Monaten“ gelobt. Auch Pagé meinte: „Wir sind jetzt besser.“ Das hörte sich nach dem 2:6 seltsam an, ist aber mit Blick auf die 23 Punkte im Dezember nachvollziehbar. Pagé sagte aber auch, dass vor dem EHC „noch viel Arbeit“ liege im Jahr 2014.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

„Die Krefelder haben uns eine Lektion erteilt“, meinte der Coach, „und Augsburg auch eine kleine.“ Der EHC soll gestärkt daraus hervorgehen. „Wir wollen in die Top 4“, sagte Pagé. Dann hätte man in der ersten Playoffserie Heimrecht. „Das ist immer besser.“ Außer in der Weihnachtszeit. Die ist aber spätestens an Heilig-Drei-König vorbei. Kapitän Wozniewski ging, was die Feierlichkeiten anging, mit gutem Beispiel voran. „Keine Neujahrsparty bis um 5 Uhr morgens für mich! Ich finde, Silvester wird überschätzt.“ Er lachte. Das Krefeld-Gespenst war da schon ganz weit weg.

wim

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