Er hat noch ein Jahr Vertrag

Wird Pat Cortina der neue Bundestrainer?

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Pat Cortina soll Bundestrainer werden.

Köln - Bei der Kandidatenkür für den Posten des Eishockey-Bundestrainers haben Hans Zach und Bengt-Ake Gustafsson Namen genannt. Darunter auch mit Dan Ratushny und dem EHC-Coach Cortina.

Wir sind Bundestrainer – oder doch nicht? Am Dienstag fanden die Auswahlgespräche zum Eishockey-Bundestrainer statt. Mit dabei waren neben Pat Cortina (EHC RB München) auch Dan Ratushny (Straubing), Hans Zach und der Schwede Bengt-Ake Gustafsson. Seit Jakob Koellikers Entlassung Ende Juni ist der Posten unbesetzt. Am Dienstag schien plötzlich alles schnell zu gehen, schneller als erwartbar: Am Nachmittag meldeten einige Münchner Medien, der Entschluss stünde fest: Cortina habe das Rennen gemacht.

Das wäre in der Tat eine Überraschung gewesen, war doch Ratushny als Favorit vor Verband- und Ligavertreter getreten. Doch am Gerücht war (noch) nichts dran: Die Konzept-Schau der Trainer liefen bis zum Abend, mit einer anschließenden gemeinsamen Gesprächsrunde. Eine Entscheidung werde man bis dahin nicht getroffen haben, teilte der DEB auf Anfrage mit.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Fakt ist: Alle Kandidaten genießen einen Ruf wie Donnerhall. Alle (außer Ratushny) trainierten schon Nationalteams. Zach und Gustafsson hätten unter anderem den Vorteil, dass sie derzeit ohne Verein sind und sich auf die Auswahl konzentrieren könnten. Ratushny und Cortina (Vertrag bis 2014) hingegen würden – zumindest vorerst – parallel weiter ihren DEL-Klub trainieren. Da aber die Liga während der Länderspiele pausiert, wäre dies machbar. Der Münchner Chefcoach hätte genügend Kapazitäten frei: Er hat seine Familie nach München (wo er mit Unterbrechung seit 2006 arbeitet) nachgeholt und pendelt nicht mehr, wie bisher häufig, nach Norditalien.

Außerdem hat er mit Maurizio Mansi einen erfahrenen Co-Trainer und langjährigen Bekannten an der Seite, der zur Not tagesweise seinen Boss ersetzen könnte. So wäre Cortinas Doppelfunktion auch für den EHC durchaus tragbar – und eine unaussprechliche Ehre. Übrigens: Der Vorwurf, Cortina spräche kein Deutsch, ist unzutreffend. Der Italo-Kanadier kann es mittlerweile, ziemlich ordentlich sogar. Wie die gerissenen Meister in Kung-Fu-Filmen versteckt er seine Stärken nur – um sie dann zur Überraschung aller im richtigen Moment präzise einzusetzen. Ein echter Trainer-Fuchs eben.

 

Martin Wimösterer

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