EHC: "Ein Zeichen an die Wirtschaft"

München - "Es gab immer große Spiele in der Klubgeschichte, aber das war bisher der Gipfel“, fand Jürgen Bochanski, der EHC-Boss. Die Mannschaft fegte am Freitag Erzrivale Augsburg mit 5:0 vom Eis - in der vollen Olympiahalle.

 Trainer Pat Cortina: „Das war ein ganz wichtiger Abend fürs Münchner Eishockey.“ Direkt nach Spielschluss in der Kabine, noch vorm Siegerbankett im VIP-Raum, tranken die Spieler „ein, zwei Bierchen“, wie Martin Schymainski grinsend erzählte. Der Stürmer, der mit zwei Toren maßgeblich zum Sieg beitrug: „Jeder wusste vorher, worum es hier geht. Dass wir uns nicht blamieren können vor den 11 000 Zusehern, die hauptsächlich aus München waren. Jeder von uns hat 200 Prozent gegeben.“

Trainer Cortina  stellte fest, dass er und seine Spieler anfänglich durchaus nervös waren und sich vom Drumherum beeindrucken ließen, dann aber den Schwung in fünf Tore umwandelten. Der Druck war da, schließlich hatte der Klub auf dieses große Spiel „acht Jahre hingearbeitet“, wie Bochanski sagte. Das Spiel selbst sieht er als nächsten Entwicklungsschritt: Der Klub nahm Geld in die Hand, um die Halle für das einmalige Spiel zu mieten und für Eishockey herzurichten. „Man hätte mehr Geld verdient, wenn man regulär in der Eishalle gegen Augsburg gespielt hätte“, sagte der EHC-Boss, „aber das war es wert. Wir haben gezeigt, dass wir innerhalb eines Monats die Halle vollmachen können. Das war ein Zeichen an Stadt und Wirtschaft, von denen wir Vertreter eingeladen hatten. Der VIP-Raum war noch nie so voll wie heute.“

Bochanski hofft nun auf dreierlei: Auf gestiegenes Sponsoreninteresse (die Brust ist noch für Werbung frei), auf mehr Zuschauer für die regulären Spiele und auf die bereits lange angedachte neue Halle, die rund 8000 Zusehern Platz bieten soll und auch den FC-Bayern-Basketballern zur Verfügung stünde. Das Spiel in der Oly-Halle hat Verteidiger Felix Petermann jedenfalls „abartig Spaß gemacht. Als wir aus den Katakomben aufs Eis kamen, das war gigantisch. Die Fans waren überragend“.

Ob es in der großen Halle eine weitere Partie geben wird, steht noch nicht fest. Schymainski: „Das ist nur bei Derbys sinnvoll - würde Hamburg kommen, wäre eine Hälfte der Halle leer.“ Trainer Cortina scherzt: „Die Spieler bevorzugen die Olympiahalle - da haben sie nicht so weit zu ihren Autos wie bei der Eishalle.“ Er könnte sich ein Playoffspiel vorstellen. Der EHC müsste dann aber finanziell wieder ins Risiko gehen. Apropos Risiko - da hatte der Coach noch eine Anmerkung: „Jochen Reimer ist unsere Nummer eins im Tor, auch wenn wir das Risiko eingehen, Sebastian Elwing zu verlieren.“

Der bislang überragende Reimer spielte nur wegen einer Handverletzung nicht, auch wenn Elwing in blendender Form ist: Derart, dass er sogar das Grüppchen EHC-Fans überzeugte, bei denen er wegen seines bisweilen ungewöhnlichen Torwartspiels ein Ansehen wie Griechenland bei den Rating-Agenturen genoss. Bisher kommt er erst auf zehn Saisoneinsätze, sagt selbst: „Das war schwer zu verdauen.“ Er weiß jedoch auch, dass Reimer der (statistisch) beste Torhüter der Liga ist und es daher schwer wird, mehr Einsätze zu bekommen.

Mit Sicherheit mehr Einsätze bekommt Jan Benda. Der 39 Jahre alte Benda, 1994 mit Hedos München deutscher Meister, war im November zunächst für sechs Wochen auf Leihbasis aus Nürnberg an die Isar gewechselt. Jetzt bleibt er definitiv bis zum Saisonende.

Martin Wimösterer

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