EHC: Ein Bulle als Schneider-Ersatz

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EHC-Trio: Martin Buchwieser (li.), Brent Aubin und Manager Christian Winkler.

München - Nur wenigen Spielern wird beim EHC München die Ehre zuteil, auf einer eigenen Pressekonferenz vorgestellt zu werden. Brent Aubin ist nun so einer.

Brent Aubin wurde gestern in der Spielerkabine vorgestellt. Die Erwartungen an den Neuzugang von Red Bull Salzburg sind groß. Manager Christian Winkler: „Brent ist einer, der ein Eric Schneider werden kann.“ Eben dieser Schneider steht dem EHC in der kommenden Saison nicht zur Verfügung: Wegen eines Kreuzbandrisses, den er bereits Ende Oktober erlitt, pausiert er. Es war, ohne dass er da war, seine Abschieds-PK.

„Eric war der talentierteste Spieler in der EHC-Geschichte“, meint Winkler. Und ein ehrlicher Charakter sei er auch: Schließlich hätte er sich auf seinem bis 2013 laufenden Vertrag ausruhen können. Nun spart sich der klamme EHC Geld und Schneider schont seine Knie. Damit er, 34, weiter mit seinen fünf Kindern spielen kann.

Aubin, 26, hat zwei Kinder. „Und dabei wird es erst mal bleiben. Da will ich mich mit Eric nicht messen“, sagt er und lacht. Auf dem Eis mussten sich beide erst in Europa hochkämpfen. Aubin: „Der Vergleich mit Eric ehrt mich, aber das sind große Fußstapfen, in die ich da treten soll.“

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Für Salzburg kam der bullige Aubin vorige Saison auf 47 Scorerpunkte in 53 Spielen. Nach eigenen Angaben lag ihm nun ein Zwei-Wege-Vertrag eines NHL-Klubs vor. Doch er entschied sich auf Rat von Ex-EHCler Stephane Julien hin für den EHC.

„Ich wollte in einer stärkeren Liga spielen“, sagt Aubin und fügt schmunzelnd an: „Und in einer schöneren Stadt.“ Er kennt München bereits von Ausflügen und hat es in guter Erinnerung – bis auf die Kreditkartenabrechnung vom Shopping seiner Frau.

Aber da soll künftig alles im Rahmen bleiben. Wie auch beim EHC nach dem Red-Bull-Einstieg. Der EHC werde mit gesenktem Spieleretat als „Underdog“ (Winkler) in die Saison gehen. Aubin: „Man muss nicht das talentierste Team sein, um das Spiel zu gewinnen, sondern das, das am härtesten arbeitet.“

Trainer Pat Cortina, der den Neuen in Salzburg bereits besuchte, hört so was gerne. Seine Philosophie deckt sich laut Aubin weitgehend mit der der RB-Vereine: hart arbeiten und versuchen, etwas anders, besser zu machen.

Martin Wimösterer

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