EHC: Häuptlinge & Indianer

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Beim EHC München soll sich eine neue Führungsriege herauskristallisieren

München - Das Team des EHC München setzt sich größtenteils aus dem Kader der Vorsaison zusammen, mit dem der EHC aufgestiegen ist. Doch die Leitwölfe sind weg. Jetzt soll der "Dampfhammer" den Ton angeben.

Stephane Julien sitzt auf einem Barhocker. Er lässt sein Füße in den silbernen Badelatschen baumeln und lauscht der Pressekonferenz des EHC München. Dann spricht er einige Sätze über die bevorstehende Saison, ziemlich leise. Da passt sein Spitzname nicht so recht ins Bild: Julien ist „der Dampfhammer“.

Auf dem Eis, da trägt er diesen Namen zu Recht. Das hat der Neuzugang in seiner Karriere oft bewiesen. Julien ist ein Verteidiger mit Offensivqualitäten: 90 Tore hat er in 358 DEL-Spielen geschossen. Er ist ein Wunschspieler des Trainers Pat Cortina. Der sagt: „Stephane arbeitet hart, einer der bescheiden bleibt.“

Julien spielte schon mal für Cortina, vor zwölf Jahren beim HC Fassa. Später startet er in der DEL durch, wurde dreimal ins Allstar-Team der Liga gewählt. Eine „unglaubliche Karriere“, findet Cortina.

Mittlerweile ist Julien 36 Jahre alt. Sein schwarzes Haar ergraut, seine Statistiken sind in den letzten Jahren gesunken. Und trotzdem ist er genau der Spieler, den sich Cortina für sein Team gewünscht hat: Ein Routinier.

Das Team setzt sich ja größtenteils aus dem Kader der Vorsaison zusammen, mit dem der EHC aufgestiegen ist. Doch die Leitwölfe sind weg: Chris Bahen und Niki Hede haben ihre Karriere beendet. Andi Raubal wechselte zum SC Riessersee. Jetzt soll Julien den Ton angeben soll. Er denkt, jede heimstarke Mannschaft kann um die Pre-Playoffs mitspielen. Vielleicht auch der EHC. Große Worte.

Eric Schneider, der gerade beim EHC mittrainiert, wäre auch ein Führungsspieler. Weil David Wrigley mit einer Rückenverletzung sechs Wochen fehlt, wurde über eine Verpflichtung des Routiniers spekuliert.

Doch eine Vereinbarung scheitert an Schneiders Gehaltsvorstellungen. Manager Christian Winkler plant ohne Nachverpflichtungen und baut darauf, dass sich aus dem Kader eine Führungsriege herausbildet: „Lieber werden Indianer zu Häuptlingen, als andersherum.“

Und das gilt auch für den EHC in München. Da regieren nämlich die Rothäute vom mächtigen Stamm des FC Bayern. Deren Basketballer spielen künftig auch in der Eishalle, zu den Partien wird dort ein Parkett verlegt. Deshalb kann der EHC an vier Samstagen nicht in der Eishalle trainieren, muss nach Germering oder Erding ausweichen.

Doch zum Kriegsbeil greift beim EHC keiner, eher zur Friedenspfeife. Geschäftsführer Jürgen Bochanski: „In dieser Stadt ist es nicht schlecht, mit dem FC Bayern zu kooperieren. Und die Basketballer wollen auch eine neue Halle. Wenn Herr Bochanski etwas sagt, kümmert sich keiner drum. Wenn Herr Hoeneß etwas sagt, ist das vielleicht gleich etwas anderes.“

wim

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