Herr Cortina, was halten Sie vom Heiraten?

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EHC-Trainer Pat Cortina (l.) beim Interview mit unserem Reporter Matthias Würfl.

München - EHC-Trainer Pat Cortina spricht im großen Interview über Beziehungen privater als auch geschäftlicher Natur. Außerdem verrät der 45-Jährige, was ihn wirklich stolz macht.

Wenn man beim EHC München im Kabinengang unterwegs ist, kann es passieren, dass einem erst Elwing jr. mit seinem Spielzeugauto über den Fuß fährt, ehe einem Manager Christian Winkler eine lustige verbale Breitseite versetzt („Was hast’n wieder für an Schmarrn g’schriem?“).

Die übrigen Spieler grüßen erschöpft, aber freundlich. Nur in einem Gesicht zeigt sich keinerlei emotionale Rührung – in dem des Trainers. Alleine durch sein Auftreten ist klar, wer in den Katakomben, auf der Spielerbank – ja im ganzen Stadion der Boss ist: Pat Cortina (45). „Oh, Sie wollen auch Bilder während des Interviews machen?“, sieht er den Fotografen an. „Ja, brauchen Sie dann erst noch einen Make-Up-Artist?“, so die Gegenfrage, die Cortina mit einem breiten Grinsen quittiert. Er schnappt sich sein Sakko und lässt sich hinter dem großen Schreibtisch in seinem Trainerzimmer nieder. Das Interview:

Herr Cortina, was war ausschlaggebend dafür, dass Sie weiter in München an der Bande stehen?

Cortina: Ich mag die Menschen, mit denen ich hier arbeite, ich mag das Projekt. Mit gefällt die Herausforderung. Und ich denke, dass ich dem Verein helfen kann, seine Ziele zu erreichen. Es passt einfach alles.

Und was gefällt Ihnen an München?

Cortina: Ich bin einfach glücklich in dieser Stadt. Es fängt an, sich wie zu Hause anzufühlen. Das ist immerhin mein fünftes Jahr.

Aber Ihre Lebensgefährtin und die beiden Kinder leben in Italien. Ist das nicht ein wenig kompliziert?

Cortina: Nein, überhaupt nicht. Auch aus diesem Grund ist es für mich in München sehr angenehm. Denn die Distanz zu meiner Familie ist nicht besonders groß. Natürlich ist es ab und zu kompliziert. Aber sie haben Verständnis für meine Arbeit während der Saison. Und wir machen es uns dann im Sommer gemütlich.

Schon mal darüber nachgedacht, sich mit der ganzen Familie hier anzusiedeln?

Cortina: Meine ältere Tochter beendet dieses Jahr die Schule und dann sehen wir weiter.

Wie steht Pat Cortina zum Thema Heiraten?

Cortina: Wir sind jetzt über elf Jahre zusammen, haben zwei Kinder und ich denke, dass das eine ziemlich gefestigte Beziehung ist. Wissen sie, Heirat ist niemals etwas gewesen, das ich in Betracht gezogen habe.

Interessant, dass Sie sich in Ihrer privaten Beziehung nicht total fest binden wollen, nachdem Sie beruflich ja fast mit dem EHC verheiratet sind. Es ist Ihr fünftes Jahr und sie denken schon an die nächsten drei…

Cortina: Stimmt. Und wenn es elf werden, wäre ich überglücklich.

Sie fahren montags immer zu Ihrer Familie, haben unterwegs Zeit nachzudenken. Was geht Ihnen da so durch den Kopf?

Cortina: Ich fahre oft mit dem Zug, da kann ich besser entspannen. Bei der Hinfahrt denke ich an die schöne Zeit, die ich mit der Familie verbringe, auf dem Rückweg drehen sich die Gedanken ums Eishockey.

Interessant wäre zu erfahren, welche Art von Musik Sie auf den Fahrten anhören. Der nach dem Spiel ruhig analysierende Cortina dürfte wohl auf Klassik stehen, der explosive Cortina hinter der Bande eher auf ­Heavy Metal.

Cortina (lacht): So ist es. Ich habe die ganze Bandbreite. Es kommt immer auf die Stimmung an. Klassische Musik, U2 oder dann eben auch Metallica.

Lassen Sie uns übers Eishockey sprechen: Die Lizenzierung und das Sponsorenproblem waren offenbar kein Hindernis, eine gute Truppe zusammenzustellen – zumindest wenn man die Testspiele als Grundlage nimmt….

Cortina: Bitte! Lassen Sie uns realistisch bleiben. Für Straubing war es das erste Testspiel, Hannover ist im letzten Monat auf einer emotionalen Berg-und Talfahrt gewesen, die wussten nicht, wo sie nächstes Jahr spielen würden. Und wenn die so wie gegen uns auf 50, 60 oder vielleicht 70 Prozent spielen, dann ist das kein Problem für die. Und Augsburg kam mit 14, 15 neuen Spielern her. Wir hingegen haben 15 Spieler aus der letzten Saison plus die Euphorie des Aufsteigers.

Sind Sie denn mit dem Team, das Sie haben, zufrieden?

Cortina: Wissen Sie, was für einen Trainer in dieser Situation schön ist? Was hier in München toll ist? Ich habe etliche dieser Spieler wachsen, hinzulernen sehen. Ich fühle mich ziemlich privilegiert, das machen zu können.

Stolz?

Cortina: Nein. Denn dann wäre ich ja der alleinige Grund dafür. Und das bin nicht nur ich. Wir haben einen tollen Trainerstab und man darf auch den Rest der Organisation hier nicht vergessen. Und es ist eine größere Herausforderung, mit diesen Spielern zu arbeiten als mit lauter Topstars. Es ist wie mit einem kleinen Kind: Es ist toll, es aufwachsen zu sehen.

Am Sonntag sagten Sie: Dieses Jahr finden wir heraus, was es braucht, um in der DEL zu spielen um dann eine Grundlage für eine bessere Zukunft zu legen. Klingt nach einem Versuchsjahr.

Cortina: Aber das ist die Realität. Wir sind das New Kid On The Block. Wir haben noch kein Pflichtspiel in dieser Liga absolviert. Wir brauchen Erfahrung, um zu wissen, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Und wenn wir nach dieser Saison eine große Menge fundierter Informationen haben, dann war die Saison erfolgreich. Wenn wir nächstes Jahr bei null starten müssen, haben wir acht Monate weggeworfen.

Schlussfrage: Niki Hede sagte bei seiner Verabschiedung über Sie, Sie seien kein strenger Coach, sondern ein sehr einfacher. Einer, der einen klaren Weg verfolgt und von dem viele Trainer lernen könnten…

Cortina: Und sehen Sie: Das macht mich jetzt stolz. Natürlich würden manche Spieler vielleicht Einspruch erheben, wenn er sagt, dass ich nicht streng bin. Früher, als ich hier angefangen habe, war ich vielleicht noch strenger. Aber jetzt wissen die Spieler, was sie machen müssen, auch wenn ich einmal nicht da bin. Darum kann ich jetzt ein wenig relaxter auftreten und auch sein. Das heißt aber nicht, dass ich kein Arschloch sein werde, wenn es sein muss.

Interview: Matthias Würfl

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