Jetzt ist Schwenningen am Zug

München - Der EHC München verliert seinen größten Sponsor - und steht damit vor dem Aus in der Deutschen Eishockey-Liga. Jetzt wird über eine Übernahme durch die Schwenninger Wild Wings spekuliert.

Mehr Symbolgehalt geht nicht mehr: Gestern drehte das Bayerische Fernsehen einen Beitrag zum nahen Aus des EHC München in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – und dazu wurde das Eis in der Halle gerade abgetaut. Weil jetzt halt der Sommer kommt. Aber es passt eben: Ende der Eiszeit für den Klub. Beim EHC haben sie selbst ein wenig lachen müssen über diese wie bestellte Symbolik.

Seit am Montagnachmittag aus SPD- und Grünen-Fraktion im Rathaus bekannt wurde, dass der Stadtrat aufgrund der Mehrheitsverhältnisse einem Sponsoring-Vertrag der Stadtwerke München über 800 000 Euro jährlich beim EHC nicht zustimmen würde, steht der Verein ohne Option auf eine hochklassige Zukunft am Standort München da. Er spricht nun offen von einem Umzug und einem Eigentümerwechsel. Womöglich zu Beginn der kommenden Woche soll alles geregelt sein.

Übernahme-Interessent sind die Schwenninger Wild Wings, die in die DEL streben, aber im Halbfinale der 2. Liga scheiterten. Sie sind der einzige Kandidat. Zweitliga-Meister Landshut Cannibals und Vize Starbulls Rosenheim haben keine Bewerbung abgegeben bei der DEL, die einen sportlichen und wirtschaftlichen Aufsteiger nur dann noch zulässt, wenn ihr einer der 14 Klubs abhanden käme. Ansonsten führt der Weg nur über den Kauf der Lizenz. Das gab es schon einige Male: 1999 nahmen die München Barons den Platz des EV Landshut ein, im Jahr 2000 veräußerten die Starbulls Rosenheim ihre Spielgenehmigung an die Iserlohn Roosters. 2002 zog die Organisation München Barons in den Norden und wurde zu den Hamburg Freezers.

In der Liga ist man sich noch nicht ganz sicher, ob Schwenningen die Sache durchzieht. Denn es müssten alle Münchner Verträge übernommen werden – und das sind etliche: 20 mit Spielern, neun für Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, zwei für Trainer (gut für Schwenningen, dass es noch keinen Coach hat und erst drei Verteidiger und sechs Stürmer). Verhandelt werden müsste mit München auch, ob an die bisherigen EHC-Gesellschafter (Jantz, Bochanski, Phillips) ein Verlustausgleich zu entrichten wäre. Angeblich haben sie in den vergangenen drei Spielzeiten acht Millionen Euro verloren im Münchner Eishockey. Uwe Harnos, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), meint, bei einem Transfer der Lizenz würden „ein paar Millionen zusammenkommen. Ob sich das dann rechnet?“

Sollte Schwenningen (Manager Stefan Wagners Devise: „Ja, wir wollen in die DEL, aber nicht um jeden Preis“) nicht zugreifen, bliebe München der Weg des wirtschaftlichen Abstiegs in die 2. oder Oberliga. Die DEL wird der EHC nicht stemmen können – wenn nicht noch ein Wunder geschieht bis zum 24. Mai, an dem man bei der DEL in Köln die Lizenzunterlagen einreichen muss.

Im Stadtrat nimmt die CSU noch einen Anlauf, sie hat gestern bei OB Ude einen Antrag „EHC München e.V. retten“ eingereicht. Doch das Geld benötigt die EHC Spielbetriebs GmbH.

Die Münchner Spieler müssen sich nicht sorgen. Entweder ihre Verträge gelten für Schwenningen, falls die EHC-Franchise umzieht – oder sie kommen bei anderen Klubs unter. Obwohl die DEL-Vereine derzeit noch keine Angebote unterbreiten sollen, registriert der Transfermarkt die ersten Aktivitäten: Straubing umwirbt den Münchner Torwart Jochen Reimer (nachdem die Nummer eins, Barry Brust, den Abgang verkündet hat), und die Nürnberg Ice Tigers sind an Stürmer Martin Buchwieser dran.

Von Günter Klein

Rubriklistenbild: © sampics

Auch interessant

Meistgelesen

„Meine Kindheit in der NHL-Kabine“ - EHC-Neuzugang Bourque stellt sich vor
„Meine Kindheit in der NHL-Kabine“ - EHC-Neuzugang Bourque stellt sich vor
EHC Red Bull München: Bekannter Premium-Sponsor aus der Region
EHC Red Bull München: Bekannter Premium-Sponsor aus der Region
Eishockey - ein Fall für Ingo Lenßen
Eishockey - ein Fall für Ingo Lenßen

Kommentare