So funktioniert der neue EHC Red Bull

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Jubel nach der Rettung bei Sportchef Christian Winkler: Er wird Teil der neuen EHC-Doppelspitze.

München - Seinen 41. Geburtstag am Sonntag wird Christian Winkler nie vergessen. Es war ein echter Feier-Tag, der erste Ruhetag nach leidvollen Wochen für den Sportchef und seinen EHC München.

„Ich möchte diese Zeit nie mehr erleben. Bei diesem ganzen Himmel-und-Hölle habe ich keine Gefühle mehr gehabt. Tage der Leere und Hilflosigkeit – das macht dich fertig. Doch wir haben gekämpft bis zum Schluss. Mit Erfolg“, so Winkler.

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Der EHC stand nach dem Ausstieg zweier Gesellschafter vor dem Verkauf nach Schwenningen. Aber seit Samstag steht zur Freude von Spielern und Mitarbeitern fest: In München wird weiter DEL-Eishockey gespielt! Möglich macht dies der Einstieg von Red Bull als Haupt- und Namenssponsor.

 

Michael Phillips, der mit der Geschäftsstelle bis zuletzt für die EHC-Rettung rackerte, wird nach dem Abschied von Waldemar Jantz und Jürgen Bochanski alleiniger Gesellschafter. Bochanski, der zudem als Geschäftsführer tätig war, wird nun Ehrenpräsident. Neue Chefs des EHC Red Bull München sind Claus Gröbner (Wirtschaftliches) und Winkler (Sportliches).

Gerücht: Wird der EHC doch noch gerettet?

Das Red-Bull-Investment läuft für zumindest ein Jahr. Denkbar ist, dass der Sponsor sein weiteres Engagement davon abhängig macht, ob sich die strukturellen Bedingungen für das Münchner Eishockey verbessern. Gröbner wollte das nicht kommentieren, bestätigt aber, dass man in Zukunft enger mit der Stadt verbandelt sein will.

„Mich freut, dass uns unsere Sponsoren signalisiert haben, dass sie weitermachen wollen – und uns sogar bei der Suche nach einem Hauptsponsor halfen“, sagt Gröbner. Seine Ziele für das kommende Jahr: „Wir müssen das Defizit verringern und das Budget einhalten.“ Der Spieleretat wird etwas geringer ausfallen. Winkler hat damit schon geplant, Einstandsgeschenke von Red Bull gibt es nicht. Bis auf wenige Ausnahmen steht der Kader zur neuen Saison bereits. Einen Abgang gibt es allerdings: Stephane Julien gab am Freitag sein ­Karriereende bekannt.

Winkler findet das „sehr schade“, sagt aber auch: „Seitdem feststeht, dass es bei uns weiter geht, läuft mein email-account voll.“ Mit Spielerangeboten, nicht nur mit Geburtstagswünschen. Jetzt, da der EHC nicht nach Schwenningen im Schwarzwald umzieht, gab es für den Jubilar von der Tochter ausgerechnet Schwarzwälder Kirschtorte.

Red Bull soll an den TV-Rechten der DEL interessiert sein. Werbung sind solche Gerüchte für den firmen­eigenen, nun auch in Bayern landesweit empfangbaren Sender Servus TV allemal. Und Red Bull liebäugelt bereits seit Jahren, ins deutsche Eishockey zu investieren.

Einige EHC-Fans sehen das Sponsoring kritisch. Zwar würde Red Bull auf lange Frist vielleicht gute Strukturen aufbauen. Doch der EHC sei halt jetzt nicht mehr der, den man liebte. Wie eine Schwarzwälder Kirschtorte ohne Kirschen. Aber doch noch besser als nur Krümel auf dem Teller…

Martin Wimösterer

Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:

In der bayerischen Landeshauptstadt München wird auch zukünftig erstklassiges Eishockey gespielt. Red Bull wird Haupt- und Namenssponsor des neuen EHC Red Bull München.

Die Kooperation mit dem weltweit führenden Hersteller von Energy Drinks läuft zunächst für die Saison 2012/2013. Auch EHC-Gesellschafter Michael Phillips unterstützt die Mannschaft in der kommenden Spielzeit. Damit ist sichergestellt, dass der DEB-Pokalsieger von 2009 in der folgenden Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) antreten wird. Die EHC München Spielbetriebs GmbH ordnet gleichzeitig auch ihre Beteiligungsverhältnisse neu. Im Zuge der Reorganisation ziehen sich Waldemar Jantz und Jürgen Bochanski als Gesellschafter zurück.

Die Anteile werden vom neuen Alleingesellschafter Michael Phillips übernommen. Bochanski, seit 2005 Geschäftsführer des EHC München, wird Ehrenpräsident des bayerischen DELClubs und übergibt die Geschäftsführung an Claus Gröbner und Christian Winkler. Gröbner kam im November 2011 als kaufmännischer Leiter zum EHC, Winkler ist bei den Münchnern seit 2004 als Sportdirektor tätig.

Christian Winkler: „Das ist die die beste Nachricht des Jahres. Ich bin froh und dankbar, dass wir die Chance bekommen unsere Arbeit hier in München fortzusetzen und unser Konzept weiter zu entwickeln. Bei Waldemar Jantz und Jürgen Bochanski möchte ich mich für ihr außerordentliches Engagement in den vergangenen Jahren bedanken. Sie haben den erfolgreichen Weg des EHC München in die DEL ausschlaggebend mitgeprägt.“

Claus Gröbner: „Wir sind stolz, dass wir mit Red Bull ein Unternehmen mit globaler Strahlkraft als Hauptsponsor begeistern konnten. Red Bull ist eine extrem starke Marke und steht gerade im Sport für höchste Qualität. Ich bin überzeugt, dass wir nun allerbeste Voraussetzungen haben, um sportlich und wirtschaftlich weiter zu wachsen.“

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