Der EHC München im Fieber

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Sebastian Elwing.

München - Für den EHC München steigt die Fieberkurve in Sachen Tabellenplatz… Am vergangenen Wochenende hat der Verein zweimal den Tabellenführer geschlagen.

Für Sebastian Elwing liegt Delphi gleich um die Ecke. Nach Delphi, dem sagenumwobenen Ort, kamen im alten Griechenland die Leute, um das Orakel zu befragen. Elwing geht ins Buchgeschäft seines Vertrauens, eine Verkäuferin legt ihm dann gute Bücher ans Herz. Und die Tipps der guten Frau haben prophetische Ausmaße, was den EHC München angeht…

In den Playoffs der vergangenen Saison empfahl sie Torwart Elwing „Das Lächeln der Fortuna“ von Rebecca Gablé. Und der EHC marschierte zum Titel durch. Vor kurzem war dann „Der Medicus“ von Noah Gordon dran. Passend zur Verletztenmisere, mit der sich der Klub mittlerweile rumplagen muss. Jetzt hat Elwing ein neues Werk: Ken Follets „Sturz der Titanen“.

Tatsache: Mit Elwings Lesefieber steigt auch die Fieberkurve des EHC. Nämlich die Fieberkurve in Sachen Tabellenplatz… Am vergangenen Wochenende hat der EHC München zweimal den Tabellenführer geschlagen. Am Freitag Nürnberg, am Sonntag Hannover. Jetzt ist Pat Cortinas Mannschaft selbst Spitzenreiter – und eben nicht die Titanen-Klubs aus Mannheim oder Berlin. Elwing ist „überglücklich. Der absolute Hammer, dass wir nach so einem Wochenende oben stehen. Als Aufsteiger! Es ist sensationell, was wir als Mannschaft bislang geleistet haben.“

Die Mannschaft: Sie steht im Fokus. Trotz der Verletzungssorgen gibt Trainer Cortina allen Reihen viel Eiszeit. „Das muss ich ja, wenn sie so spielen wie bisher.“ Hannovers Trainer Toni Krinner lobt nach der Niederlage seines Teams die Münchner als „unangenehmste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben. Da ist Struktur erkennbar, Disziplin und harte Arbeit.“ Der EHC sei das Mainz 05 des Eishockeys, ein belebendes Element für die Liga.

Und wer ist Ihr Shootingstar, Ihr Lewis Holtby, Herr Cortina? Der Trainer des EHC sagt ganz cool: „Wir haben nicht nur einen davon…“ Das muss allerdings auch so sein, der EHC braucht viele gute Leute. Das Programm ist hart, und das Fehlen der fünf verletzten Stammspieler wird sich bemerkbar machen, fürchtet Manager Winkler, „denn unser Spiel ist sehr kraftintensiv“. Trainer Pat Cortina warnt sowieso vor „Tabellenstand-Fever“.

Er sagt: „Es wird jetzt immer schwerer – weil uns alle schlagen wollen.“ Und er weiß außerdem: „Nach einem schlechten Wochenende sind wir sofort wieder Sechster. Es ist leichter, nach oben zu kommen, als dort zu bleiben.“

Die Seherin aus dem Buchgeschäft wird bald wieder gefragt sein. Denn Elwing schwärmt von seinem neuen Buch. „Nach 80 Seiten hat mich meine Frau ein bisschen gebremst.“ Elwing also weiter im Lesefieber. Ein gutes Omen.

Martin Wimösterer

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