Trainer attackiert feiernde Spieler

EHC: Pagé holt die Peitsche raus

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Der Trainer als Übervater: Pierre Pagé hat seine Spieler zusammengestaucht, dass sie zu viel feiern würden.

München - Weg mit dem Zuckerbrot, zurück zur Peitsche! Pierre Pagé, Trainer des EHC München, war nach dem 3:4 gegen Straubing stinksauer und kündigte den Burgfrieden mit der Mannschaft auf.

Doch dass er auch über die Feierlichkeiten der Mannschaft mit den Fans schimpfte, kam gar nicht gut an. Die Wochen vor Weihnachten waren wundervoll. Der EHC spielte sich in einen Rausch, Mannschaft und Trainer verstanden sich nach einer Aussprache Mitte November scheinbar gut. Blendwerk! Seit den Feiertagen verliert der EHC wieder häufig,die alten Gräben kommen wieder zum Vorschein. Pagé zückt die Peitsche: „Time for action!“

Für gestern hatte Pagé ein Gespräch mit dem Team angesetzt – doch das hatte trainingsfrei. Fest steht aber: Die Mannschaft wird „ab sofort“ immer ein, zwei Tage vor dem Spiel einkaserniert. In einem Hotel, wie bei Fußballklubs üblich.

Siegjubel stößt Pagé übel auf

Pagé rechtfertigt seine Entscheidung mit „vielen Verlockungen“ in München, die dem arbeitsverliebten Coach ein Dorn im Auge sind. Wenig übrig hat Pagé auch für die Art der Feierlichkeiten nach Siegen wie dem 6:3 gegen Berlin: „Muss man nach einem einzigen Sieg vor den Fans auf den Knien über das Eis rutschen?“

Ihm sei das „fast peinlich. Das ist Arroganz, das gefällt mir gar nicht. Wenn die schon auf dem Eis so feiern, will ich mir gar nicht erst vorstellen, wie es danach noch weitergeht.“ Schwere Vorwürfe gegen die Spieler, die das nicht auf sich sitzen lassen wollen. Und auch die Fans nicht. Robert Stöger vom Fanklub „Die Eisheiligen“ meint, angesprochen auf die Feier-Thematik „Das ist der größte Schwachsinn, den Herr Pagé je gesagt hat.“

Fans unterstützen das Team

Fan-Sprecher Andi Oberpeilsteiner meint: „Auf der Beliebtheitsskala der meisten Fans ist er so nicht nach oben gestiegen. Feiern nach dem Spiel gehört einfach dazu. Nach einem Spielverlauf wie gegen Berlin dürfen die Emotionen gern beim Feiern raus. Bei Fans und der Mannschaft.“ Stöger gehört zu den gemäßigten Pagé-Kritikern. Er zählt die erfolgreiche Vita des Coaches auf, kritisiert aber auch die Leistungen des EHC. „Herr Pagé soll froh sein, wenn die Fans mit dem Team feiern wollen.“ Stöger trennt die Wirkungsbereiche: „Kabine und Spielerbank sind seins, die Nordkurve gehört den Fans.“ Dass der Coach die Spieler kaserniert, kann Stöger zum Beispiel nachvollziehen. „Wenn er es als sinnvoll ansieht…“

Aber die Siegesfeiern einschränken? „Menschenskinder! Das motiviert die Spieler doch. Wenn die Fans schreien ‚Wir wollen die Raupe sehen‘ und die Spieler drehen sich auf Geheiß des Trainers um – was glauben Sie, was dann los ist?“

wim

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