EHC-Präsident Bochanski: "Nie wieder so ein Desaster!"

+
Jürg en Bochanski

München - Im Interview nimmt EHC-Präsident Jürgen Bochanski Stellung zu finanziellen Fragen und zum Thema Trikotfarben.

Satte 15 Millionen Mark minus – klar, das ist keine aktuelle Zahl. Aber es handelt sich um eine Summe, die älteren Semestern sofort in den Kopf schießt, wenn es ums Eishockey in München geht. Damals verschluckte sich Hedos München am Abenteuer DEL.

Jetzt tritt der EHC München an – mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass dem Verein seit seinem Bestehen kein solches Katastrophen-Minus den Weg versperrt hat. Derjenige, der den Aufstieg von der Bayernliga bis in die DEL federführend begleitet hat, ist Präsident Jürgen Bochanski.

Das Interview:

Herr Bochanski, lassen Sie uns in der Vorsaison beginnen: Alles bezahlt?

Bochanski: Selbstverständlich. Jeder hat sein Geld bekommen. Das ist beim EHC noch nie anders gelaufen.

Haben Privatpersonen oder Gesellschafter noch etwas zuschießen müssen?

Bochanski: Wir sind Meister geworden, spielen jetzt in der DEL, und keiner hat mehr Ansprüche gegen den Verein.

Alles klar, dann zu dieser Spielzeit: Der Etat soll 3,5 Millionen Euro betragen, aber es schwirren Gerüchte herum, dass erst 2,5 Millionen im Pott sein sollen.

Bochanski: Das mit den 3,5 Millionen stimmt, das zweite nicht. Jedes Team muss einen Etat abgeben. Wenn dieser nicht durch Belege gedeckt ist, bekommt man keine Lizenz.

Dann haben Sie die 3,5 Millionen also beisammen?

Bochanski: Richtig. Das setzt sich zusammen aus Sponsoren, Zuschauereinnahmen und Bürgschaften.

Wenn ein neuer Sponsor kommt, dann könnten Sie Ihren Etat auf über vier Millionen erhöhen!

Bochanski: Nein, der Etat verändert sich nicht. Die Privatpersonen oder Gesellschafter, die Bürgschaften gegeben haben, stehen dann mit geringeren Summen in der Pflicht.

Wie hoch sind diese Bürgschaften und wer hat sie abgegeben?

Bochanski: Ich bitte um Verständnis, dass die Personen nicht genannt werden möchten.

Wenn die Zuschauer in den Etat eingeplant werden, muss mit einer gewissen Hausnummer kalkuliert worden sein…

Bochanski: Die kann ich Ihnen sagen: 2400 Zuschauer pro Spiel. Wir hatten dieses Jahr in den Vorbereitungsspielen schon die doppelte Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr. Wenn das Team sich weiter so reinhängt, noch besser zusammenwächst, dann bin ich zuversichtlich, dass wir mit attraktivem Eishockey diese Zahl erreichen.

Letzte Woche wurde mit Müller Brot der neue und alte Hauptsponsor verkündet, Manager Winkler sagte, dass es mit weiteren Sponsoren sehr gut aussehe und bald Abschlüsse zu vermelden sein würden.

Bochanski: Ja, richtig. Wir werden in den nächsten Tagen weitere positive Meldungen verkünden können.

Mit wem stehen Sie in Verhandlungen?

Bochanski: Wenn ich das jetzt sage, dann passiert möglicherweise das Gleiche, wie in der letzten Saison. Da standen wir mit BMW in Verhandlungen. Die liefen gut. Bis es in der Zeitung stand, was aber nicht vonseiten des EHC verschuldet wurde. BMW zog sich daraufhin zurück. Das war für uns ein totales Desaster, das will ich keinesfalls noch mal erleben. Mit keinem kleinen, mittleren oder großen Sponsor.

Der Vorsitzende des Fanklubs „Der 7. Mann e.V.“, Oliver Wenner, ist verärgert, dass die Trikotfarben geändert werden, das berühmte Weiß-Blau verändert wird und am Logo „herumgebastelt“ wird. Das könnte die Identifikation der Fans mit dem Verein gefährden…

Bochanski: Es hat ja einige Zeit gedauert, bis wir die Lizenz für die DEL hatten. Dadurch hat sich die Zeit, in der wir für die DEL-­Saison planen konnten, verkürzt. Es mussten schnelle Entscheidungen her. Es stimmt, dass wir die Fans da nicht einbinden konnten. Das wird sich aber in der nächsten Saison wieder ändern. Allerdings muss ich sagen, dass wir drei verschiedene Trikots in der DEL haben. Und das weiß-blaue ist natürlich dabei. Aber man muss da auch Rücksicht auf Sponsoren nehmen. Das hellgrüne Logo von Müller Brot passt nicht auf das weiß-blaue Trikot.

Interview: Matthias Würfl

Auch interessant

Kommentare