EHC-Geschichte: Sogar der große FC Bayern mischte mit

München - Hedos und Barons wurden Meister, doch das rettete sie nicht. Die diversen Versuche eines Standorts, sich im Eishockey zu etablieren:

Unsere Tradition sind das Scheitern und der ständige Neuanfang“, hat ein Fan mal gesagt, und besser lässt sich die Geschichte des Münchner Eishockeys nicht zusammenfassen. Mit dem Münchner Rauf und Runter kann kein anderer Standort mithalten. Tiefste Tiefen (Beginn sogar in der Bezirksliga, sogar eine Spielgemeinschaft mit Dachau war einmal erforderlich), höchste Höhen (sprich Meisterschaften und Teilnahme an europäischen Turnieren) folgen aufeinander. Ein Blick zurück (bei dem wir nur eine Station auslassen: die erste Deutsche Meisterschaft 1922 durch den MTV München 1878). Steigen wir ein in die Neuzeit, sie beginnt mit dem Bau einer Halle: der heute noch in Betrieb befindlichen Olympia-Eishalle auf dem Oberwiesenfeld, errichtet nach der erfolgreichen Bewerbung für die Olympischen Spiele 1972.

FC Bayern: Ja, auch der große FC Bayern, der nun mit Basketball sich nach langem mal wieder in einer Sportart außerhalb des Fußballs ambitioniert versucht, hing einst der Puckjagd an. Förderer war Manager Robert Schwan. 1967 kam Bayern in die Bundesliga, wurde Vierter der Süd-Gruppe, 1968/69 jedoch Letzter. Dennoch war die Truppe um den Ex-Füssener Nationalspieler Leonhard Waitl eine Attraktion, auch dank der Olympia-Eishalle (damals hatten viele Eisstadien noch gar kein Dach). Präsident Wilhelm Neudecker wurde das Eishockey zu teuer, er stellte es ein. Mannschaft aufgelöst.

EHC 70: Setzte sich als einer von zwei Bayern-Nachfolgern gegen den MEV durch. Holte in der 2. Liga Weltstars wie die Tschechoslowaken Jiri Kochta und Jiri Holecek. Ambitioniert, doch finanziell stets auf wackligen Beinen, trotz des Engagements des Multimillionärs Alexander Merkl. Eine Saison erstklassig (1980/81), Konkurs 1982.

Maddogs: Mit Einführung der DEL 1994 wurden GmbHs zuständig für den Spielbetrieb. Das verschaffte dem EC Hedos noch eine Galgenfrist. Doch mit neuem Namen und Logo (abgekupfert von dem des NHL-Klubs Anaheim Mighty Ducks) war nichts mehr zu retten. Im Dezember 1994 war Schluss, die Maddogs schieden mitten in der Saison aus.

Barons: Der Hedos-Nachfolger ESC war weit entfernt von der DEL und ohne Lust auf Profi-Eishockey, doch er ließ sich einspannen in ein Konstrukt, das den Quereinstieg in die Liga ermöglichte. Die Lizenz wurde vom EV Landshut übernommen, das Geld kam vom US-Unternehmer Phil Anschutz, und der ESC zog seine erste Mannschaft zurück. Eis frei für ein großes Experiment, die Barons München wurden zum ersten von einem völlig fremden Investor gelenkten Unternehmen. Beginn 1999, festgelegt auf drei Jahre.

Doch München war, wie sich bald herausstellte, nur der Ausweich-Klub von Phil Anschutz. Interessanter erschien ihm der Berliner Markt, wo er wenig später bei den Eisbären einstieg. In der Hauptstadt war außerdem das Ziel eines Arena-Baus leichter zu realisieren als in München, das damals nach einer Fußball-Lösung suchte (die Allianz-Arena war noch nicht mal eine vage Idee). Im Sommer 2002 beendete die Anschutz Entertainment Group ihr Münchner Engagement. Am Ende zählten die Zahlen: Jedes Jahr Verluste in annähernd zweistelliger Millionen-Höhe waren ein stärkeres Argument als die sportlichen Erfolge: 2000 sofort Meister (und danach im Continental Cup vertreten), 2001 Finalist, 2002 im Halbfinale. Die von Trainer Sean Simpson und Manager Max Fedra drei Jahre souverän geleitetete Truppe mit Stars wie Boris Rousson, Simon Wheeldon, Shane Peacock und Andy Schneider wurde aufgelöst. Die Lizenz nahm Anschutz mit nach Hamburg, wo er mit den Freezers die neue Color Line-Arena bezog.

Günter Klein

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