Der EHC-Star über Dialekt, Heimatgefühle und Leberkas

Koni Abeltshauser im Bayern-Interview: "Hochdeutsch ist anstrengend"

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Koni Abeltshauser

Unterbuchen, im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Das ist die Heimat von Koni Abeltshauser. Der Star des EHC Red Bull München ist dort aufgewachsen, seine Familie führt einen Bauernhof. Im Interview spricht er über Dialekt, Heimatgefühle und Leberkas.

München - Unterbuchen, im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Das ist die Heimat von Koni Abeltshauser. Der Star des EHC Red Bull München ist dort aufgewachsen, seine Familie führt einen Bauernhof. Und obwohl seine Karriere ihn bereits nach Kanada und in die USA führte, kehrte Abeltshauser immer wieder in die Heimat zurück. Warum, das verrät der 26-Jährige im Interview mit der tz.

Koni, keiner in deinem Team verkörpert Bayern so wie du. Trotzdem hat es dich in deiner Karriere immer wieder in die Ferne gezogen. Schlagen zwei Herzen in deiner Brust?

Koni Abeltshauser: Es ist schon so, dass ich gerne Neues erlebe, an die unterschiedlichsten Orte reise und mir alles anschaue. Aber es ist immer so, dass ich danach wieder gern nach Hause, nach Bayern, zurückkomme. Mir war immer klar – auch damals, als ich beispielsweise nach Kanada gegangen bin – dass ich wieder zurückkehren würde. Hier in Bayern ist mein Lebensmittelpunkt. Und das wird auch immer so sein.

Was macht Bayern so besonders?

Abeltshauser: Ich habe eine sehr große Familie. Und sie alle leben noch dort und in der Umgebung, wo ich aufgewachsen bin. Auch meine Freunde sind – wenn sie mal weg waren – alle zurückgekommen oder waren niemals fort. Bei uns herrscht einfach ein toller Zusammenhalt. Einer hilft dem anderen. Und man ist mit wenig zufrieden. Bei uns auf dem Land gibt es nicht die riesigen Höfe mit den großen Hightech-Maschinen. In dieser Gegend gibt es eher kleine Bauernhöfe und alte Traktoren, die schon seit Jahren in Familienbesitz sind. Man ist froh um das, was man hat. Bei uns daheim ist die Welt einfach noch in Ordnung.

Deine Frau Erica ist Kanadierin. War es schwer, Sie für die Kultur und das Leben hier zu begeistern?

Abeltshauser: Ich habe damals in Kanada – als unsere Beziehung ernster wurde – gleich ganz offen angesprochen, dass meine Zukunft spätestens nach meiner Eishockeykarriere in Bayern sein wird, dass ich in jedem Fall heimkehren will. Für Erica war das in Ordnung. Als sie in den ersten Sommern mitgereist war, gab es dann aber schon einen kleinen Kulturschock für sie.

Warum?

Abeltshauser: Es gab gleich das volle Programm: Wir haben damals in meinem kleinen Kinderzimmer bei uns auf dem Hof gewohnt. Und in Unterbuchen ist natürlich weniger los als in Kanada. Aber es hat nicht lang gedauert, da hat sie verstanden, warum es mir so gefällt. Mittlerweile hat sie sich selbst vier Dirndl genäht und mag das Leben hier. Ich würde sagen, sie liebt Bayern nicht so sehr wie ich, aber es kommt dem schon nahe.

Den Heiratsantrag gab es daher in den Bergen, oder?

Abeltshauser: Genau. Ich habe ihr eine Schnitzeljagd vorbereitet. Die ging durch unser Dorf und die Umgebung und endete auf dem Berg. Dort habe ich ihr dann den Antrag gemacht. Der Ausblick dort oben beim Sonnenuntergang – das war einfach die passende Kulisse.

Welche Vorurteile gegenüber Bayern sind dir im Ausland begegnet?

Abeltshauser: Die Klassiker waren natürlich dabei: Die meisten verstehen nicht, dass Tracht keine Verkleidung ist. Oder sie denken, Bayern sei ausschließlich das Oktoberfest. Mit einem Vorurteil – der deutschen Pünktlichkeit ­– habe ich aber ganz schnell aufgeräumt. Es ist äußerst selten, dass ich pünktlich bin. Da hab ich einfach die Ruhe weg. Meist treffe ich auf meinem Weg noch jemanden, mit dem ich mich kurz unterhalte, sodass ich wieder zu spät komme, auch wenn ich rechtzeitig los bin.

Was bedeutet Heimat für dich?

Abeltshauser: Heimat – das sind meine Familie und meine Freunde. Der Blick auf die Berge und das Leben auf unserem Bauernhof. Und natürlich Tracht. Lederhosn gehen immer. Egal, ob es am Sonntag in die Kirche, auf eine Hochzeit oder auf eine Feier geht: Ich sage immer: „In Tracht ist man stets gut gekleidet.“

Gibt es auch ein bestimmtes Gericht, das für dich typisch bayerisch ist?

Abeltshauser: So eine gute Leberkassemmel ist schon etwas Feines. Immer, wenn ich aus Kanada zurückgekommen bin, wurde noch auf der Fahrt vom Flughafen beim Metzger gehalten und eine gekauft.

Dabei heißt’s: Es sei wirklich schwer, gute Leberkassemmeln zu finden.

Abeltshauser: Ich habe da Glück. Unsere Familie ist ja sehr groß. Wie es der Zufall will, habe ich auch einen Onkel, der eine eigene Metzgerei hat. Also sitze ich an der Quelle. Einmal, als ich eine Wette gegen die Nürnberg Ice Tigers verloren habe – und der Einsatz 5 Kilo Leberkas war – habe ich diesen auch bei meinem Onkel besorgt. Ich dachte mir: Wenn schon, dann sollen sie auch einen Gescheiten bekommen (lacht).

Wer dich kennt weiß, du sprichst eigentlich immer Dialekt. Ist es dir wichtig, diesen beizubehalten?

Abeltshauser: Ich mag Dialekte und ich finde schön, dass es unterschiedliche gibt. So hört man immer heraus, von wo jemand kommt. Beim Maxi Daubner hört man beispielsweise sofort, dass er aus Niederbayern kommt. Ich finde, Dialekte sollten unbedingt bewahrt werden. Für mich ist es sogar richtig anstrengend Hochdeutsch zu sprechen. Und wenn ich mir dann so selber zuhöre, denke ich mir: Das bin doch gar nicht ich.

Was macht die Bayern als Menschen aus?

Abeltshauser: Eine gewisse Gemütlichkeit würde ich sagen. Und eben dieser Zusammenhalt. Ich weiß, meine Freunde sind immer für mich da. Für die bin ich nicht der Eishockeyspieler, sondern einfach der Koni. Und das wird immer so sein.

Interview: Lena Meyer

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