Luxusproblem im EHC-Tor…

+
Joey Vollmer in Aktion.

München - Wie einst bei Kahn und Lehmann – bloß auf Eis und ohne Zoff… Der EHC München, der am Dienstag in der Lausitz den Schritt ins Halbfinale klarmachen kann, hat gleich zwei glänzende Torhüter unter Vertrag.

Joey Vollmer und Sebastian Elwing, die in der regulären Saison die Nummer eins und Nummer drei der kompletten Liga waren. Sicher ist: Wenn die beiden für verschiedene Vereine auflaufen würden, hätten sie jeweils eine Spielgarantie für die komplette Saison. Aber so, wo beide das EHC-Trikot tragen? Da muss automatisch immer einer zuschauen…

EHC München - Lausitzer Füchse:

Dienstag, 30.03.2010, 19:30 Uhr

Der Sieg des einen ist da immer auch eine kleine Niederlage für den anderen. Wie viel Druck auf den Schultern lastet, war bei Vollmer nach seinem glänzenden Auftritt am Sonntagabend zu sehen. Der EHC gewann da 5:1, in der Serie steht es 3:0. Und Vollmer? Der hatte keine Feierlichkeiten im Kopf, sondern verließ nach dem Spiel sofort die Halle, um beim Auslaufen in den Hügeln des Olympiaparks den Kopf freizubekommen. Doch selbst das klappte nur halbwegs: „Ich bin etlichen Fans in die Arme gelaufen und musste zwei Autogramme geben.“ Auf dem Weg zurück in die Katakomben gab’s ein Küsschen von der Freundin: „Sie weiß genau, wie es mir in den letzten Tagen ergangen ist, sie bekommt das alles hautnah mit…“

Vollmer stand zuvor fünf Play-off-Runden lang nicht im Tor, in den vergangenen zweieinhalb Wochen bestritt er überhaupt kein Spiel. Er erzählt: „Am Anfang war ich gegen die Lausitzer noch nervös, bin aber immer besser ins Spiel gekommen.“ Eigentlich hätte er sogar einen Shut-out verdient gehabt – der ihm nicht durch den Gegner, sondern durch Konzentrationsmängel seiner eigenen Verteidigung geklaut wurde. Während einer Unterzahl befanden sich alle drei Münchner Feldspieler hinter dem eigenen Tor – wo sie in dieser Situation nichts zu suchen haben.

Wer am Dienstagabend beim vierten Spiel in Weißwasser im Kasten steht? „Das wird uns der Coach nach dem Training sagen – und ich weiß: Es ist keine leichte Aufgabe, das zu entscheiden“, so Vollmer. Den Beweis dafür liefern auch die Zahlen. Vollmer hat während der regulären Saison pro Spiel im Durchschnitt 1,96 Gegentore bekommen, Elwing 2,14 – praktisch identisch. Den Trainern gefällt aber nicht bloß die Leistung, sondern vor allem die Einstellung der Goalies. Kein Torwartkrieg, kein Gemecker. Vollmer sagt: „Wir spielen ja in der gleichen Mannschaft, wir wollen beide den Erfolg. Und wir wollen beide spielen…“ Trainer Pat Cortina bleibt fast nur eines übrig: Die Entscheidung per Münzwurf herbeizuführen. „Ja, so kann man das formulieren“, stellt er fest. „Beide sind fast gleich gut. Wir haben ein Luxusproblem, das ich lösen muss…“

Matthias Würfl

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare