Eric Schneider: Der Hoffnungsträger aus Kanada

+
Top-Stürmer Eric Schneider will den EHC in eine erfolgreiche Premierensaison in der DEL führen.

München - Weil er fünf Kinder hat, winkten mehrere Klubs ab – jetzt stürmt Ausnahme-Könner Eric Schneider für den EHC.

Am heutigen Donnerstag ist bei Eric Schneider mal wieder ein Umzug angesagt. Anders als zuletzt hat sich der neue Starstürmer des EHC München auf diesen Tag allerdings sogar gefreut. Zur Abwechslung war der Tapetenwechsel schließlich keinem neuen Arbeitgeber geschuldet. Nach einigen Wochen im Hotel siedelt der 32-Jährige nun in sein neues Domizil vor den Toren Münchens über.

Puchheim heißt die neue Heimat für Schneider und seine Familie. Und geht es nach dem Mann, der sich in den letzten Spielzeiten aus den Niederungen der 2. Liga (Crimmitschau, Bietigheim) zu einer Vorzeigekraft der deutschen Eliteklasse entwickelt hat, dann wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Fürs erste hat der frühere Frankfurter dem EHC zwar nur für eine Spielzeit sein Ja-Wort gegeben. Doch das soll eine Zeit zum gegenseitigen Beschnuppern sein – „wenn alles normal läuft, dann hätte ich nichts dagegen, wenn daraus ein paar Jahre werden“.

Doch auch schlechte Zeiten können manchmal eben ziemlich hilfreich sein. Und so traf es sich für den EHC nur zu gut, dass sich in der DEL zuletzt so manch ein Klub heftig übernommen hatte. Zweimal hatte Schneider binnen nur gut eines Jahres die Farben wechseln müssen, weil sein Klub in finanzielle Schieflage geraten war. Er hatte Hannover den Rücken gekehrt, weil der spätere Meister sein Spielerbudget um 15 Prozent kappte. Beim neuen Arbeitgeber Frankfurt gingen nach nur einem Jahr die Lichter aus – ein Umstand, der den Münchnern ganz nebenbei auch Nationalverteidiger Felix Petermann bescherte.

Natürlich flatterten dem vielseitigen Angreifer, der in einem Kleinstädtchen nördlich von Calgary beheimatet ist, manches Angebot ins Haus. Doch so schnell einige Offerten gekommen waren, so schnell wurden sie auch wieder zurückgezogen. Der Grund: Schneiders Großfamilie – mit den Zwillingen Clark und Adam brachte Ehefrau Carla im September die Kinder Nummer vier und fünf zur Welt. „Es ist unglaublich“, sagte der Neu-Münchner, „aber deshalb haben mir einige Vereine abgesagt.“ Weil man die Kosten für eine angemessen große Unterkunft scheute.

Es störte ihn am Ende auch nicht, dass „ich auf viel Geld verzichten musste“. Der robuste Top-Angreifer unterschrieb beim EHC. Und beim Liganeuling geht man seither weitaus entspannter an die Herausforderung in der Erstklassigkeit heran. Weil man neben dem neuen Chef Stephane Julien – der 36-jährige Verteidiger erhielt seiner enormen DEL-Erfahrung wegen (405 Spiele) den Vorzug – im Rennen ums Kapitänsamt, plötzlich noch eine zweite große Leitfigur beschert bekam. Einen Mann, der die vielen noch unerfahrenen Kräfte im Team – immerhin 15 Spieler aus dem vorjährigen Zweitligakader sind an Bord geblieben – mitreißen und mit seinen Qualitäten auch in so manchen Partien den Unterschied ausmachen kann. Und das nicht nur wegen seiner Treffsicherheit: In vier Spielzeiten in der DEL brachte es Schneider auf immerhin 84 Treffer und 133 Assists. Winkler sieht in dem bodenständigen Familienvater auch einen Instinktspieler. „Wenn man sich gerade denkt, es wird Zeit, dass mal wieder einer einen Check zu Ende fährt, dann tut er es im nächsten Moment“, staunte der Manager.

Und Eric Schneider gibt die Komplimente gerne zurück. Geht es nach ihm, dann könnte der EHC trotz eines vergleichsweise bescheidenen Budgets von 3,5 Millionen Euro (Winkler: „Andere Vereine haben mehr Abfindungen gezahlt, als wir Spieler-etat haben“) sogar so etwas wie die große Wundertüte der Liga werden. Zumindest glaubt er, eine Mannschaft „mit großem Herz vorgefunden zu haben“. Ein Team eben, das „auf dem Eis um jeden Meter kämpft“ und mit diesen Qualitäten auch für manche Favoriten zum Stolperstein werden könnte. Die couragierten Auftritte in der Vorbereitung, unter anderem mit einem Sieg und einer Penalty-Niederlage gegen die Vorjahres-Finalisten aus Augsburg und Hannover, scheinen ihm Recht zu geben. Die Eishockey-Prominenz haben Schneider und Kollegen mit ihren bisherigen Einsätzen jedenfalls schon überzeugt. Ex-Bundestrainer Hans Zach beispielsweise hat in München „eine gut funktionierende Mannschaft beobachtet, die um die Pre-Playoffs mitspielen kann“.

Eric Schneider wäre das nur Recht. Bei einer entsprechend erfolgreichen Premierensaison bliebe ihm ein neuerlicher Umzug fürs erste sicher erspart.

Patrick Reichelt

Auch interessant

Kommentare