NHL-Lockout besiegelt - Fällt ganze Saison aus?

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Rick Nash (r.). geht wohl nach Davos

Toronto - Der für den 11. Oktober geplante Saisonstart in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ist abgesagt, zum dritten Mal in 18 Jahren werden die Kufencracks von der Liga "ausgesperrt".

Die Kufencracks in Deutschland schlummerten noch selig, da sorgte ausgerechnet das große Eishockey-Vorbild aus Nordamerika für den großen Knall. Arbeitskampf, Lockout - auf einmal ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt lahmgelegt. Aus der Traum von einer erhofften Einigung in letzter Minute, pünktlich um Mitternacht sperrten die Klubbesitzer zum dritten Mal in den vergangenen 18 Jahren ihre rund 700 Profis aus.

„Wir entschuldigen uns dafür“, kommentierte der NHL-Beauftragte Bill Daly die beschämende Entscheidung aus Übersee: „Das ist nicht das, was wir erwartet oder erhofft hatten.“ Bereits 1994 hatte die NHL verspätet den Spielbetrieb aufgenommen, 2004 war sogar die gesamte Saison ausgefallen.

Angesichts ihrer Sturheit sollten sich die Teambesitzer und die Vertreter der Spielergewerkschaft NHLPA schleunigst zusammensetzen, um dies zu verhindern. Bereits zur Wochenmitte hatten sich beide Seiten nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen können, die restlichen Stunden bis zum Verstreichen der Frist ließen sie ungenutzt. Offizielle Gespräche? Fehlanzeige.

Während Tausende Kilometer entfernt die Verantwortlichen jetzt alle Hände voll zu tun haben, um ein Fiasko und den Ausfall der gesamten Saison zu verhindern, dürften ihren Kollegen in Deutschland vor lauter Vorfreude schon die Augen leuchten. Die deutschen Eishockeystars hatten nämlich bereits vor dem Lockout angekündigt, die Zwangspause in ihrer Heimat überbrücken zu wollen. Die zu stemmenden horrenden Versicherungssummen dürften zumindest bei Deutschlands gut betuchten Vereinen wie Eisbären Berlin oder Adler Mannheim kein unüberwindbares Hindernis darstellen.

„Hecht, Goc und Seidenberg alle in Mannheim? Ja, warum denn nicht?“, sagte Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp. Probleme bei der Eingewöhnung dürfte es keine geben, denn die Stürmer Jochen Hecht und Marcel Goc haben bis Ende August das Sommertraining der Adler mitgemacht. Nationalverteidiger Dennis Seidenberg könnte wie Goc dann mit seinem jüngeren Bruder auf Torejagd gehen.

Deutlich konkreter erscheinen die nahen Zukunftspläne von Kollege Christian Ehrhoff. Der Verteidiger wollte noch am Sonntag nach Deutschland fliegen, um seinen Heimatverein Krefeld Pinguine zu unterstützen. Wenn Krefeld die finanzielle Hürde überwinden sollte, „kann ich schon am Freitag dabei sein“, sagte Ehrhoff.

Dass sich die deutschen Eishockey-Fans auf noch prominentere „Gastarbeiter“ und Stars wie Rick Nash oder Jewgeni Malkin freuen dürfen, ist derweil unrealistisch. Zu finanzstark sind die Konkurrenten aus der Schweiz und vor allem Russland.

Der 28-Jährige Nash, unter anderem mit WM-Gold und Olympiasieg dekoriert, heuert wohl beim HC Davos an. Mit den Schweizern hatte er beim letzten Lockout die Meisterschaft gefeiert. Und Malkin, MVP der vergangenen Saison, hat in Russland schon bei Metallurg Magnitogorsk mittrainiert.

Die russische KHL hat allerdings bereits vorgesorgt. Unter der Überschrift „Ready for Invasion“ (Bereit für die Invasion) teilte die Kontinentale Hockey-Liga mit, dass die KHL-Klubs pro Team nicht mehr als drei NHL-Profis verpflichten dürfen. Nur einer davon darf ein Ausländer sein.

Nur kleine Probleme, über die sie in Nordamerika zurzeit sicherlich froh wären. Die ersten Vorbereitungsspiele werden höchstwahrscheinlich zeitnah abgesagt, auch die Trainingscamps ab 21. September könnten ausfallen, der Saisonstart dürfte sich zumindest verzögern. Der NHL droht ein altbekannter Albtraum.

sid

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1.  © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

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