Spieltage auf Wunsch des Fernsehens zersplittert

Donnerstags nie! Eishockey-Fans wehren sich gegen Spielansetzungen

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Proteste sind im Eishockey selten – diese Aktion gab es vor fünf Jahren in Berlin, als die Dauerkartenpreise erhöht wurden. Das Bild würde jetzt aber wieder passen.

Wie im Fußball: Zersplitterung des Spieltags auf Wunsch des Fernsehens - Im Eishockey erheben 72 Fan-Clubs aus elf DEL-Standorten ihre Stimme

München – Am Donnerstag ist wieder Eishockey. Am Donnerstag? Ja, das ist neu in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). In der Regel wird sie ein Spiel vom Freitag nach vorne ziehen, in dieser Woche trifft es die Partie EHC München – Schwenninger Wild Wings. Das Fernsehen will es so – wobei „das Fernsehen“ ja eigentlich das Internet ist. Die Deutsche Telekom streamt seit einem Jahr alle DEL-Partien.

Feine Sache für die Fans. Doch bei weitem nicht für alle. Für die, die Eishockey grundsätzlich lieber im Stadion erleben, ist die Verbeugung der Liga vor dem Medienpartner zu tief. Gegen den Donnerstagstermin wird nun rebelliert. 72 Fan-Clubs an elf der 14 DEL-Standorte machen in Sachen Eishockey-Fankultur gemeinsame Sache: Sie haben einen Brief an die Telekom und die DEL geschrieben, in denen sie ab der nächsten Saison (2018/19) ein „Donnerstags nie!“ fordern. Die Schwenninger, die am Donnerstag in München gastieren (Müssen), zählen zu den Aktivisten. Bauchenberg Jungs, Blue White Patriots, Hockeyholics, Meedale, Neckarfront, Neckarschwäne, Schandmäuler VS, SERC Supporters 1999 und das Wild Wings Fanprojekt e.V. haben unterschrieben.

Die Argumentation der Donnerstags-Gegner: „Auswärtsfahrten an Donnerstagen sind für Gästefans in der Regel ohne zwei Urlaubstage nicht zu bewerkstelligen. Dieses Urlaubskontingent ist bereits durch die hohe Dichte an Freitags-, Dienstags- und Mittwochsspielen ausgereizt.“ Weil im Februar drei Wochen lang für das Olympia-Turnier pausiert wird, muss die DEL diese Saison gelegentlich auch an Dienstagen und Mittwochen aufs Eis bitten, um die Hauptrunde mit 52 Spieltagen zu bewältigen.

Mit wenigen Zuschauern könne die Atmosphäre des Eishockeys nicht vermittelt werden

Die Fans weiter: „Aufgrund beruflicher oder schulischer Verpflichtungen wird der Spieltag unter der Woche für sehr viele Fans zu einer großen Herausforderung und in vielen Fällen gar unmöglich.“ Schon dadurch, dass die DEL vorige Saison begann, am Sonntag eine Partie auf 19 Uhr auszulagern, schuf sie eine Belastung, die die reisenden Anhänger als „enorm“ bewerten. Mit weniger Zuschauern in den Stadien (vor allem weniger aus der Gruppe der aktiven) würde bei einer Übertragung auch nicht vermittelt werden können, welche spezielle Atmosphäre das Eishockey kennzeichne. Und so werde aufgrund der Livestreams auch niemand den Weg in die Arena finden. Unterm Strich also kein gutes Geschäft für die Vereine. „Die negativen Auswirkungen von Wochenspieltagen werden die wenigen positiven Aspekte für die TV-Übertragung deutlich überwiegen.“

Ein regelmäßiges Donnerstags-Spiel hatte es schon mal vor über zehn Jahren gegeben – Sport1 hatte da eben Platz im Programm. Nun zeigt Sport1 sein Spiel der Woche am Sonntagnachmittag, diese Platzierung hat es vom Vorgänger als Rechteinhaber, von Servus-TV, übernommen. Die Donnerstags-Sache ist ein alleiniger Wunsch von Hauptpartner Telekom, dessen Wunsch nach Entzerrung durchaus verständlich ist: Bisher liefen am Freitag alle sieben Spiele parallel ab 19.30 Uhr – ein feuchter Traum wäre das für alle Fußballfans, die in der Bundesliga die Aufsplittung des Spieltags in fünf Teile beklagen.

Das Eishockey hat nun ebenfalls fünf Slots (Donnerstag 19.30 Uhr, Freitag 19.30 Uhr, Sonntag 14.00 Uhr, 16.45 Uhr, 19.00 Uhr) – allerdings für 14 Spiele (und nicht neun wie im Fußball).

Es wird eng im Sportangebot der Telekom

Die Plattform „Telekom Eishockey“ ist mit Beginn dieser Saison im Gesamtangebot „Telekom Sport“ aufgegangen, es ist jetzt nicht nur Basketball im Programm, sondern auch noch Handball, die Sky-Konferenzen von Fußball-Bundesliga und Champions League, die Frauenfußball-Bundesliga, die 3. Liga. Es wird eng im Sportangebot der Telekom, am Sonntagnachmittag kam es zu Ausfällen beim Eishockey („Ups, das hätte nicht passieren dürfen“ – die Fehlermeldung). Es soll sich nicht alles ballen.

Die Initiative der Fan-Clubs wird an den angesprochenen Stellen wohl abprallen. Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing bei der Telekom, verweist auf die gute Zahl von 8,3 Millionen Zusehern in der ersten Saison und eine laut Umfrage „Kundenzufriedenheit von 93 Prozent. Klar wird mal Kritik an einem Kommentator geübt, doch die Fans goutieren unser Angebot.“

Nicht alle halt, wie man durch den nun veröffentlichten Brief weiß. Nicht beteiligt haben sich Anhänger aus München, Mannheim und Augsburg.

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Quelle: tz

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