"Es gibt Stellen am Körper, da schmerzt es"

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Sebastian Elwing (Archivfoto)

München - Die tz sprach mit den Goalies vom EHC München, Sebastian Elwing und Jochen Reimer, über ihren Job. Die beiden wagen den Vergleich: Eishockey gegen Fußball.

Jochen Reimer

Sie brauchen irre Reflexe, um die mit Urgewalt abgefeuerten Schüsse abzuwehren. Und sie müssen im größten Getümmel den Überblick bewahren, um ihrem Team Rückhalt zu geben – in keinem anderen Sport sind die Torhüter so wichtig wie im Eishockey. Vor dem Derby am Sonntag (16.30 Uhr) gegen Straubing sprach die tz mit den Goalies vom EHC München, Sebastian Elwing und Jochen Reimer.

Die Pucks erreichen 140 km/h. Spüren Sie den Einschlag?

Elwing: Das kommt darauf an, wo sie treffen. Heutzutage schützt die Ausrüstung gut. Es gibt aber Stellen am Körper, da schmerzt es dann. Der erste Schuss am Tag, der mit 140 ankommt, ist schwer zu halten. Das Auge muss sich erst daran gewöhnen.

Deutsche Mannschaften haben in fast allen Sportarten Toptorhüter. Wieso ist das eigentlich so?

Elwing: Das wird vielleicht mit der Mentalität der Deutschen zu tun haben. Das geregelte Leben, das wir von klein an führen, hat mit mentaler Stärke wahrscheinlich ein Stück weit zu tun.

Vergleichen Sie bitte mal die Torwart-Rolle im Eishockey mit der im Fußball.

Reimer: Nehmen wir mal meine Lieblingsmannschaft, die Bayern: Manuel Neuer kriegt Rückpässe, macht das Spiel schnell – er spielt richtig mit. Wir bekommen viele Schüsse und spielen für uns unser eigenes Spiel als Teil der Teams.

Elwing: Es gibt Torhüter, die strahlen selbst im Fußballtor Ruhe aus. Wenn ich Neuer sehe mit seiner Größe, dann denke ich, die Arme werden immer noch um einen halben Meter länger.

Sie nennen ihn "Schnapper": 20 Fakten zu Manuel Neuer

Manuel Neuer wird von den meisten Freunden "Manu" gerufen. Alternativ-Spitzname: "Schnapper" © Getty
Früh übt sich: Schon als Kind hat Neuer immer wieder vom Bier seines Vaters genippt. © Getty
Der erste Ball: Im Alter von zwei Jahren bekommt Neuer von seinen Eltern den ersten Fußball geschenkt, als Fünfjähriger steht er bei einem Hallenturnier erstmals zwischen den Pfosten - schon damals für Schalke. Mit sieben schnuppert Neuer im Parkstadion erstmals als Fan Schalker Luft. Mit Freunden tritt er dem Fanclub “Buerschenschaft“ bei, besucht die Heimspiele und auch so manche Auswärtspartie. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Seinen ersten Kuss bekam Neuer mit zwölf Jahren auf Ferienfreizeit der Kirchengemeinde. Zitat Neuer: "Es passierte auf einem Anhänger, der auf einer Wiese stand." © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Neuer ist kein leidenschaftlicher Biertrinker, schwört aber im Ernstfall auf "frisches Veltins" © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Neuers Stammlokal war zu Schalker Zeiten die Markthalle in Buer. Dort war er mindestens ein Mal pro Woche Gast. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Am liebsten isst Neuer Italienisch: Pasta und Pizza. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Auch zu seiner Friseuse pflegt Neuer eine innige Beziehung. Er lässt sich monatlich die Haare nachschneiden. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Fußball ist für Neuer "die schönste Nebensache der Welt". Nicht mehr? © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Bis er 14 Jahre alt war, hat Neuer Tennis im Verein gespielt. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Neuers sportliches Vorbild ist Jens Lehmann. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Neuer stand schon als Teenie in der Nordkurve des damaligen Schalker Parkstadions © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Neuers bester Kumpel heißt "Wuppi". Seit sie drei Jahre alt sind, gehen Manu und Wuppi durch dick und dünn. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Als Keeper der U 21-Nationalelf profitierte er in der Bundesliga im August 2006 vom verletzungsbedingten Ausfall des Schalker Stammkeepers Frank Rost. Trainer Mirko Slomka vertraut dem 20-Jährigen im Punktspiel bei Alemannia Aachen (1:0). “Natürlich habe ich Nervenflattern. Um das zu beherrschen, setze ich den Tunnelblick auf“, sagt Neuer kurz darauf. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Im November 2006 spielt der FC Bayern auf Schalke - viel überraschender als das Ergebnis (2:2) aber ist eine Personalie: Neuer ist mit einem Mal Schalkes neue Nummer eins. Völlig unverhofft setzt Slomka Rost ab und befördert Neuer. “Gegen die Bayern stand ich dann plötzlich drin“, sagt er und hält in den kommenden Wochen so stark, dass einige in ihm schon damals den kommenden Nationalkeeper sehen. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
In seiner Heimat Gelsenkirchen ist er Sportler des Jahres 2006, 2008 und 2009 © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Die WM 2010 in Südafrika wird die Bühne für Neuers ganz großen Durchbruch. Er personifiziert Selbstsicherheit und trotz seiner 24 Jahre auch viel Abgeklärtheit, kassiert im ganzen Turnier nur drei Gegentore. Mit der DFB-Elf wird Neuer WM-Dritter und steht von nun an wie andere deutschen Senkrechtstarter auf der Wunschliste diverser Topclubs in ganz Europa. Am Ende greift der FC Bayern zu. © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Sein Bruder Marcel ist Schiedsrichter © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Für die deutsche A-Nationalmannschaft stand Neuer bei der WM 2010 im Tor © Getty
20 Fakten über Manuel Neuer
Via Schalker Internetseite und "Facebook" gibt Neuer am 20. April 2011 bekannt, dass er seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht verlängern wird. Am 1. Juni vermelden Schalke und Bayern den Wechsel zur kommenden Saison als perfekt © Getty

Sie fangen jeweils über neun von zehn Schüssen, eine Superquote. Ihr Stil ist aber verschieden.

Reimer: Mir ist der Butterfly-Stil beigebracht worden. (Der Torhüter fällt auf die Knie und spreizt die Schenkel zur Seite, die Red.). Ende der 90er-Jahre gab es eine Revolution im Torwartspiel. Elle ist älter und spielte mit Torhütern, die fast nur stehen blieben. Er hat jetzt eine Mischung gefunden zwischen den zwei Sachen.

Hatten Sie ein Vorbild?

Elwing: Dominik Hasek fand ich überragend. Der war beweglich bis ins hohe Alter. Wenn mich einer ausspielt, springe ich hinterher. Manchmal berührt man den Puck eben doch noch mit dem Schläger. Ich schaffe einen Butterfly, den zweiten machen meine Beine nicht mehr (lacht). Das ist im Kopf zu spät verankert worden.

Am Sonntag trifft der EHC auf Straubing. Deren Torwart Barry Brust langt gerne mal beim Gegner zu. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Elwing: Letztes Jahr in Augsburg habe ich das auch mal (lacht). Das musst du aber als Torwart unter Kontrolle haben. Du kannst ja keinem Spieler auflauern und dir dessen Nummer merken, bis der wiederkommt. Aber wenn es so kommen sollte, dann kommt’s halt.

Reimer: Man sollte eher die Finger davon lassen. Das lenkt dich vom Wesentlichen ab.

Elwing: Ich bin mit dem Alter ruhiger geworden. Man braucht einen starken Kopf im Tor, um schnell reagieren zu können.

Was machen Sie zum Ausgleich für den Kopf auf den langen Auswärtsfahrten?

Elwing: Ich lese. Gerade Das Spiel der Nachtigall von Tanja Kinkel.

Reimer: Lesen tue ich auch ab und zu, ich schaue mir aber viele TV-Serien an. Im Moment ganz groß: How I met your mother und die neuen Folgen von Two and a half man.

Jochen hat bereits verlängert. Wie planen Sie, Sebastian?

Elwing: Wir spielen die Saison fertig, dann schauen wir.

Interview: Martin Wimösterer

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