Heiß auf Eis! Interview mit EHC-Coach Cortina

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Pat Cortina, Trainer des EHC München.

München - Auf geht’s, raus aufs Eis! Heute startet die DEL in die Saison, der EHC München tritt in Krefeld an. Die tz sprach mit Trainer Pat Cortina übers Team, seine Erwartungen und seine Liebe zum Eis - Ortstermin in der Eisdiele:

Herr Cortina, erleben wir heute das erste Interview auf Deutsch?

Cortina (lacht): Erst Eis machen und jetzt auch noch Deutsch sprechen. Das sind zu viele neue Sachen auf einmal.

Wie geht’s denn voran mit der Sprache?

Cortina: Besser als null ist nicht so schwer, oder? Mmmh, das Eis ist lecker.

Ist die Mannschaft auch heiß, endlich aufs Eis zu kommen?

Cortina: Die Vorbereitung hat am 8. August angefangen und war sehr lang und hart. Nach fünf Wochen ist es Zeit, dass es los geht. Gegen Krefeld sind wir heiß aufs Eis.

Klingt gut. Was ist für den EHC in diesem Jahr drin?

Cortina: Wenn wir es wieder in die Pre-Playoffs schaffen, wäre das toll. Aber man muss beachten, dass große Teams wie Hamburg, Köln, Mannheim und Ingolstadt nur eine durchschnittliche Saison gespielt haben. Mit deren Etat werden die nicht noch mal so ein Jahr haben. Wenn von den vier nur zwei besser sind, wird es für uns oder auch Augsburg und Straubing sehr eng.

Zudem ist das zweite Jahr immer das schwierigste…

Cortina: Das stimmt. Die Erwartungen steigen, und man tendiert dazu, zu locker zu werden. In der ersten Saison hat man noch Angst. Jetzt denkt man: Wenn wir es letztes Jahr geschafft haben, wird’s auch dieses Jahr irgendwie gehen - genau das ist gefährlich.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Sie sind Kanadier mit italienischen Wurzeln. Ihre Mannschaft überzeugt oft mit sehr deutschen Tugenden.

Cortina: Genau: Kampf, Arbeitmoral, richtige Einstellung, Leidenschaft.

Aha, das Deutsch klappt ja doch ganz gut…

Cortina: Wenn ich diese Begriffe nicht kennen würde, bräuchte ich nicht hier zu sein. Wir sind eine Arbeitsmannschaft, kämpfen in jedem Spiel. Aber wir müssen unseren Kopf benutzen, und auch der Charakter ist sehr wichtig.

Gutes Stichwort. Sie haben mit Ryan Ready und Mike Kompon zwei wichtige Spieler verloren. Dafür aber unter anderem Noah Clarke und Brandon Dietrich dazu bekommen. Hält sich das die Waage?

Cortina: Das sind unterschiedliche Spieler. Ryan hatte Erfahrung und Spielintelligenz. Noah ist ein guter Skater mit unglaublichen Fähigkeiten. Wir haben Erfahrung verloren, aber Geschwindigkeit gewonnen. Brandon ist nicht Mike. Aber er bringt viel Torinstinkt mit. Man verliert etwas, bekommt aber etwas anderes. Letztendlich muss man mit dem arbeiten, was man hat.

Letztes Jahr sind Sie furios gestartet. Wie wichtig ist das?

Cortina: Das Wichtigste ist, dass wir gut spielen. Denn dann weiß ich auch, dass die Punkte kommen werden.

Die Niederlagen in der Vorbereitung dürfen wir also vernachlässigen?

Cortina: Ja, das war sogar hilfreich. Jetzt sind wir ein bisschen mehr zur Angst-Seite gerückt und nicht zu locker.

Locker ging’s für Sie in Kanada zu. Sie haben ihren Bruder besucht, der geheiratet hat.

Cortina: Das war etwas Besonderes, weil die ganze Cortina-Familie aus Italien, den USA und Kanada zusammengekommen ist. Meine Eltern, Onkel und Tanten sind nicht mehr allzu jung. Da weiß man nie, wann und ob man sie noch einmal wieder sieht. Es war schön, mit allen ein paar Tage zu verbringen. Es gab viel zu Essen und gute Musik.

Die Hochzeit hat Ihnen also gefallen. Wie sieht’s dann selbst mit Heirat aus?

Cortina (lacht): Haben Sie mit meiner Frau gesprochen? Wenn du in der Kirche stehst, denkst du natürlich schon daran. Wir sind jetzt zwölf Jahre zusammen. Wir haben schon früher mal darüber gesprochen. Wenn, würden wir es nicht so groß aufziehen wie mein Bruder, das kann ich mir nicht leisten…

Interview: Mathias Müller

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