Helms macht Dampf!

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Kyle Helms (rechts) will sich beim EHC München beweisen

München - Beim EHC München ist auch ein Zeitarbeiter im Kader: Kyle Helms, der einen Vertrag über einen Monat besitzt. Am Donnerstag wird Helms besonders gerne zeigen, was er drauf hat.

„Eishockeyspieler sind Saisonarbeiter“, sagt Gernot Tripcke. Der Geschäftsführer der DEL sitzt in der Panther Sports Bar in der Ingolstädter Eishalle mit Medienvertretern. Er redet über Probleme, Chancen und Besonderheiten der Liga. Vor dieser Saison sind die Kassel Huskies und die Frankfurt Lions aus der Liga ausgeschieden, deswegen gibt es heuer besonders viele arbeitslose Spieler und Kurzzeitverträge.

Beim EHC München, der das Derby in Ingolstadt mit 3:2 gewann, ist auch ein Zeitarbeiter im Kader: Kyle Helms (24), der einen Vertrag über einen Monat besitzt. Und am Donnerstag wird Helms besonders gerne zeigen, was er drauf hat. Es geht gegen die Hamburg Freezers – und damit um einen ärgerlichen Abschnitt in Helms’ Leben. Der Kanadier liegt aktuell im Rechtsstreit mit dem Klub. Vor Gericht geht es um den Zwei-Jahres-Vertrag, den er bei den Freezers unterzeichnet hatte, der ihm im August aber gekündigt wurde. Angeblich sei die Schulter, die sich Helms in der Vorsaison verletzt hatte, nicht belastbar genug für den Eishockeysport. Helms war von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Es fällt dem zierlichen Stürmer immer noch nicht leicht, darüber zu reden, er zappelt mit seinen Füßen und spricht mit leiser Stimme. „Ich verstand die Welt nicht mehr.“

Er flog heim nach Kanada zu seiner Verlobten, die ihn tröstete. Anfang Oktober kam Helms zurück nach Deutschland. Er wollte beim Tabellenletzten der Zweiten Liga, den Hannover Indians, für eine Saison unterschreiben. Doch sein Freund David Wrigley, der beim EHC spielt, empfahl ihn Winkler. Der EHC-Manager griff zu und freute sich über das Schnäppchen. „Kyle geht es nicht um das Geld“, sagte Winkler damals. „Er will sich bei uns präsentieren und vielleicht dem ein oder anderen etwas beweisen.“ Den Freezers etwa.

Eine Woche läuft Helms’ Vertrag noch. Danach werde man sich zu Gesprächen zusammensetzen, sagte Manager Christian Winkler kürzlich der tz. Und Helms hat recht gute Karten: Trainer Pat Cortina lobte seine Leistung im Oberbayern-Derby als „herausragend. Er ist ein stiller Spieler, aber defensiv ist er sehr stark und sehr effektiv.“ Und der Trainer hofft, dass Helms einen neuen Vertrag bekommt. „Natürlich. Wir haben ja sieben verletzte Spieler…“

Daniel Hilpert, Mike Kompon & Co. – sie waren alle beim 3:2 in Ingolstadt dabei, um ihre Mannschaft anzufeuern. Auch Philipp Quinlan sah im Derby nur zu – Cortina hatte dem talentierten Stürmer eine Pause verordnet, weil er zuletzt für den und Kooperationspartner Star Bulls Rosenheim im Dauereinsatz war. Dass der EHC trotz der vielen Ausfälle in Ingolstadt gewann, machte Trainer Cortina an der Kampfmoral seiner Truppe fest. Und daran, dass seine Mannschaft lernt. Zwar kassierte der EHC wieder ein frühes Gegentor, „aber ich fand unseren Start gar nicht so schlecht. Wir haben richtig auf das Gegentor geantwortet und sofort selbst getroffen. Und normalerweise bekommen wir ja zwei Gegentreffer…“

Am Ende kam Ingolstadt noch einmal an den EHC ran, auch, weil den Münchnern die Kräften schwanden. Eineinhalb Wochen und fünf Spiele muss Pat Cortinas Mannschaft noch durchhalten. Dann hat der EHC zwei Wochen kein Spiel. Wegen des Deutschland-Cups in der Münchner Olympiahalle pausiert die Liga. Man habe der Nationalmannschaft zwei Tage längere Vorbereitungszeit eingeräumt, sagt DEL-Chef Tripcke. Der EHC dankt es ihm. Denn danach kommen einige der Verletzten zurück in den Kader. Und vielleicht treffen sie dann in der Kabine auf Helms, den Arbeiter für die ganze Saison…

wim

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