Herr Zach, können wir Weltmeister werden?

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Hans Zach kennt sich mit Titeln aus - hier posiert er mit dem Meisterschaftspokal, den er 2010 mit Hannover gewann

Bratislava - Das deutsche Eishockey-Nationalteam eilt bei der WM von Sieg zu Sieg - kann diese Mannschaft sogar Weltmeister werden? Was Experten sagen.

Die deutschen Eishockey-Fans kommen gerade gar nicht mehr raus aus dem Jubeln. Zuerst besiegte die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp Russland, dann die Slowakei. Beides Gold-Favoriten! Vielleicht klingt es etwas zu euphorisch, aber man wird ja wohl noch fragen dürfen: Können wir sogar Weltmeister werden?

Also, bitte, die Herren. „Nie hätte ich gedacht, dass diese Frage vor unserer Eishockey-Nationalmannschaft steht,“ sagt Ex-Nationalspieler Lenz Funk (225 Länderspiele Olympia-Dritter 1976). Aber gerade „bin ich einfach begeistert.“

Auch Ex-Bundestrainer Gerhard Kießling (wird nächsten Monat 89) verfolgt das Turnier und sagt zu den Chancen der Deutschen: „Ich würde nicht ganz so hoch bis zum Weltmeistertitel greifen. Aber eine Medaille traue ich der Mannschaft durchaus zu.“

Vor zwei Jahren war daran überhaupt nicht zu denken. Bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz war Deutschland sportlich abgestiegen, Krupp so gut wie gefeuert. Der absolute Tiefpunkt. Seit 2009 hat Krupps Team eine rasante Entwicklung genommen. Erst die legendären 17 Tage im Mai 2010, als die Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand. Sven Felski (36), der damals noch im Adler-Dress spielte, sagt: „Der vierte WM-Platz hat uns Selbstvertrauen geben, auf dem die Mannschaft jetzt aufbaut.“

DEB-Sportdirektor Franz Reindl(56) nennt einen weiteren Erfolgsfaktor: „Jetzt ernten wir endlich die Früchte unserer Arbeit. Uwe Krupp macht eine super Arbeit. Ich war immer der Meinung, wenn du einen solchen Diamanten hast, musst du ihn schleifen.“

Krupp hat es geschafft, seine Linie durchzuziehen. Er hat vor dem Turnier bei einigen Experten für Verwunderung gesorgt, als er seinen Kader bekannt gab. Mit dabei ist zum Beispiel Kevin Lavallee vom EHC München, davor ein eher unbeschriebenes Blatt. Doch der Neu-Nationalspieler spielte bisher gut.

Für Eishockey-Legende Funk steht ohnehin die taktische Ausrichtung für den Erfolg: „Unsere Jungs spielen diszipliniert, beschränken sich nicht nur auf die Abwehr.“

Tatsächlich trumpfen die Deutschen, die sich jahrelang auf die Verteidigung verließen, auch offensiv auf. Zwei Treffer gegen Russland, vier gegen die Slowakei – sechs Mal jubelten Thomas Greilinger & Co. schon. Und der leichteste Gruppengegner kommt erst am Dienstag mit Slowenien (16 Uhr, live auf Sport1).

Trainer-Legende Hans Zach lobt die „hervorragenden Leistungen“ der Mannschaft, die kontinuierlich erarbeitet wurden. Die Titelfrage hält der frühere Bundestrainer aber für verfrüht. „Man muss den Erfolg jetzt genießen und im selben Stil weiterspielen. Zwischenrunde, Viertelfinale – dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.“

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1. "Ich habe fertig": Giovanni Trapattoni in http://www.youtube.com/watch?v=qzfq2HxAkrk © Getty

Ex-Nationalspieler Felski hebt, wie auch Zach, das Kollektiv hervor: „Wir müssen weiter als eine zusammengeschweißte Mannschaft auftreten, nicht wie die Russen. Da kann jeder Einzelne alles, aber als Mannschaft sind sie längst nicht mehr das, was sie einmal waren.“

Erich Kühnhackl (60). weilt „ab Dienstag in Bratislava und ich hoffe, mich weiter über unser Team freuen zu können.“ Und geht es nach Lenz Funk, ist dies durchaus im Bereich des Möglichen: „Wenn die in den Zwischenrunden-Spielen zum Torerfolg kommen, ist alles möglich.“

mh, wim

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