Interview mit Kathan: "Das Aus war ein Schock"

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Klaus Kathan hatte sich schon mit einer weiteren Saison beim EHC angfreundet.

München - Klaus Kathan steht schon wieder voll im Sommertraining. Ausdauer- und Krafttraining stehen bei ihm auf dem Programm. Wir trafen den Routinier zum Interview.

„Im Endeffekt mache ich das, was ich schon seit 15 Jahren mache“, sagt der 35-Jährige und lacht. Er wollte topfit sein für die nächste Saison beim EHC München, bei dem praktisch nur noch die Unterschrift zur Vertragsverlängerung fehlte. Er wollte DEL-Eishockey in der Nähe zum Familiensitz in Bad Tölz spielen. Er wollte die 900-Spiele-Marke knacken – zehn Spiele fehlen ihm dazu noch. Doch jetzt steht der EHC kurz vor dem Aus.

Kathan: Alle haben mir geraten, nach München zu wechseln. Nur mein Vater nicht. Der hat gesagt: „Geh ned nach Minga.“ Das muss ich ihm noch sagen, dass er Recht behalten hat. Er hat schon in München gearbeitet, als Trainer beim ESC, vor der Barons-Zeit. Seine Erfahrung hat mal wieder gesiegt.

Ein weiteres dunkles Kapitel für das Eishockey bahnt sich an.

Kathan: Der Zirkus um Geld und Insolvenzen hat mich die ganze Karriere begleitet. Bei meiner ersten Station in Berlin ging’s los. Da habe ich mein Geld einklagen müssen. Vor dem ersten Spiel hat man uns 15 Prozent der Gehälter gekürzt. Später kam die Ansage, dass es keine Bonuszahlungen mehr gibt. Als Eishockey-Spieler brauchst du eine Rechtsschutzversicherung und einen Anwalt.

Auch beim EHC?

Kathan: Beim EHC ist alles sauber abgelaufen. Jeder hat sein Gehalt immer pünktlich bekommen. Und von der Idee her war es gut: Eine bayerische Mannschaft aufzubauen, mit jungen bayerischen Spielern wie dem Andi Pauli oder dem Martin Hinterstocker. Bei Hedos war die Probleme damals zu befürchten, als sie den Didi Hegen und den Gerd Truntschka verpflichtet haben für 500 000 oder so. Beim EHC hat es keine sündhaft teuren Stars gegeben. Und keine Träume vom Meistertitel.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Jetzt steht das Aus bevor.

Kathan: Das war ein Schock. Christian Winkler hat mir mal eine SMS geschrieben, dass es entsprechende Gerüchte gibt. Ich habe Zeitung gelesen und mich mit anderen Spielern unterhalten. Aber wir haben das für Panikmache gehalten, um so Sponsoren zu bekommen. Wir dachten, es wird schon weitergehen. Scheinbar ist Eishockey in München nicht möglich. Mich wundert nur, dass die Stadtsparkasse und die Stadtwerke nichts für das Eishockey geben. Das ist doch überall so, auch bei uns in Tölz.

Wenn der EHC nach Schwenningen umzieht, gehen Sie dann mit?

Kathan: Ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben. Vorstellen könnte ich es mir schon. Aber ich sehe mich jetzt natürlich auch anders um. Beruflich, auch neben dem Sport. Konkret ist nichts. Ich würde schon noch gerne Eishockey spielen. Tölz, Rosenheim, Garmisch… und (zählt danach, eher scherzhaft, mehrere unterklassige Eishockey-Standorte im südlichen Bayern auf)…

…Bad Reichenhall fehlt noch…

Kathan (lacht): Nein, das wäre mir zur weit weg. Um DEL zu spielen, würde ich schon nochmal weiter weggehen. Oder Österreich und Südtirol wären auch eine Option.

Logisch, Südtirol für den Dolomiten-Gretzky. So werden Sie nach Ihren überragenden Vorstellungen beim Dolomiten-Cup im letzten Jahr schließlich genannt…

Kathan: Da meint man, das wäre fünf Jahre her. So schnell vergeht die Zeit im Sport. Ich will meine Zeit nutzen, die mir für das Eishockey noch bleibt. Ich bin gut in Form und habe noch einiges im Tank.

Interview:Martin Wimösterer

Lesen Sie auch: EHC-Chaos: "Unsere Hoffnung ist klein"

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