Kathan: "Bayern-Trikot? Das geht nicht ..."

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Klaus Kathan.

München - Ein weiterer Neuzugang des EHC München ist neben Jens Olsson schon seit Freitag in trockenen Tüchern: Klaus Kathan (34). Ein Bayer kommt heim!

Der neue EHC – so langsam nimmt er Gestalt an. Am Sonntag gab der Klub bekannt: Der schwedische Verteidiger Jens Olsson (26) spielt in der kommenden Saison für München. Ein weiterer Neuzugang ist schon seit Freitag in trockenen Tüchern: Klaus Kathan (34). Ein Bayer kommt heim! Das tz-Interview:

Jetzt hat’s doch noch mit München als Karrierestation geklappt. Zu den Barons wollten Sie vor rund zehn Jahren partout nicht…

Kathan: Ich habe das damals auch nur aus der Zeitung erfahren. So richtige Gespräche hat es gar nicht gegeben. Ich bin zu Hans Zach nach Kassel gegangen, das war der richtige Schritt. Ich war noch jung damals und brauchte viel Eiszeit.

Sie hatten viele Angebote, darunter alle süddeutschen Mannschaften. Was hat jetzt den Ausschlag für den EHC gegeben?

Kathan: Viele Sachen. Sportlich hat es im vergangenen Jahr hingehauen und wenn man sich mit anderen Leuten unterhalten hat, man hat nur Gutes gehört über den EHC. Außerdem kann ich jetzt meine Familie in Tölz lassen, ich werde nach München pendeln.

Manager Christian Winkler sagte, Sie hätten auf Geld verzichtet…

Kathan: Ja, stimmt. Aufs Geld kommt es nicht so an. Ich bin jetzt 34. Wenn ich in Iserlohn oder Krefeld unterschrieben hätte für ein, zwei Jahre – dann hätte meine Familie wieder dahin mitziehen müssen. Die Familie steht im Vordergrund.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Die EHC-Fans kommen traditionell eher aus dem Sechzger-Lager. Sie sind Fan des FC Bayern…

 Kathan (brummelt): Ich weiß, ich weiß. Ist schon bekannt (lacht). Deswegen sage ich in Stadionzeitungen dazu auch nie etwas.

Keine Angst, mittlerweile kommen auch Bayern-Fans zum EHC. Miro Klose hat letztes Jahr zum Beispiel mal vorbeigeschaut…

Kathan: Da schau her. Mittlerweile habe ich auch Sympathien für die Sechzger. Die brauchen momentan eh jede Hilfe, die sie kriegen können. Außerdem bin ich nicht nur ein Bayer, sondern auch ein Baier. In Hannover habe ich mich immer gefreut, wenn die bayerischen Klubs gewinnen. Egal, ob das Bayern, Unterhaching, Sechzig oder Greuther Fürth ist.

Darf Ihr Verein , der FC Bayern, dem Erzrivalen helfen?

Kathan: In Tölz sind fast alle Sechzger. Meine Spezis sind sogar Hardcore-Sechzger, die sagen, es wäre besser, unterzugehen. Ich finde, es wäre das Beste, wenn die Sechzger wieder in der Bundesliga spielen würden.

Sie hatten, ähnlich wie Gabor Király, mal eine Glücks-Schlabberhose. Ist die schon entsorgt?

Kathan: Ja, nach dem ersten Jahr in Hannover, wo es gar nicht gelaufen ist. In Düsseldorf haben’s immer gelacht, das war so eine schiache grüne aus den 70er oder 80er-Jahren. Die hat meinem Vater gehört, die hatte ich mal auf dem Speicher gefunden.

Irgendwas muss Ihnen im zweiten Jahr Hannover Glück gebracht haben, Sie wurden Meister…

Kathan: Ouuuh, Sie haben die Geschichte noch gar nicht gehört? Ich hatte ein Bayern-Trikot an. Vor jedem Playoff-Spiel. Und wir haben gewonnen (Pause). Ich hätte es auch in diesem Jahr anziehen sollen.

Dann halt in der neuen Saison.

Kathan: Ein Bayern-Trikot? Beim EHC geht das nicht. Da muss ich ein Sechzger-Trikot anziehen. Aber ned, dass dann Abu Dhabi vorn draufsteht (lacht).

Interview: Martin Wimösterer

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