„Maurer ist mein Weihnachtsgeschenk“

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Seit fünf Spielzeiten gibt der Italo-Kanadier Pat Cortina beim EHC München den Ton an.

München - EHC-Trainer Pat Cortina spricht im Interview über die Vorzüge multinationaler Herkunft, die sommerlichen Einkäufe und die neue Saison.

In der vergangenen Saison war der EHC München die große Überraschung der DEL. Auf Anhieb schaffte der Verein den Sprung in die Pre-Playoffs – so hoch hinaus hatte es bis dato noch kein Aufsteiger gebracht. Da konnte auch das jähe Aus gegen die Kölner Haie den Eindruck nicht trüben. Vor der nun anstehenden neuen Saison haben die Münchner ihren Kader noch einmal kräftig aufpoliert. Trainer Pat Cortina geht den neuen Aufgaben dennoch nur mit vorsichtigem Optimismus entgegen, wie er im Interview erklärte.

Sie gehen in Ihr fünftes Jahr in München. Sind Sie nun schon ein echter Münchner geworden?

Zumindest lebe ich wie ein Münchner. Heute habe ich schon eine Weißwurst zum Frühstück gegessen. Nein, ich fühle mich wohl und sehr heimisch hier. Das Problem ist mein Deutsch. Ich verbessere mich, aber es ist noch nicht gut. Das muss sich ändern.

Sie sind italienischer Abstammung, in Kanada aufgewachsen und arbeiten schon seit längerer Zeit in Deutschland. Das sind viele Einflüsse – können Sie von ihnen auch profitieren?

Hm, ja, was ich am Italienischen mag, ist die Passion. Italiener sind sehr emotional und sie kümmern sich sehr stark, zum Beispiel um Ihre Familien. Diese Passion und dieses Fürsorgliche helfen schon. Die Deutschen dagegen wollen immer sehr organisiert sein. Und die Kanadier sind ein bisschen wie die Deutschen, sie gehen nur etwas relaxter an die Dinge heran. Manchmal brauchst Du das auch. Eine gute Mischung aus allen drei Richtungen – das kann schon sehr nützlich sein.

Die italienische Leidenschaft war im letzten Jahr eine der zentralen Qualitäten ihrer Mannschaft. Und in diesem Jahr?

Definitiv. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir mit Leidenschaft auftreten. Wenn wir hart arbeiten. In den letzten Wochen haben manchmal die Alarmglocken geläutet. Aber es ist gut, wenn sie das in der Vorbereitung tun und nicht in der Saison.

Was ist schief gelaufen?

Naja, vor allem in Zagreb war ich nicht besonders glücklich mit der Art, wie wir aufgetreten sind. Dort haben die Spieler ein bisschen dazu tendiert, bequem zu werden, ein bisschen zurückzuschalten. Mit so einer Einstellung kommt man in Schwierigkeiten, das hat man bei diesem Turnier ja auch gesehen.

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe versucht, die Spieler wach zu rütteln. Und ich denke, das ist auch ganz gut gelungen. Die Spiele am vergangenen Wochenende gegen Augsburg und in Nürnberg haben mir sehr gut gefallen. In Nürnberg haben wir zwar verloren, aber das ist normal, wenn Du nach nur 19 Stunden schon wieder spielst. Die reinen Ergebnisse sind in der Vorbereitung ohnehin nicht so wichtig. Es geht um die Art, wie gespielt wird.

Sie haben in diesem Sommer viele neue Spieler einbauen müssen. Wie schwer war es, sie zu integrieren?

Naja, wir haben bei den Verpflichtungen sehr stark auf den Charakter der Spieler geschaut. Diese Jungs passen alle sehr gut zusammen. Dazu kommt, dass die Führungsspieler aus dem letzten Jahr zusammengeblieben sind. Das hilft natürlich.

Hat der kurzfristige Ausstieg von Mike Kompon und Ryan Ready die gute Stimmung in der viel beschworenen EHC-Familie nicht getrübt?

Ach, nein. Natürlich sind solche Dinge frustrierend. Aber so etwas passiert eben und es nutzt nichts, zu viel darüber nachzudenken. Wir müssen nach vorne schauen.

Wenn Sie Ihren neuen Kader ansehen – stehen Sie besser da als im Vorjahr?

Ja, wir haben uns auf dem Papier sicher auf allen Positionen verbessert. Auch in der Vorbereitung hat das gut ausgesehen. Okay, Jens Olsson hat wegen seiner Verletzung nur zwei Spiele gemacht, da muss man abwarten. Aber Jason Ulmer war sehr gut, auch Kathan. Noah Clarke ist ein etwas anderer Spielertyp als Ready. Aber auch er hat einen guten Eindruck hinterlassen.

Im vergangenen Jahr haben Sie Eric Schneider als ihr „großes Weihnachtsgeschenk“ bezeichnet. Gibt es nun ein neues Geschenk?

Uli Maurer. Er war eine große Überraschung bisher. Ich traue ihm zu, dass er eine Entwicklung nimmt wie Martin Buchwieser letzte Saison.

Mit welchem Gefühl gegen Sie nun am Freitag in die neue Saison?

Mit einem sehr guten Gefühl. Wir haben den Schlüssel für eine erfolgreiche Saison in der Hand. Jetzt müssen wir ihn nur benützen. Wichtig ist: Du musst immer daran glauben, dass du die Mittel hast, alle Gegner zu schlagen.

Grund genug, auch die Ziele nach oben zu korrigieren?

Im letzten Jahr hat es hier überhaupt keine Erwartungen gegeben. In diesem Jahr sieht das natürlich anders aus. Und trotzdem: Die Ziele müssen exakt dieselben bleiben. Wir müssen die Pre-Playoffs oder vielleicht die Playoffs anvisieren. Wenn wir das schaffen, dann haben wir schon viel erreicht. Aber es wird schwer: Es gab einige Klubs, die eine schwache Saison hinter sich haben. Hamburg, Köln, Mannheim, auch Augsburg – sie haben uns die Türe geöffnet. Das war unser Glück. Jetzt sieht es anders aus, diese Vereine haben viel investiert. Dazu kommen die Klubs, die in den letzten Jahren meistens erfolgreich waren. Berlin oder auch Krefeld.

Sehen Sie die Liga in der Gesamtheit stärker als im Vorjahr?

So sieht es aus. Auf dem Papier haben alle Vereine gut eingekauft. Auch wir. Ich rechne wieder mit einer sehr engen Saison.

Abschließend: Ihr Verein unterstützt seit einigen Tagen eine Organisation, die Kindern Wünsche erfüllt. Wenn auch Sie nun einen Wunsch frei hätten. . .

Ich würde mir Gesundheit für meine Familie wünschen. Und mich würde glücklich machen, wenn es keine Tragödien mehr geben würde. Solche wie den Flugzeugabsturz in Russland. Man kann sich nicht vorstellen, wie schrecklich sich die Familie von Robert Dietrich jetzt fühlen muss. Ich kannte ihn nicht persönlich, aber unser Manager Christian Winkler kannte ihn aus Peiting. Sie standen in einem sehr engen Kontakt.

Interview: Patrick Reichelt

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