Mission EHC: Spagat auf Eis

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Thomas Kriner

München - Seit drei Tagen arbeitet Thomas Kriner für den EHC München. Sein Einsatzgebiet: Marketing, Sponsoring, Ticketing. So tickt der neue Boss.

Weil im wirtschaftlichen Bereich eh viele Wörter aus dem Englischen kommen, heißt der neue kaufmännische Leiter aus Mittenwald Operation Manager. Das klingt – und genau das wollen sie beim EHC ja auch werden – professioneller. Die ersten Tage hat Kriner Gespräche geführt. Geprüft, was schon gut läuft und was verbessert werden muss. Überrascht hat ihn nicht viel, er kennt die Themen aus seiner Zeit bei den Hamburg Freezers. Die Probleme: Sie sind typisch für das deutsche Eishockey. Der EHC ist weitgehend von den Spendierhosen seiner Gesellschafter abhängig. Die anderen Einnahmequellen (Zuschauereinnahmen und Sponsoring) sprudeln nicht, sie tröpfeln nur.

Kriner sagt, er sehe „viel Luft nach oben“. Langfristig will er 4000 Zuschauer anlocken. Die Meinung der alten Fans sei ihm wichtig, sagt Kriner, der sich im Internet ihre Bedenken durchgelesen hat. Der EHC werde unnahbar und kalt, sagen manche, bekäme also genau den Ruf ab, der laut Kriner den Freezers anhaftete. Aber: Beim EHC sei das Gegenteil der Fall. Man wolle nicht bloß professioneller werden, sondern auch persönlicher. Ein Spagat. Kriner: „Wir wollen eine sympathische, anfassbare Marke schaffen – und das geht über die Nähe zu unseren Spielern.“

Weitere Themen auf Kriners Agenda: Mittelfristig fände er ein Maskottchen witzig. Eine Namensänderung aus Marketing-Gründen, etwa „Münchner Adler“, lehnt er ab. Sollte ein Sponsor allerdings viel Geld für die Namensrechte bieten, schließt er eine Verwandlung nicht aus.

Denn die zweite tröpfelnde Einnahmequelle, das Sponsoring, ist umkämpft. Mit den Basketballern des FC Bayern etwa, gibt Kriner zu, „gibt es bei regionalen Sponsoren schon Überschneidungspunkte“. Überregionale Sponsoren gehen zum Fußball. Bis Weihnachten, schätzt Kriner, seien die ersten Ergebnisse seiner Arbeit zu erwarten. Und er hofft, dass er ganz viele Leute überzeugen kann von dem, woran er ganz fest glaubt: „Eishockey ist die schönste Mannschaftssportart der Welt.“

Martin Wimösterer

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