EHC: Fan-Demo für die Rettung

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Die EHC-Fans vorm Karlstor.

München - Die Hoffnung, dass der EHC die DEL-Lizenz behält sind nicht mehr groß. Die Fans des Eishockey-Klubs geben sich aber noch nicht geschlagen und demonstrieren in der Stadt für die Zukunft ihres Vereins.

Zwei ältere Herren stehen am Stachus und beobachten die 200 Fans des EHC München, die nach und nach zur Demo eintreffen. Ihre Frauen sind im Lederwaren-Geschäft verschwunden, da haben die älteren Herren Zeit, über den Profisport zu sinnieren. Von der (enttäuschten) Hoffnung des EHC auf Sponsoring durch die Stadtwerke kommen sie auf Spanien. „Arbeitslose haben’s dort, sag’ ich dir - Unmengen.“ „Und der Messi bei Barcelona verdient 16 Millionen im Jahr. Der Staat hilft denen trotzdem.“

Den EHC damit in einen Topf zu werfen, finden die Fans, die draußen am Stachus-Brunnen im Regen stehen, falsch. „Der Oberbürgermeister meint, die Stadt würde vom EHC keine Gegenleistung bekommen“, sagt Anhänger Daniel. „Wir wollen doch nichts geschenkt, sondern ein Sponsoring.“ Einer hält ein Schild hoch - „Ich bin so wütend, ich habe sogar ein Schild gemacht!!!“ Viele Anhänger sagen, dass es sich der EHC selbst eingebrockt hat, dass er nun kurz vor dem Verkauf steht. „Tatsache ist aber auch, dass wir als einziger DEL-Klub nicht von der Stadt unterstützt werden“, sagt Demo-Organisator Jens Rohra. Zudem habe der EHC ungünstige Bedingungen in der Eishalle hinzunehmen.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Die Hoffnung, dass sein Klub erhalten bleibt, sei nicht mehr groß. „Bei der Demo geht es mehr um die Lage des Münchner Eishockey als Ganzes.“ Auf der Kundgebung sind viele Kinder, die im ausgegliederten Stammverein des EHC spielen. Den würde es bei einem Verkauf der Profi-GmbH wohl auch weiter geben, weil er als 14-prozentiger Gesellschafter am Verkauf mitverdienen würde. Veranstalter Rohra wäre es „wichtig, dass der Nachwuchs weiter die Chance hat, sich zu entwickeln“. Dafür müssten die Stadt die Bedingungen anpassen. Gegen Ende der Demo ziehen die Fans vors Rathaus - und danach gehen etliche heim, Eishockey-WM schauen. Andere trifft man beim Fast Food, den angebotenen McPanther essend - kommt zwar vom Erzrivalen Augsburg, aber egal. Hauptsache Eishockey.

wim

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