EHC München verliert Derby gegen Straubing

München - Nach dem glanzvollen 5:0-Kantersieg gegen die Augsburger Panther hat der EHC München sein nächstes bayerisches Derby gegen die Straubing Tigers vergeigt.

Ausverkauft! Gut eine halbe Stunde vor Spielbeginn hatte auch der letzte Ticketschalter vor dem Straubinger Eisstadion keine der rund 5800 Karten mehr. Das Spiel gegen den EHC München war von beiden Seiten lang ersehnt worden. Auch einige hundert Münchner waren gekommen, um ihre Mannschaft im Sechs-Punkte-Spiel im Kampf um die Playoffs zu unterstützen. Doch es half nichts. Der EHC verlor mit 3:0.

Es war nicht nur ein Derby , es war ein Duell von zwei Klubs, die zuletzt wie Familien im RTL-Nachmittagsprogramm miteinander umgehen. Im Vorjahr wurden in Straubing Stimmen laut, die Münchner würden über ihren Möglichkeiten wirtschaften und habe sich mit Nachverpflichtungen die Playoffs quasi erkauft. Und in den letzten Wochen flammte ein neuer Streit auf: Die Straubinger beschwerten sich nach dem Hinspiel, dass sie vom Münchner Stadionsprecher Stefan Schneider angeblich mehrmals als „Straubingen“ bezeichnet worden seien. Der Streit (zu dem immer Zwei gehören) eskalierte, am Ende schaltete Schneider einen Anwalt ein.

Am Mittwoch veröffentlichten die Tigers dazu eine bissige bis unverschämte Glosse auf ihrer Homepage, in der sie auf den EHC schimpften. Versuchte Straubing vor dem Derby ein Ablenkungsmanöver? Wenn ja, gelang es völlig. Die Münchner fragten sich wohl während des Spiels, wo sie nun waren – in Straubing oder Straubingen. Jedenfalls traten sie konfus auf.

Straubing übernahm nach fünf Minuten das Ruder – und wurde immer stärker. Den EHC brachte dazu noch eine etwas kleinliche Zehn-Minuten-Strafe gegen Spielmacher Jason Ulmer aus der Fassung.

Im zweiten Drittel war der Gastgeber dann klar besser: Straubing fuhr mehr Checks, Straubing ließ die Scheibe besser tropfen, Straubing lief immer wieder in Überzahl auf das EHC-Tor zu. Und immer wieder rettete Torwart Jochen Reimer die Münchner (er war nicht verwirrt), teils mit Hechtsprüngen quer durch den Torraum.

Was war bloß mit den Münchnern los? Der Einsatz an sich passte schon, aber sonst? Es war doch ein Sechs-Punkte-Spiel! Außerdem fielen Straubing wichtige Stützen wie Torwart Barry Brust oder Verteidigungschef Andreas Bakos aus. Statt aber die zuletzt wacklige Abwehr der Niederlage zu belagern, ließen die EHCler die Gastgeber agieren. Und der Tigers-Sturm war die letzten Woche stark.

In der 33. Minute war es dann soweit: Reimer war geschlagen. Sandro Schönberger traf in Straubinger Überzahl zum 1:0 aus Sicht der Gastgeber. Zwei Minuten später legte Bruno St. Jacques per Rückhandschuss das 2:0 drauf. Der EHC nahm den Kampf im letzten Drittel etwas mehr an, aber Zählbares sprang nicht heraus. Dreieinhalb Minuten vor Schluss machte Laurent Meunier mit dem 3:0 den Sack zu.

Eine schmerzhafte Niederlage für den EHC, der nun den Anschluss zu den direkten Playoffplätzen aus den Augen verliert. EHC-Manager Christian Winkler sagte nach der Partie: "Straubing war uns heute in allen Belangen überlegen. Zu unserem Heimspiel am Sonntag gegen Wolfsburg erwarte ich von der Mannschaft wieder den echten EHC."

Am Sonntag gegen Wolfsburg in der Eishalle am Oberwiesenfeld hat der EHC seine nächste Chance, das erste Tor und den ersten Sieg im neuen Jahr zu feiern.

wim

Die Partie im Stenogramm:

Straubing Tigers - EHC München 3:0 (0:0, 2:0, 1:0)

Tore: 1:0 Schönberger (32:54), 2:0 St. Jacques (34:43), 3:0 Meunier (56:35)

Schiedsrichter: Hascher (Miesbach)

Zuschauer: 5777

Strafminuten: Straubing 8 - München 12 plus 10 Disziplinar (Ulmer)

Rubriklistenbild: © sampics

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