Nächste Kündigung: Zerbricht der EHC?

Der kaufmännische Leiter Olaf Hildebrandt
+
Der kaufmännische Leiter Olaf Hildebrandt

München - Es sind die K.o.s vor der K.o.-Runde… Am Dienstag startet der EHC München in die Playoffs – aber die endgültigen Entscheidungen gibt’s schon im Vorfeld.

Wenige Wochen ist es erst her, dass Pressesprecher Carsten Zehm angekündigt hat, er werde nach dieser Saison aufhören. Jetzt gibt’s den nächsten Paukenschlag: Auch der kaufmännische Leiter Olaf Hildebrandt schmeißt hin! Wie die tz erfuhr, hat er gekündigt. Fristlos, weil er sich eh noch in der Probezeit befand. Zerbricht jetzt der EHC?

Hildebrandt war seit November 2009 kaufmännischer Leiter des EHC und hatte dafür seinen sicheren Arbeitsplatz als Geschäftsführer eines Juweliers aufgegeben. Euphorisch hatte er bei seiner Vorstellung noch gesagt: „Sie glauben doch nicht, dass ich eine Festanstellung aufgeben würde, wenn ich nicht an unseren Erfolg glauben würde.“

Sportlich steht dieser Aussage derzeit nichts im Weg – der EHC hat gute Aussichten auf erfolgreiche Playoffs. Was hat Hildebrandt also zum Rückzug bewogen? Auf tz-Nachfrage sagt er: „Ich bin ein Macher, der seiner Linie treu bleibt.“ Er und Präsident Jürgen Bochanski würden sich zwar privat gut verstehen. Geschäftlich aber, so sagt Hildebrandt, spreche der eine Oberbayerisch und der andere Suaheli: „Die Wege, die ich mir für den EHC vorgestellt habe, waren andere als die, die sich Jürgen Bochanski vorgestellt hat. Bevor es in Streit ausartet, sollte man vorher die Reißleine ziehen.“

Die Sprachregelung von der „fehlenden Chemie“ rückt Hildebrandts Kündigung in die Nähe der Personalie Zehm. Der Präsident meinte auf tz-Anfrage zwar, die beiden Fälle hätten nichts miteinander zu tun: „Bei Hildebrandt hat es halt zwischen ihm und mir nicht gepasst. Bei Zehm wissen wir heute noch nicht, weswegen er kündigte.“ Vereinsinterne Quellen berichteten allerdings schon länger vom angespannten Verhältnis zwischen Bochanski und Zehm.

Fest steht auf alle Fälle: Sowohl der Finanzfachmann Hildebrandt als auch der Pressefachmann Zehm hängen weiterhin leidenschaftlich am EHC. Das zeigt nicht nur das EHC-Logo, das sich Hildebrandt gern ans Sakko steckt. Er wird auch weiterhin Vorsitzender des Stammvereins bleiben. Denn: „Mein Herzblut für den EHC ist nach wie vor da.“

Hildebrandt hat sechs Kinder – und er weiß, dass es ohne Arbeit für seine Familie „sicher nicht einfach“ wird. Es sei ihm aber wichtiger, ein guter Vater zu sein. Wenn er weiter als kaufmännischer Leiter des EHC gearbeitet hätte, hätte er das nicht mehr gewährleisten können – die Arbeit hätte ihn auf Dauer krank gemacht. Jetzt sagt er: „Ich werde mit Sicherheit ein neues Betätigungsfeld finden.“ Zurück zum Juwelier könne er aus strukturellen Gründen allerdings nicht.

Sicher ist: Auf Präsident Bochanski kommt jetzt wieder deutlich mehr Arbeit zu, denn der Posten des kaufmännischen Leiters ist nun verwaist. „Wir haben es jahrelang ohne Olaf Hildebrandt geschafft, also werden wir es auch weiter ohne ihn schaffen“, sagt er. Aber wird das wirklich so einfach?

Fakt ist: Jetzt müssen die Planungen für die nächste Saison mit Volldampf laufen – zum Beispiel geht’s darum, Sponsoren zu finden. Und Hildebrandt war, so sagte Bochanski mal in einem Interview, „meine rechte Hand“… So gesehen war Hildebrandts Kündigung wohl eine knallharte Rechte.

Martin Wimösterer

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare