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„Ich ziehe mich in der Videokammer um“

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Von: Mathias Müller

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Dominik Kahun auf dem Eis
EHC-Comeback: Dominik Kahun © Eibner

NHL-Star Dominik Kahun läuft beim Magentsport Cup für seinen Ex-Verein, den EHC Red Bull München, auf. Sein Stammplatz in der Kabine ist allerdings besetzt.

Corona-Pause beendet! Nach der Nationalmannschaft kehrt heute auch der EHC Red Bull München offiziell ins Eishockey-Oval zurück. Der amtierende Deutsche Meister trifft beim MagentaSport Cup - ein Testturnier mit acht Mannschaften vor dem möglichen Ligastart im Dezember - in Gruppe B auf Mannheim (19.30 Uhr). Die weiteren Gegner sind Berlin und Schwenningen. Da auch in den USA noch nicht gespielt wird, steht Ex-Spieler und NHL-Star Dominik Kahun (25) im Team der Münchner. Er hat beim EHC einen Vertrag über einen Monat unterschrieben.

Herr Kahun, welche Bedeutung hat für Sie der MagentaSport Cup?
Kahun: Für das deutsche Eishockey ist es wichtig, dass wieder gespielt wird. Ich persönlich freue mich auf mein erstes Spiel nach achteinhalb Monaten. Es ist schon eine komisch Zeit. So viel Monate ohne Spiel hatte ich noch nie in meinem Eishockey-Leben und ich hoffe, dass ich so etwas auch nie mehr erleben muss. Ich vermisse den Wettkampf sehr.

Haben Sie Ihren alten Platz in der EHC-Kabine wieder bekommen?
Kahun: Nein, ich saß immer in der Hauptkabine hinten rechts im Eck neben Mads Christensen. Wegen Corona wurden alle Spieler verteilt. Ich hab jetzt eine kleine Kabine nur für mich, das ist auch nicht schlecht.
Schlägt sich da der NHL-Bonus nieder?
Kahun: Ich glaube nicht. Die älteren Spieler sitzen weiter mit genügend Abstand in der Hauptkabine. Die Jüngeren wurden umgesetzt. Für mich blieb eine kleine Kammer, die die Trainer sonst eigentlich oft als Videoraum nutzen. Das war übrigens früher auch schon so.

Von den Fußballern des FC Bayern ist eine nette Geschichte übermittelt. Oliver Kahn hat dem jungen Bastian Schweinsteiger immer das Handtuch geklaut. Wie wird man in Eishockey-Kabinen aufgenommen?
Kahun: Früher haben die jungen Spieler mehr abbekommen. Da wurde schon Mal ein Becher Wasser im Helm versteckt und man war plötzlich nass. Ich musste am Anfang beim EHC zum Beispiel immer einen Witz erzählen. Aber die Zeiten haben sich etwas geändert, heute ist es ruhiger. Die Integration ist mir jedenfalls nicht schwer gefallen, München ist wie eine zweite Heimat für mich.

In einem Monat geht es nach Edmonton, Ihrem vierten NHL-Verein in zwei Jahren. Als Sitznachbar würde sich Leon Draisaitl (25) anbieten. Sie haben in Mannheim früher eine WG gebildet, richtig?
Kahun: Ja, ich kam 2008 mit 13 Jahren zu den Jungadlern. Leon ein Jahr nach mir, wir haben uns immer super verstanden. Wir haben erst zusammen bei einer Gastfamilie gewohnt und danach mit zwei anderen Jungs zu viert in einer Eishockey-WG. Da waren wir ungefähr 15, eine verrückte und schöne Zeit. Wobei wir nicht viel zu Hause waren. Nach der Schule sind wir ins Training, in der Wohnung waren wir erst nach dem Abendessen. Was wir damals aber immerhin gelernt haben: Wäsche waschen.
Ihre Freundin kommt aus München, daher haben Sie hier ein Bleibe. In Edmonton…
Kahun: …müssen wir uns selbst wieder eine Wohnung suchen, das wird auch einem NHL-Profi nicht abgenommen.
Das ständige Umziehen, nervt das nicht irgendwann?
Kahun: Das ist Teil des Geschäfts. Egal, wie gut du spielst, du kannst immer verkauft werden. Ob ich in den zwei Jahren bei einem oder vier Vereinen unter Vertrag stehe, ist für mich nebensächlich. Die Frage ist immer: wie gehe ich mit dem Thema um? Und ich komme damit klar. Viele Spieler, denen der NHL-Traum womöglich verwehrt blieb, würden sicher gerne mit mir tauschen wollen.

Die nächsten vier Wochen spielen Sie für München. Gab es andere Anfragen?
Kahun: Viele Vereine waren interessiert, aber der EHC war meine klare Nummer eins. Da ich schon länger mittrainieren durfte, gab es auch Gespräche zu dem Thema. Aber aus versicherungstechnischen Gründen wollte ich nicht spielen, so lange ich keinen neuen Vertrag in den USA hatte. Zwei Tage nach dem die Sache in Edmonton fix war, habe ich in München unterschrieben.
Wie es der Zufall will wurde EHC-Talent John-Jason Peterka (18) ausgerechnet von Ihrem bisherigen Verein Buffalo gekauft. Gab es schon Kontakt?
Kahun: Wir haben kurz geschrieben. Letzten Sommer stand wir ein paar Mal zusammen auf dem Eis. Was er drauf hat, erkennt man nach ein paar Minuten. Wenn er hat weiter arbeitet, kann er es in der NHL schaffen.

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