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Liga-Start: Ist der EHC überhaupt zu schlagen?

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Von: Günter Klein

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Bester Laune in die Saison: Jon Matsumoto, mit dem EHC München Titelverteidiger.
Bester Laune in die Saison: Jon Matsumoto, mit dem EHC München Titelverteidiger. © Imago

Zwei Jahre lang hat der EHC in der DEL abgeräumt. Die großen Konkurrenten aus Köln, Mannheim, Nürnberg rätseln, wie sie gegen das Jackson-Team ankommen können.

Mannheim/München – Man vergisst so schnell, auch Christian Ehrhoff, dem Kapitän der Kölner Haie, dem ehemaligen NHL-Verteidiger, geht es so. Die Spiele vorige Saison gegen München: Alle gewonnen – oder wie war das?

Kleine Gedächtnisstütze: Viermal traf man aufeinander in der Hauptrunde, drei Spiele gingen an die Haie, alle knapp zwar, doch ihr Auftritt beim Neujahrsspiel, das der EHC München in die Olympiahalle verlegt hatte, war schon beeindruckend. Es schien, als gäbe es ein Team, das den EHC-Code geknackt hätte. Erst das vierte Duell im Februar gewannen die Münchner (5:2), da schaukelten sie sich allmählich schon in Playoff-Form.

Tja, und dann eben die Playoffs. München spazierte durch, Köln blieb im Viertelfinale an Wolfsburg hängen. „Wir hätten es halt schaffen müssen, gegen den EHC München auch in den Playoffs zu kommen.“ Das verhinderten unter anderem mannschaftsinterne Spannungen, wie Ehrhoff im Nachgang nicht verleugnet. Nun ist er der neue Kapitän und versucht sich an der „Bildung des Teamgefüges“.

Köln, Mannheim, Nürnberg – sie werden als Vereine genannt, die einem dritten deutschen Meistertitel des EHC München im Weg stehen könnten. Sie haben gute Kader. Alleine wenn man bei den Kölner Haien auf die Abwehr schaut: „Sieben Verteidiger, von denen jeder bei einem anderen Klub Top Drei wäre“, meint Ehrhoff, der im Mai eine überragende WM gespielt hat und wohl Deutschlands Bester auf dieser Position ist. Doch wird in Köln der Zusammenhalt funktionieren? Darin liegt die Herausforderung. „Jeder muss für das Wohl des Ganzen persönliche Rückschritte in Kauf nehmen.“

„Unser Angstgegner, mal wieder“

Köln wurde im Playoff-Viertelfinale von den ewig unterschätzten Wolfsburgern aus dem Weg geräumt, im Halbfinale waren die Nürnberger das Opfer der Grizzlys. „Unser Angstgegner, mal wieder“, resümiert Kapitän und Torjäger Patrick Reimer, der mit auffallend dicken Oberarmen in die neue Saison geht. Er hat sich in seiner Allgäuer Heimat ein Haus gekauft, an dem vieles gemacht werden muss: „Das war mein persönliches Crossfit-Training.“

Seine Nürnberger verspüren einen gewissen Meisterdruck, das lässt sich nicht abstreiten. Schmuckhändler Thomas Sabo, der der Organisation seinen Namen gibt (offiziell heißen die Nürnberger gar nicht Nürnberg), will schon mal den Titel feiern dürfen – „als Geschäftsmann und leidenschaftlicher Fan“, so Patrick Reimer, „doch er ist auch Realist“. Der wie die anderen gesehen hat, dass München, wenn es darauf ankommt, einen Tick besser ist.

Dabei könnte, was ein Qualitätsmerkmal des EHC ist, auch ein Manko werden; die Tiefe im Kader. In den vierten Sturm, bei normalen Teams dazu da, die drei Top-Reihen zu entlasten und Aktionen des Gegners zu unterbinden, muss Don Jackson oft die deutschen Nationalspieler Jerome Flaake und Maximilian Kastner sowie Jon Matsumoto, Olympia-Kandidat für Kanada, schicken. Und auch wenn die Münchner Spieler betonen, bei ihnen gebe es „keinen ersten, zweiten, dritten, vierten Sturm“ – im Eishockey gibt es keine Gleichberechtigung, sondern es ergibt sich immer eine Hierarchie. „Wichtig ist“, sagt Reimer, „das jeder Spieler sich wertgeschätzt fühlt und den Eindruck hat, dass er zum Erfolg beitragen kann. Dass der Teamerfolg über dem jedes Einzelnen steht, wissen wir i Eishockey.“ Don Jackson werde das aber gewiss hinkriegen: „Er ist ein Toptrainer“, sagt Patrick Reimer, „ich hatte selbst ein Jahr in Düsseldorf das Vergnügen, unter ihm zu spielen.“

München hat ein großes Selbstbewusstsein gewonnen

Düsseldorf war Jacksons einzige Station, bei der er nicht Meister wurde. Mit den Eisbären Berlin gewann er dann fünf Titel in sechs Jahren, mit dem EHC zwei in drei. „Man sieht es auch in der Champions League: München hat ein großes Selbstbewusstsein gewonnen durch die erfolgreichen Jahre“, glaubt Reimer. Und: „Mit Patrick Hager hat der EHC den komplettesten Spieler der Liga dazubekommen.“

Hager verließ Köln im Zwist. Sein Abgang dürfte den Haien wehtun, oder? „Ich denke, wir haben ihn mit Felix Schütz gleichwertig ersetzt“, meint Christian Ehrhoff. Schütz, gebürtiger Erdinger, ist der Weltenbummler des deutschen Eishockeys – mit Stationen in Nordamerika, Russland, Schweden. Auch Münchner war er mal für ein paar Wochen.

Der EHC München spielte in den vergangenen Wochen in der Champions League groß auf. Mannheim allerdings auch: Die Adler schlugen zweimal den schwedischen Meister HV 71 Jönköping. In der Saison 2016/17 überholten sie den EHC in der Hauptrunde, verloren am letzten von 52 Spieltagen die Führung – und scheiterten anschließend im Viertelfinale an Berlin. Marcel Goc, einer der Stars, NHL-erfahren: „Das Einzige, was nicht gestimmt hat, war das Resultat in der ersten Playoff-Runde.“

Er selber hat fast die ganze letzte Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasst. Jetzt ist er zurück zur Jagd auf Meister München. „Die Münchner haben die letzten zwei Jahre alles abgeräumt. Sie waren das Maß aller Dinge. Aber wir können mitspielen.“

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