Sieg im Bruderduell besänftigt Boulevard

- Turin - Alois Hadamczik hat in Turin schon unangenehmere Gespräche geführt. An diesem Mittwochabend aber stand er in den Katakomben des Palasport Olimpico und plauderte mit einem Dutzend Journalisten. Er hatte viel Zeit, viel zu erzählen, also lehnte er sich an die Wand und machte es sich bequem. Hadamczik genoss den Abend. Die vorangegangenen waren weniger harmonisch verlaufen.

Als Trainer der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft hat er bei diesen Winterspielen zahlreiche Pressetermine hinter sich gebracht, doch sehr gemütlich waren sie nie. Drei Niederlagen in fünf Vorrundenspielen und zwei auch nicht überzeugende Siege gegen Deutschland und Italien hatten in der Heimat Wellen geschlagen. Auf dem tschechischen Boulevard ging man scharf mit Hadamczik und seiner Mannschaft ins Gericht - bis sie die bestmögliche Antwort gab: einen Viertelfinal-Sieg gegen den alten Bruder Slowakei.

In dessen Lager war die Ausgangsposition genau umgekehrt gewesen. Fünf Siege aus fünf Gruppenspielen standen zu Buche, nach Auftritten, die Franz Reindl, den Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes, zu dem Lob veranlassten, das Team spiele "das schönste Eishockey, das ich seit langem gesehen habe".

Doch beim 3:1 am Mittwoch stellte der amtierende Weltmeister aus Tschechien die alten Verhältnisse wieder her, und das zumindest phasenweise ziemlich eindrucksvoll. Nach dem ersten Drittel wies die Torschuss-Bilanz eine tschechische Überlegenheit von 17 zu 5 auf als sichtbaren Beweis für das Tempo und die Entschlossenheit, mit denen man den Gegner bearbeitete. Da stand es auch 1:0, weil Martin Rucinsky in Unterzahl einen Querpass abgefangen hatte. Geradezu "plattfüßig" habe man sich anfangs angestellt, beklagte der slowakische Verteidiger Zdeno Chara.

Mit dem taumelnden Ensemble der Vorrunde hatten diese Tschechen nichts mehr gemeinsam. "Am Anfang des Turniers haben wir nicht wie ein Team gespielt", räumte Rucinsky ein, doch vor dem letzten Gruppenspiel gegen Kanada (2:3) setzten sie sich zusammen und schlossen die Reihen. "Seitdem haben wir einen Lauf, und den haben wir heute fortgesetzt", fand Rucinsky.

Genau genommen setzte der Lauf erst mit leichter Verspätung ein und hat noch einen anderen Grund als die Zusammenkunft im Teamquartier. Nach dem ersten Drittel gegen die Kanadier beorderte Hadamczik Torwart Milan Hnilicka zwischen die Pfosten. Stammkeeper Dominik Hasek, der Olympia-Held von 1998, hatte sich im ersten Spiel gegen Deutschland eine Muskelverletzung zugezogen, und beim Stand von 0:3 musste am Dienstag auch dessen Vertreter Tomas Vokoun seinen Platz wieder räumen. Mit Hnilicka hinter sich gestattete die tschechische Defensive in fünf Dritteln nur noch einen Treffer. "Mehr kann man von ihm nicht verlangen", lobte Verteidiger Frantisek Kaberle.

Nichts anderes als den Aufschwung zur rechten Zeit hatte ihr Trainer erwartet. Die Schelte der ersten Tage ließ ihn kalt: "Wenn ich nicht an die Mannschaft glauben würde, bräuchte ich den Job hier nicht zu machen." Heute Nachmittag im Halbfinale gegen Schweden können Hadamcziks Männer das Vertrauen wieder rechtfertigen.

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