EHC sieht sich auch wirtschaftlich im Plan

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Jochen Reimer hütet beim EHC das Tor.

München – Immerhin eine Frage ist nun also schon vor dem freitäglichen Start in die neue DEL-Saison geklärt: Die prominenteste Werbefläche auf der Trikotbrust des EHC München wird fürs Erste noch leer bleiben.

Eigentlich hatten die Macher des Klubs ja eine ganz charmante Übergangslösung mit dem Münchner Kindl im Sinn. Doch mit dieser Idee ist der EHC krachend abgeblitzt. In offizieller Mission darf nur Oberbürgermeister Christian Ude die Symbolfigur der Landeshauptstadt tragen. „Schade drum“, befand Marketingchef Thomas Kriner, „wir wollten uns auch sichtbar zur Stadt bekennen.“

Geht es nach dem Mann, der im Vorjahr von den Hamburg Freezers nach München übersiedelte, dann soll sich die Frage ohnehin bald nicht mehr stellen. Man sei in guten Gesprächen. Sicher ist bislang nur: „Wir wollen diese Fläche nicht verschenken.“ Muss man aber wohl auch nicht. Denn finanziell wähnt sich der Klub pünktlich zum Start voll im Plan. „Was wir budgetiert haben, das haben wir bereits erreicht und liegen damit 600 000 Euro höher als im Vorjahr“, sagt Kriner. Will heißen: Sollte sich tatsächlich noch ein Abnehmer für die Trikotbrust finden, dann könnte das den Spielraum für eventuelle Notsituationen in den kommenden Monaten erhöhen. Im vergangenen Jahr etwa holte der EHC in Zeiten der größten Personalnot nachträglich Kyle Helms und Bryan Schmidt an Bord.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Viel wird allerdings auch darauf ankommen, ob der Verein erneut eine halbwegs stattliche Fangemeinde hinter sich versammeln kann. Kalkuliert wurde relativ sportlich mit den durchschnittlich 3900 Zuschauer in der erfolgreichen Vorsaison. Die ersten Signale stimmen die Verantwortlichen zumindest zuversichtlich. Mit 750 abgesetzten Dauerkarten steht man zumindest schon einmal etwas besser da als vor einem Jahr. Weil sich mit dem maroden Charme der Olympia-Eishalle kaum locken lässt (Kriner: „Man kann nur hoffen, dass tatsächlich bis 2015/16 eine neue Multifunktionsarena kommt“), hat sich der EHC zumindest um mehr Kundenfreundlichkeit bemüht. Die Sonntagsheimspiele finden nun grundsätzlich bereits um 16.30 Uhr statt. „Wir wollen damit schon attraktiver für Familien und Leute von außerhalb werden“, sagt Kriner.

Und dann gibt es ja noch ein ehrgeiziges Projekt, an dem die EHC-Führung schon seit geraumer Zeit feilt. So würden die Münchner zum Derby am 30. Dezember gegen die Augsburger Panther gerne in die große Olympiahalle umziehen. Ob es klappt, hängt vor allem von der Finanzierbarkeit ab – rund 100 000 Euro würde der Umzug wohl kosten. Eine volle Trikotbrust würde diese Überlegungen gewiss leichter machen.

rp

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