Julien erklärt seinen Abschied vom EHC

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Stéphane Julien verlässt den EHC München

München - Mit Stéphane Julien verlässt einer der besten Verteidiger der DEL-Geschichte den EHC München. Jetzt erklärt er seine Entscheidung. Es geht um Familie und Firma.

Die Nachricht ist etwas untergegangen im Red-Bull-Rettungswirbel. Doch sie ist wichtig: Stéphane Julien, in den letzten beiden Jahren Kapitän des EHC München, hat 38-jährig seine Karriere beendet. Er verzichtet auf das letzte Jahr seines Vertrages. Mit ihm verlässt einer der besten Verteidiger der DEL-Geschichte den Verein.

„In meinem Kopf ist vor zwei Wochen die Entscheidung gereift, dass ich zurücktrete“, sagt Julien. Er wollte mit der Familie zusammen sein, doch seine Kinder wollten in Kanada bleiben. Eine Trennung wäre für ihn „unmöglich“ zu ertragen gewesen. Außerdem ruft ihn auch das Immobilien-Geschäft, in dem er mit dem ehemaligen DEL-Raubein Guy Lehoux zusammenarbeitet.

Seine Firma wachse schnell, erzählt Julien. Für ihn selbst war es ein langer Weg, auf dem Eis den gebührenden Respekt zu bekommen. Julien galt als einer der besten kanadischen Spieler seines Jahrgangs. Fast alle, die als bester Verteidiger der Nachwuchsliga QMJHL ausgezeichnet wurden, schafften den Sprung in die NHL. Julien blieb der Sprung in die beste Liga der Welt verwehrt – vor zwanzig Jahren galt man mit 1,80 Metern Körpergröße als zu klein.

Dabei war er einer der wenigen, die das Spiel lesen können wie einen Comic: Mal gewitzt (etwa beim Passspiel), mal mit Superkräften wie seinem gefürchteten Dampfhammerschuss von 150 km/h. Der Franko-Kanadier ging nach Europa und biss sich in kleineren Ligen durch. Erst mit 29 Jahren kam er in die DEL, dort spielte er sich mit 396 Scorerpunkten (117 Tore, 279 Tore) unter die Top 30 der ewigen DEL-Bestenliste. Dreimal nahm er am Allstar-Spiel teil.

Seine beste Zeit verbrachte er bei den Kölner Haien (2004–2010) mit Robert Müller. Dem Rosenheimer Nationaltorwart, der am Montag vor drei Jahren dem Krebs erlag. „Ich habe darüber nie gesprochen“, sagt Julien der tz. „Er war sehr krank und kam trotzdem jeden Tag zu uns in die Kabine. Ich war so traurig, dass er in ein paar Wochen sterben würde. Er war ein großartiger Vater und Spieler und eine herausragende Person. Wie er mit dem Krebs umging, hat und wird mich inspirieren.“

2010 wechselte Julien zum EHC. „Eine große Herausforderung für mich nach sechs Jahren Köln“, sagt Julien. Dem Aufsteiger verhalf er im ersten Jahr zum Sprung in die erste Playoff-Runde. Manager Christian Winkler sagt: „Stéphane war ein absoluter Traumkapitän und wird eine große Lücke hinterlassen.“

Martin Wimösterer

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