„Tradition gegen Retorte“

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Jubel bei den Spielern des EHC München nach dem Derby gegen die Augsburger am 5. November 2010.

München - Am Sonntag (18.30 Uhr) ist Derby-Time in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Der EHC München muss zu den Augsburger Panthern. Interview mit Augsburgs Manager Max Fedra.

Deren großes Thema war bislang Pfusch beim Stadionumbau durch das Münchner Architekturbüro „Hermann + Öttl“. Das wird nun vom Augsburger Stadtrat von seinen Aufgaben entbunden, realisiert wird der weitere Umbau nach Planungen der Panther-Fans. Erleichterung beim Augsburger Manager Max Fedra, der auch in München bestens bekannt ist: Er war einst Spieler beim EHC 70 und später (1999 bis 2002) Manager der Barons.

Herr Fedra, zur entscheidenden Stadtratssitzung kamen 300 Panther- Anhänger in Trikots in die heiligen Hallen des Rathauses. Wäre das in einer anderen Stadt möglich?

Unser letztjähriger Rivale im Finale, Hannover, hat soviele Fans gerade auf seine Meisterschaftsfeier gebracht – da sieht man, dass in Augsburg das Eishockey verwurzelt ist, über zig Jahrzehnte. Die Fans sind unsere besten Sponsoren: konstant, treu, sie kaufen frühzeitig Dauerkarten.

Wird durch die positive Beschlussfassung der sportliche Ruck erfolgen?

Augsburg hätte ihn nötig. Unsere Mannschaft ist wie jede in der DEL ausländergeprägt, aber wenn man elf, zwölf Spiele mit einem Tor Unterschied verloren hat, empfindet auch sie in den Heimspielen Druck. Wir müssen uns jetzt auf unser wesentliches Element konzentrieren: Eishockey. Wir haben ein Restprogramm, bei dem wir fünfmal auswärts, neunmal daheim spielen. Wenn der Zuschauer wieder Perspektive hat, muss durch die Mannschaft ein Ruck gehen. Das Tabellenbild, wo wir unten stehen, stört mich noch nicht. Das Derby gegen München am Sonntag ist wunderbar: Tradition gegen Retorte – was willst du mehr, Eishockeyherz?

Retorte München – dass Sie als ehemaliger Münchner Manager das sagen. . .

München war immer eine Retorte, die kurzfristig aufgebaut worden ist. München hatte von den Fans nie die Infrastruktur, dass es etwas Permanentes war. Der harte Kern sind 100 bis 150 Leute. Wobei: So negativ ist der Begriff Retorte auch nicht. Köln war mal Retorte, Düsseldorf auch. München ist sicher auf einem guten Weg, der EHC hat ein paar Jahre in der 2. Liga gespielt mit wechselndem Erfolg. Wenn die Zahlen stimmen, ist der jetzige Zuschauerzuspruch gut. Die große Perspektive für die Münchner, falls sie sich so lange halten, wäre Olympia 2018. Kommen die Spiele, kommt auch das Stadion, das München braucht.

Das Münchner Team. . .

Großartig Münchner haben die nicht drin, da sind sie wie jede andere Mannschaft. Die Spieler, die länger da sind, haben sich in der 2. Liga Selbstvertrauen geholt. Aber: Gegen München fordere ich einen Heimsieg – Ausrufezeichen, Ende!

Es schmerzt die Augsburger Seele ja nicht nur, dass der EHC in der DEL-Tabelle über den Panthern steht, sondern dass in den beiden bisherigen Derbies in München, die der EHC in Verlängerung und Penaltyschießen gewann, die Ex- Augsburger wie Martin Schymainski oder David Wrigley groß aufspielten.

Schymainski ist ein verrückter junger Kerl aus der Duisburger Ecke, der bei uns nur sporadisch zum Einsatz gekommen ist. Aufgrund unserer finanziellen Situation ist er nach München gewechselt. In seiner Größenordnung konnten wir uns einen 13., 14. Stürmer nicht leisten – das aber war seine Position. David Wrigley hat sich in München weiterentwickelt.

Er ist ein Spieler, den man in Augsburg vielleicht hätte halten können. Doch für Ausländer bei uns ist die Konstellation so: Spielen sie überragend, fallen sie auch den Blinden in der Liga auf, die sie dann wegholen – spielen sie nicht überragend, werden sie ausgewechselt. Solche Spieler – wie auch Martin Buchwieser, der einige Spiele für uns gemacht hat – sind motiviert. Ist doch gut für Sonntag: Derby- Stimmung, volles Haus!

Das Interview führte Günter Klein.

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