"Ungerecht bleibt es"

- Die Fernsehzuschauer in Deutschland haben vom Eishockey-Spiel gegen Kanada, das die ARD den Nachmittag über noch als abendfüllenden Klassiker angekündigt hatte, nicht viel mitbekommen. Am Donnerstagabend kam das erste Drittel teilweise live, doch nach dem 0:3-Rückstand änderte die ARD ihr Programm. Es wurde Eiskunstlauf gezeigt und dabei anfangs der Live-Charakter noch vorgegaukelt, obwohl die missratene Kür des einzigen Deutschen, Stefan Lindemann, da eine schon eine Konserve war, eine Stunde alt.

Franz Reindl, haben Sie als Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) in Turin schon Klagen aus Deutschland vernommen?

Franz Reindl: Wir haben gehört, dass es so ist. Doch die Leute, die sich für Eishockey wirklich interessieren, schauen das Spiel auf "Eins Plus" an, da kommt es komplett.

Das digitale Zusatzangebot können viele aber gar nicht empfangen.

Reindl: Richtig, man braucht einen Decoder.

Wichtig ist die Sendezeit im frei empfangbaren Fernsehen. Doch vom zweiten und letzten Drittel gab's nur Schnipsel. So hat man nichts von der Prime Time.

Reindl: Wir sind nicht in der Position, Ansprüche zu stellen. Eishockey steht und fällt halt mit dem Erfolg.

Kein Protest dagegen, dass eine Eiskunstlauf-Kür praktisch ohne deutsche Beteiligung den Vorzug erhält gegenüber einem deutschen Eishockey-Spiel?

Reindl: Wir müssen uns die Wertschätzung und somit auch die Übertragungen erst durch Erfolge erarbeiten - aber ungerecht bleibt's trotzdem, dass in diesem Fall Eiskunstlauf den Vorzug erhalten hat.

Im ersten Spiel gegen Tschechien bot die Mannschaft knisternde Spannung - doch dann kamen im ZDF die heute-Nachrichten.

Reindl: Das war Pech. Wir hoffen, dass der Spielplan in den nächsten Tagen besser realisiert wird.

Gibt's denn vor Ort keinen Draht zu den Fernsehanstalten?

Reindl: Wir erfüllen alle Wünsche, die das Fernsehen hat, doch Programm-Rücksprachen finden nicht statt.

Interview: Günter Klein

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