Ustorf: "Nerven liegen blank"

- Salzburg - So schnell, wie man das als Verlierer will, kamen die deutschen Eishockeyspieler nicht vom Eis. Sie mussten noch einige Minuten stehen bleiben und das österreichische Triumphprogramm mit anhören. Ehrung des besten Spielers des Matches, Ehrung des besten Spielers im abgelaufenen Kalenderjahr, und schließlich die österreichische Nationalhymne, obwohl die schon vor dem Spiel präsentiert worden war (und bei normalen Länderspielen ist es auch gänzlich unüblich, den Sieger nochmals musikalisch herauszustellen). Der Stadionsprecher in der Salzburger Eisarena proklamierte "Dritter Sieg gegen Deutschland seit der Wiedervereinigung" - Austria goutierte den 1:0-Erfolg.

"Morgen ist bei denen Feiertag - wie wenn sie im Skifahren gewonnen haben", sagte der beste deutsche Spieler, Torhüter Robert Müller. Er nahm es mit Gelassenheit - ebenso Kapitän Stefan Ustorf: "Es war laut hier, aber das war okay. Umgekehrt bei uns wäre es genauso gewesen."

Wie geht man um mit einer Niederlage? Da sind die deutschen Verhaltensweisen über Generationen eingespielt: Man bewertet den Misserfolg nicht über. "Das Ergebnis geht in Ordnung. Österreich hat uns mit seiner Intensität überrascht, es war kein Freundschaftsspiel, sondern ein Derby. Wir hatten auch unsere Chancen, aber die Österreicher die besseren", sagte der neue deutsche Bundestrainer Uwe Krupp und kam schnell zu den positiven Aspekten des Abends: "Mir hat gefallen: Die Spieler haben nicht aufgesteckt, die Atmosphäre auf der Bank war gut, auch das Unterzahlspiel." Das hatte man tags zuvor, bei der einzigen Trainingseinheit, noch geübt - Powerplay hingegen gar nicht. Das setzte Krupp erst für gestern Abend an, für die erste Eiszeit nach der Ankunft in Turin. "Wir brauchen einfach noch Zeit, dann kommt auch das Tore schießen", glaubt Stefan Ustorf.

"Wir müssen auch die Spiele nutzen, um uns zu finden", propagiert Uwe Krupp. Am Samstag hat man noch einen Test gegen Russland, und auch die ersten beiden Olympia-Spiele gegen Tschechien (Mittwoch) und Kanada (Donnerstag) gehören noch in die Aufbauphase. "Wichtig", erwartet Robert Müller, "werden die Spiele gegen Italien und Schweiz".

Nicht abzustreiten ist, dass die deutsche Mannschaft darunter leidet, dass die Nominierung in einigen Fällen unklar ist. Es kommen bis zu sieben NHL-Spieler nach Turin, sie sind gesetzt. "Die Nerven liegen schon ein bisschen blank, das muss man zugeben", so Ustorf. Die Situation ist neu für das deutsche Eishockey und unangenehm, "aber wir sehen, wie sich die Spieler unter Druck verhalten", sagt der Trainer.

Der Faktor Zeit wird also die wesentliche Rolle spielen. Grundsätzlich sei die Mannschaft intakt. "Man spürt die Zielstrebigkeit", sagt Sportdirektor Franz Reindl, der seine Olympia-Erwartungen so formuliert: "Wir sind krasser Außenseiter, aber eine Chance hast du immer."

Die Schmach der Niederlage gegen Österreich wird nicht lange nachwirken. Kommende Woche kann ganz Österreich das DEB-Team im TV sehen - bei Olympia. Österreich hat es verpasst.

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