Vollmer: "Einfach schade und enttäuschend"

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Joey Vollmer muss den EHC München verlassen

München - Seit Dienstag steht es fest: ­Joey Vollmer muss den EHC München verlassen. Die tz sprach mit dem Ex-EHC-Keeper. Für ihn hat der Abschied einen faden Nachgeschmack.

Direkt nach dem Saisonende baten die Verantwortlichen des EHC München Joey Vollmer zum Gespräch. Sie haben dem Torwart klar gemacht, dass sie ohne ihn planen. Er hatte das Signal verstanden, aber bis zuletzt gehofft, dass er doch bleiben kann. Seit gestern steht fest: Das Hoffen war vergebens. Der Sympathieträger muss gehen.

Kam das Aus für Sie überraschend?

Vollmer: Ja, schon. Ich dachte, dass ich alles richtig gemacht habe. Das Teamplay am Schluss, ich habe damit dem Trainerstab geholfen. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Nach der Verletzung habe ich nur noch vier Spiele gemacht, ein schlechtes und drei gute. Ich wurde auch als Spieler des Spiels ausgezeichnet.

Ein Blick ins Allerheiligste des EHC München

Werfen Sie mit uns einen kurzen Blick in die Kabine des EHC München. © Mathias Müller
Schon beim ersten Blick wird deutlich: Wie in der Kabine des FC Bayern sieht es hier nicht direkt aus. Jeder Spieler hat seine eigene kleine Holz-Nische. Die Namensschilder sind aus laminiertem Papier und über zwei Haken angebracht. In der Mitte des Raums: ein Einkaufswagen. © Mathias Müller
Ein paar Fußbälle dürfen aber dennoch nicht fehlen. © Mathias Müller
Bei Martin Buchwieser reibt man sich verwundert die Augen. An seinem Platz hängt ein Bild, auf dem er US-Präsident Barack Obama die Hand schüttelt. © Mathias Müller
Die Aufklärung: „Das haben mir die Jungs geschenkt. Meine Freundin ist Amerikanerin. Sie meinten, ich solle mir einen amerikanischen Pass zulegen, ... © Mathias Müller
... damit ich mit der Nationalmannschaft wenigstens mal was gewinnen kann. Denn gefälschten Pass gab’s übrigens gleich mit dazu“, so Buchwieser. © Mathias Müller
Bei Martin Schymainski lehnt ein ganz besonderes Bild an der Wand: es zeigt seinen guten Spezl Kevin Lavallee, der gerade seinen Bizeps mit einer Hantel stählt. Er trägt ein weißes Feinripp-Shirt. © Mathias Müller
Schymainski: „Wir sind seit drei Jahren beste Kumpel und gehen öfter mal zusammen essen oder shoppen. Im Moment sitzt mir Kevin noch gegenüber. Ich kann ihn also eigentlich immer sehen. Aber sollten wir mal nicht mehr zusammen spielen, dann wird das Bild noch wichtiger. Das kommt dann nämlich mit.“ © Mathias Müller

Bereuen Sie es, dass Sie nicht aufbegehrt haben?

Vollmer: Ja, definitiv. Ich habe eher auf Teamplay gesetzt und mich immer hinter die Mannschaft gestellt. Daher finde ich die Entscheidung einfach schade und enttäuschend.

Gegen Ende der Saison haben Sie die Fans immer wieder angefeuert und Spielzeit für Sie gefordert.

Vollmer: Ich fand das sehr rührend! Es ist schön zu wissen, dass die Fans hinter einem stehen!

Es heißt, Trainer Pat Cortina und Sie hätten sich nicht gut verstanden.

Vollmer: Differenzen hat man immer. Der Trainer hat nicht dein Freund zu sein. Es war eine Hassliebe. Ich schätze ihn als Trainer sehr, er hat die Mannschaft dahin gebracht, wo sie jetzt steht.

Mit Mario Jann und Ihnen verlassen zwei Publikumslieblinge den EHC.

Vollmer: Es werden neue Stars geboren, es hat auch immer andere Lieblinge im Team gegeben. Diesen Werdegang von ganzen unten ganz hoch wird es nicht mehr geben – außer die Geschichte wiederholt sich noch einmal.

Ihre Trikotnummer wird geblockt, als erste in der EHC-Geschichte.

Vollmer: Ja, und das Trikot wird unter das Hallendach gezogen. Ich wollte sowas immer erst mit 36, am Karriereende. Ich habe das Kapitel EHC noch nicht abgeschlossen, das wurde mir im Gespräch auch mitgeteilt, dass ich vielleicht zurückkommen kann. Die Sache mit der Trikotnummer kommt schon ein bisschen früh. Aber klar: Es ist eine riesen Ehre.

Wie kamen Sie zur Nummer 29?

Vollmer: Über Torontos Felix Potvin, die Katze. Er war einer der Vorreiter des butterfly-Torwartspiels.

Sie selbst haben den Spitznamen Joey.

Vollmer: Und im Spielerkreis white shark. Der weiße Hai. Alexander Leinsle und Michael Machek haben das mal aufgebracht, wegen meiner weißen Haut und meiner großen Zähne.

Sie haben früher mal für 400 Mark in Erding gespielt und in der Kaserne übernachtet.

Vollmer: Beim EHC habe ich anfangs 1800 Mark bekommen und es hat sich seitdem nicht verbessert (lacht). Dass die Konkurrenz größer wird, war klar. Jeder will hier in München spielen, und verzichtet wie Reimer deshalb auch mal auf Gehalt. Jeder will hier spielen. Solang's bergauf geht ...

Sie haben einiges mit dem Klub erreicht, sind von der Bayernliga bis in DEL aufgestiegen.

Vollmer: Ich bin sehr stolz und dankbar, was ich mit dem EHC erreicht habe. Der EHC ist mein Verein. Auch andere Leute haben den Verein immer hoch gehalten: Christian Winkler, Jürgen Bochanski (der Manager und der Geschäftsführer; die Redaktion) und viele andere – sie sind dem Verein treu geblieben, als wir vor der Pleite standen. Sie haben gekämpft, mit Herzblut.

An welchen Moment beim EHC werden Sie sich zurückerinnern?

Vollmer: Die Meisterschaft in der Bayernliga war das Allerschönste. Je höher du gehst pro Liga, desto unpersönlicher wirst du als Klub. 2500 Fans haben damals vor der Tür in Landsberg gewartet. Die Verbindung zwischen Fans und Team... Zu vielen Leuten von damals habe ich heute noch guten Kontakt, für uns ist es da mehr um Sport und Spaß gegangen.

Sie gelten als unheimlich positiver Mensch, der auch mal Witze reißt.

Vollmer: Ich bin positiv, aber nie der Kasper. Wie früher der Joker (Markus Jocher, die Redaktion), der hat die Rolle gehasst. Im Gespräch haben sie mir gesagt: „Du lachst viel, scherzt viel – vielleicht wäre es für dich gut, was neues kennenzulernen.“ Nein! Man muss positiv bleiben. Einer der Spieler hat es auf den Punkt gebracht. Er sagte mir, der Verein verliere sein Rückgrat mit mir. Und dass ich einer der wenigen Spieler beim EHC war, auf die er sich vor seiner Rückkehr nach München gefreut hat.

Sie selbst schließen eine Rückkehr ja auch nicht aus. Wie steht es derzeit mit einem neuen Klub?

Vollmer: Ich habe Angebote, möchte mich aber dazu nicht äußern. Natürlich würde ich gerne weiter in der DEL spielen. Im Sommer werde ich alles dafür tun, dass ich in Top-Form sein werde, wohin auch immer die Reise geht.

Könnten Sie überhaupt gegen den EHC spielen? Hätten Sie eine Sonderklausel, dass Sie gegen den EHC nicht spielen müssen?

Vollmer: Es ist sehr schade, dass ich gehen muss. Mein Traum wäre es, alle vier Spiele gegen den EHC zu spielen. Das ist mein Verein, mein Team. Und München ist mein Zuhause, ich kaufe mir eine Wohnung. Meine Freundin ist auch von hier. Wir werden im Mai heiraten.

Interview: Martin Wimösterer

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