Winkler: "Mir fehlen noch immer die Worte"

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Dietrich 2003 im Gespräch mit Eishockey-Legende Georg Kink.

München - Deutschlands Eishockeywelt trägt seit Mittwoch Trauer. Im Unglücksflug der russischen KHL-Mannschaft Lokomotive Jaroslawl kam auch der deutsche Nationalspieler Robert Dietrich auf tragische Art und Weise ums Leben.

Besonders hart trifft es unter anderem die Spieler und Verantwortlichen des EHC München. Viele der EHC-Jungs sind schon lange mit Dietrich befreundet, Manager Christian Winkler war vor acht Jahren sogar sein Trainer beim EC Peiting.

„Mir fehlen noch immer die Worte. Ich kannte Robert, seit er 16 Jahre alt war. Ich war 2003/04 Manager und Trainer in Peiting und habe ihm dort seinen ersten Profivertrag gegeben. Seitdem sind wir immer in Kontakt geblieben. Im vergangenen Jahr, als Dietrich nach zwei Jahren in den USA wieder in Deutschland (Mannheim) spielte, hatte sich das wieder intensiviert.“ Das letzte Telefonat liegt noch gar nicht so lange zurück:

Robert Dietrich: Ruhig, sympathisch, souverän - Bilder seiner Karriere

Robert Dietrich war einer der hoffnungsvollsten Verteidiger im deutschen Eishockey. Durch seine Leistung bei der WM 2011 empfahl sich der 25-Jährige für große Clubs. Am Mittwoch ist er vor seinem ersten Spiel in der KHL bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. © ap
Nach seinen herausragenden Leistungen bei der WM im Frühjahr in der Slowakei standen Europas Top-Clubs bei Robert Dietrich (r.) Schlange. Der sympatische Eishockey-Verteidiger war einer der sichersten Akteure im deutschen Kader, an ihm bissen sich selbst NHL-erprobte Stürmer die Zähne aus. Dietrich, zuletzt bei Adler Mannheim Leistungsträger, entschied sich für den nächsten Schritt seiner Karriere und wechselte in die zweitbeste Liga der Welt, zum russischen KHL-Club Lokomotive Jaroslawl. © ap
Der im kasachischen Ordschonikidse geborene Dietrich, der in der Jugend des ESV Kaufbeuren seine ersten Schritte auf dem Eis machte und als Profi in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) drei Jahre lang bei den DEG Metro Stars spielte, überzeugte nicht zuletzt bei der WM als eleganter und umsichtiger Verteidiger - von Raubein keine Spur. © dpa
Der freundliche und höfliche Kufencrack, der neben seinem deutschen auch einen kasachischen Pass besitzt, war einer der Stützen in der Auswahl von Ex-Bundestrainer Uwe Krupp und auch dessen Nachfolger Jakob Kölliker hoffte auf den Verteidiger. © getty
Als technisch versierter Akteur hatte Dietrich sein Glück auch in Nordamerika gesucht, wo er zwei Jahre lang insgesamt 155 Partien für die Milwaukee Admirals in der unterklassigen AHL absolvierte. Den Sprung in die NHL, von wo ihn die Nashville Predators 2007 gedraftet hatten, schaffte er aber nicht und kehrte nach Deutschland zurück. Zur Saison 2010/11 heuerte Dietrich in Mannheim an. © dpa
Bei den Adlern, wo Dietrich schon in einer Jugendmannschaft aufs Eis lief, unterschrieb er einen Dreijahresvertrag mit Ausstiegsklausel, die ihm im Juni schließlich den Wechsel zu Lokomotive Jaroslawl ermöglichte. Der Verein aus Zentralrussland zählt seit Jahren zu den besten Adressen im russischen Eishockey, und gewann unter anderem dreimal den Titel in der KHL. © getty

„Ich habe vor ungefähr vier Wochen mit ihm gesprochen. Das war noch bevor er rüber nach Russland ist. Mit einem NHL-Vertrag hat es leider nicht funktioniert. Er hat immer gesagt, wenn er so eine Chance wie in Jaroslawl bekommt, dann will er sie nutzen.“ 2007 wurde Dietrich von den Nashville Predators gedraftet – für einen Platz im A-Team reichte es allerdings nicht. Er wurde an die Milwaukee Admirals weitergereicht.

Wie viele andere in der großen Eishockeyfamilie erfuhr Winkler die schreckliche Nachricht vollkommen überraschend aus den Medien. „Ich war am Nachmittag auf einer Schiedsrichter-Schulung. Als die zu Ende war, haben wir davon gehört. Dann hat sich alles nach und nach bestätigt. Das war ein Gefühl, wie wenn dir einer einen Hammer übers Hirn haut. Das glaubst du nicht, dass eine komplette Mannschaft auf einen Schlag einfach ausgelöscht ist.“

Seinen früheren Schüler beschreibt Winkler als „hoch talentierten und sehr bodenständigen Typen, der immer gut gelaunt war.“ Auch deswegen war er bei vielen EHC-Spielern sehr beliebt. Winkler: „Fast alle unserer deutschen Spieler kennen ihn sehr gut. Und Eric Schneider hat mit ihm in Crimmitschau zusammen gespielt. Zwei, drei Jungs waren sogar schon oft mit ihm im Urlaub, die trifft es besonders hart.“

Am schlimmsten ist die Lage natürlich für seine Eltern Maria und Heinrich Dietrich, die nach wie vor in Kaufbeuren wohnen. Winkler: „Robert war ein toller Bursche, seine Eltern sind genauso bodenständig. Man kann ihnen in dieser Situation nur möglichst viel Kraft wünschen.“ Beim EHC hat man beschlossen, offen mit dem Thema umzugehen. Sogar am Mittwochabend wurde noch trainiert. „Keiner der Spieler soll jetzt allein sein. Wir holen jetzt keinen Psychologen oder so, aber wir wollen diese Tragödie als Team und als EHC-Familie verarbeiten.“

Christian Erhoff, sein Nationalmannschaftskollege in der Abwehr, erfuhr während seines Heimaturlaubs in Krefeld vom Absturz. „Das ist eine Tragödie, wie man sie kaum begreifen kann. Ich werde Robert als Menschen und Spieler sehr vermissen.“ Auch sein ehemaliger Nationaltrainer Uwe Krupp zeigte sich „erschüttert und geschockt. Das geht einem sehr nahe. Die ganze Eishockeywelt leidet darunter. Unsere Gedanken sind bei den Familien“, so Krupp.

Mathias Müller

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