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So wüteten die "Meister der Herzen" wegen Bayern

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Von: Franz Rohleder

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Bayern-Torwart Oliver Kahn (links) jubelt. Schalke-Mittelfeldspieler Andi Möller ist am Boden zerstört. Für Schalke reichte es beim Bundesliga-Finale 2001 nur zum "Meister der Herzen". © Getty

München - Trunkenheitsfahrt, Festnahme, Zerstörungswut und Tränen: Die Erinnerungen von Rudi Assauer zeigen, welche Dramen sich hinter den Kulissen abspielten, als die Bayern den Schalkern 2001 die Meisterschaft entrissen.

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„Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben“ – so heißt Rudi Assauers Autobiografie, die am Donnerstag erschienen ist (Riva Verlag, 19,99 Euro). © Riva Verlag

Es tut der königsblauen Seele heute noch so weh: Für vier Minuten und 38 Sekunden war Schalke 04 am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2000/2001 praktisch Meister. Die Knappen hatten nach einem Sieg über Unterhaching die Tabellenspitze erklommen. Nach dem Abpfiff feierten die Schalker schon auf dem Rasen des Gelsenkirchener Parkstadions. Bayern lag in Hamburg hinten. Dann die unerwartete Wende: In der vierten Minute der Nachspielzeit schoss Bayern-Verteidiger Patrik Andersson den FCB beim Hamburger SV noch zu einem 1:1 und damit zurück auf Platz eins. Aus der Traum! Ein brutaler Stich ins Schalker Herz.

Die am Donnerstag erschienene Autobiographie von Rudi Assauer "Wie ausgewechselt. Verblassende Erinnerungen an mein Leben“ zeigt ausführlich, wie die Schalke-Spieler und die königsblauen Offiziellen nach der Demütigung soffen und durchdrehten.

Bundesliga-Finale 2001: Bayern jubelt - Schalke am Boden

Am dramatischsten endete der Tag für den späteren 04-Manager, Andreas Müller. Er lieferte sich im Suff eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Nach dem Meisterschafts-Drama ertränkte er seinen Frust im Alkohol. Müller: "Wir haben mit ein paar Wutbierchen angefangen und uns dann so richtig weggeschossen. Das war Frustsaufen pur."

Anschließend setzte er sich betrunken hinters Steuer und fuhr seine Frau sowie Assausers damalige Freundin Simone Thomalla samt Tochter heim. Nach der Ankunft am Hause Assauser lösen die Thomalla-Damen versehentlich den Alarm aus. Müller will wegfahren - da kommt auch schon die Polizei um die Ecke gefahren. Im Assauer-Buch erinnert er sich:

"Ich denke mir, ach du Scheiße. Du hast getrunken, wenn sie dich jetzt kontrollieren, bist du den Lappen los. Dann setzt meine Birne aus, eine Kurzschlusshandlung. Ich drücke aufs Gas, rase los, will die Bullen abhängen."

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Müller rast durch Gelsenkirchen, die Streife heftet sich an seine Stoßstange. Der betrunkene Schalker fährt in eine Sackgasse - Endstation! Dann will er zu Fuß abhauen:

"Ich türme aus dem Wagen, laufe quer durchs Gebüsch, die Polizisten hinterher. Plötzlich vor mir ein Zaun, ich komme nicht drüber. Ende Gelände. Das war’s. An den Ohren ziehen mich die Beamten aus dem Gebüsch, die Knarre am Kopf. Wie ein Schwerverbrecher werde ich mit den Händen auf dem Rücken zum Auto zurückgebracht, ich hatte es ja nicht anders verdient. Dann geht’s ab aufs Revier."

Die Folgen der irren Suff-Aktion: Müller muss seinen Führerschein für zehn Monate abgeben und eine empfindliche Geldstrafe zahlen.

Nach dem demütigenden Ende des letzten Spiel im Gelsenkirchner Parkstadion lassen einige Spieler ihren Aggressionen freien Lauf. Im Assauer-Buch ist zu lesen:

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"Dran glauben muss an diesem Tag zunächst die Kabine der Gastgeber im Parkstadion. Die Schalker Spieler machen ihrem Ärger Luft. Flaschen und Stühle fliegen, Fernseher gehen kaputt, Bänke und Türen werden demoliert. Die Reparaturkosten übernimmt der Verein."

Aber nicht nur die Kabine im Parkstadion geht zu Bruch. Bei einer Privatparty am Abend in der Wohung des norwegischen Ersatzkeepers Frode Grodas wird auch dessen Wohnzimmer verwüstet.

"Die Mischung aus Alkohol und Frust lässt nicht nur bildlich die Wände wackeln. Ein Wandteller aus Porzellan wird zur Ersatzmeisterschale. In der Woche darauf muss Grodas das Wohnzimmer renovieren lassen."

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Im Stillen litt an diesem denkwürdigen Samstag im Mai 2011 Schalke-Trainer Huub Stevens - aber nicht ohne den Trost im Alkohol zu suchen. Er erinnert sich im Assauer-Buch: "Ich bin in mein Appartement in Gelsenkirchen gegangen und habe dort eine Flasche Weißwein geleert, den Fernseher aber nicht mehr angemacht."

Und Assauer selbst? Auch zog das schweigsame Leiden vor: "Ich bin in der Nacht noch allein in mein Stammrestaurant Vitali gefahren, habe noch eine Weile am Tisch gesessen und vor mich hinsinniert. Das Ganze war ein harter Schlag für mich. Ein Genickschlag für alle Schalker. Ich dachte mir, eine solche Entscheidung am letzten Spieltag der Bundesliga wird es in den nächsten 20, 30 Jahren nie mehr geben. Erst in den Morgenstunden bin ich nach Hause."

Die Assauer-Memoiren zeigen: Noch hat hat keine Mannschaft derartig darunter gelitten, gegen die Bayern den Kürzeren zu ziehen, wie Schalke 04 am 19. Mai 2001.

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