Bayern-Kandidat Giroud "wie ein Lottogewinn"

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Olivier Giroud (r.) trifft und trifft und trifft

Montpellier - In Frankreichs Ligue 1 bietet der kleine HSC Montpellier dem millionenstarken Hauptstadtklub aus Paris die Stirn - auch dank Bayern-Kandidat Olivier Giroud.

Auf den ersten Blick sieht Louis Nicollin wirklich nicht nach Champions League aus. Sein Verein, der HSC Montpellier, steuert überraschend seiner ersten Meisterschaft entgegen, bietet dabei dem millionenstarken Scheichklub Paris St. Germain hartnäckig die Stirn. Und hat beste Chancen auf die Teilnahme an Europas größtem Vereins-Wettbewerb.

Nicollin, Besitzer und Präsident des Klubs, würde optisch auch im Vereinsheim eines Kreisligisten kaum auffallen. Zudem klingt seine Sprache. Er wolle nicht „sprechen wie die feinen Pinkel“. Regelmäßig teilt der 68-Jährige in kaum zitierbarer Form gegen Kritiker und Konkurrenten aus, macht sich und seinem Klub damit selten Freunde. Mehrere Top-Ten-Listen seiner fiesesten Sprüche kursieren im Internet.

Dennoch, in diesem Jahr vollzieht der Verein einen Imagewandel. Der einst so grauen Maus Montpellier fliegen die Sympathien zu, wie so oft, wenn ein Kleiner den Großen ärgert. Mit einem Fünftel des Etats von Paris lässt Trainer Rene Girard seine junge Mannschaft ansehnlichen Fußball spielen, die Offensive um Shootingstar Olivier Giroud ist die zweitgefährlichste Frankreichs. Sechs Spieltage vor Saisonende hat Montpellier zwei Punkte Vorsprung auf den großen Konkurrenten. „Wir haben viele junge Spieler“, sagt Girard, das Saisonfinale werde daher eine große mentale Herausforderung. „Aber wenn Paris besser sein will als wir, dann müssen sie es auf dem Platz zeigen.“

Jahrzehntelang war der Klub von der Mittelmeerküste alles andere als ein Vorzeigeobjekt. Fußball stand in Montpellier nur selten im Mittelpunkt. Das Gründungsmitglied der Ligue 1 war lange Zeit ein klassischer Fahrstuhl-Klub, hatte immer wieder große finanzielle Probleme. Bereits seit 1974 ist der HSC Montpellier auch Louis Nicollin. Der Müllunternehmer übernahm den Verein aus seiner Heimatstadt, seitdem verbindet ihn eine innige Beziehung zu seinem Klub. Er ist sein Lebenswerk. „Mit meiner Frau habe ich zwei Söhne“, sagte Nicollin unlängst: „Dieser Verein ist meine Tochter.“ Nicollin, klubintern äußerst beliebt, kann offenbar auch anders.

Nach dem Aufstieg 2009 wurde das Team überraschend Fünfter, zog 2011 ins Pokalfinale ein. Der eher rustikale Fußball wurde spätestens in der laufenden Spielzeit abgelegt, Stars wie Giroud gehen ihren nächsten Karriereschritt und polieren dabei das Image des Klubs auf. Auch für den Stürmer ist der Saisonverlauf ein kleines Wunder. „Jetzt noch Meister vor Paris zu werden, wäre der Zuckerguss“, sagt Giroud. Noch vor zwei Jahren wäre er um ein Haar in Schottland gelandet.

„Hast Du Lust, dich mit Kilmarnock rumzuärgern?“, soll Nicollin den Stürmer, der damals noch für den Zweitligisten Tour auflief, gefragt haben. „Komm lieber zu uns, da wirst du viel zu lachen haben“ - Giroud kam, und Nicollins Plan ging auf. Mit derzeit 20 Treffern führt der 25-Jährige die Torschützenliste an, lief zudem im November erstmals für die Nationalmannschaft auf. „Giroud ist für uns wie ein Lottogewinn“, sagt Nicollin.

Giroud ist auch ins Blickfeld des FC Bayern gerückt. Doch Uli Hoeneß hat kürzlich Zweifel geäußert - dem Präsidenten zufolge ist der Franzose ein ähnlicher Stürmertyp wie Mario Gomez.

Noch größere Stücke hält Nicollin allerdings auf seinen Mittelfeldmotor. „Die größte Perle, der größte Diamant in unserem Kader ist Younes Belhanda. Er ist stärker als Hazard, stärker als Pastore und wie sie alle heißen“, sagt Nicollin mit Bezug auf die Stars der Konkurrenten Lille und Paris.

Längst bemühen sich die großen europäischen Klubs um die Shootingstars aus Montpellier. Nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte droht dem Verein der Ausverkauf. Und der Präsident? Der will dennoch bei seinen Prinzipien bleiben. „Wir werden keinem Spieler mehr als 100.000 Euro im Monat zahlen. Punkt“, stellt Nicollin auch für den Fall der Champions-League-Teilnahme klar. „Ich habe keine Lust, meinen Klub ins Risiko zu stürzen.“ Das habe es in der Vergangenheit zu oft gegeben.

Nachhaltigkeit soll in Montpellier von nun an das Programm bestimmen. Und auch der Klubbesitzer will sein Lebenswerk noch lange nicht abschließen. Er ist, für seine Kritiker mag das wie eine Drohung klingen, noch nicht fertig mit dem Fußball. „Wenn dieser Tag gekommen ist“, sagt Nicollin, „dann könnt ihr mich gleich auf den Friedhof bringen.“ Ab der kommenden Saison wird wohl erstmal in der Königsklasse weitergeflucht.

sid

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