Sind die Münchner so gut?

Serienmeister FC Bayern und die Langeweile an der Tabellenspitze: Was in der Bundesliga falsch läuft

Seit neun Jahren das gleiche Prozedere: Die Kicker des FC Bayern München feiern die deutsche Meisterschaft- 2021 folgte Titel Nummer 31
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Seit neun Jahren das gleiche Prozedere: Die Kicker des FC Bayern München feiern die deutsche Meisterschaft- 2021 folgte Titel Nummer 31.

Spannung geht anders: Während in einigen europäischen Topligen auch im Kampf um die Tabellenspitze Aufregung herrscht, gewinnt in Deutschland nur der FC Bayern. Woran liegt‘s?

München - Seit knapp einem Jahrzehnt fehlt die Spannung in der Bundesliga: Der Serienmeister aus München spielt sich – mal mehr, mal weniger konkurrenzlos – von Schale zu Schale, vergangenen Samstag stellte er die neunte Schüssel in Serie in die Vitrine. Lediglich in Italien gab es eine ähnliche Einseitigkeit im Ligaalltag. Wie der FC Bayern heimste Juventus neun Titel am Stück ein, wurde aber dieses Jahr von Inter Mailand gestürzt. Und während sowohl in England als auch in Spanien und Frankreich in den vergangenen zehn Jahren mindestens drei unterschiedliche Teams nationaler Meister wurden, ist in der Bundesliga keine Besserung in Sicht. Stellt sich also die Frage: Sind die Bayern so gut? Oder die anderen so schlecht?

FC Bayern international wettbewerbsfähig: Und sonst? Nichts aus deutscher Sicht

Der Blick auf die Fünfjahreswertung der UEFA, dem Leistungsranking aller Mannschaften eines Landesverbandes, das über die Anzahl an Startplätzen in den europäischen Klubwettbewerben bestimmt, zeigt: es liegt an der fehlenden Konkurrenz. Anders ist nicht zu erklären, warum die Bundesliga trotz des FCB, der 2020 die Champions League gewann und in den vergangenen fünf Jahren stets die K.o.-Phase erreichte, lediglich auf Rang vier hinter England, Spanien und Italien rangiert. In die Berechnung der Fünfjahreswertung fließen sämtliche europäische Spiele der Teams eines Landesverbandes ein. Demnach kommt die Bundesliga aktuell auf 73,570 Zähler – und liegt damit Welten hinter der Premier League (100,140).

Auch der UEFA-Klubkoeffizient, eine Art Fünfjahreswertung für einzelne Teams, ist ein Indiz für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit deutscher Klubs – mit Ausnahme der Münchner. Denn der Rekordmeister führt das Ranking – aktuell noch – nach seinem herausragenden Jahr mit sechs Titeln vor Real Madrid und Manchester City an. Weitere Teams aus der Bundesliga sind in den Top Ten Fehlanzeige. Erst auf Rang 14 taucht mit dem BVB das zweitbeste deutsche Team auf, das nationale Treppchen komplettiert Leipzig auf 21.

FC Bayern dominiert Bundesliga: Konkurrenz belebt das Geschäft in Deutschland nicht

Und während Engländer die Champions League dieses Jahr unter sich ausmachen (in der Europa League gibt es einen englischen oder spanischen Sieger), guckt die Bundesliga mal wieder in die Röhre. Lediglich drei Klubs aus der deutschen Eliteklasse haben es in den vergangenen fünf Jahren ins Halbfinale eines europäischen Klubwettbewerbs geschafft – Frankfurt vor zwei Jahren in der Europa League, in der Königsklasse neben den Bayern lediglich RB Leipzig vergangene Saison. Deutsche Sieger? Nur der FCB!

Dass der Klassenunterschied in der Bundesliga zwischen den Bayern und dem Rest nicht allein mit finanziellen Gründen zu rechtfertigen ist, zeigt sich in Spanien, wo es der FC Sevilla dank kluger Personalpolitik in dieser Saison geschafft hat, bis zum Schluss um den Titel mitzuspielen. In der Bundesliga wartet Bayern München weiterhin auf ernsthafte Herausforderer – und zwar auch zum Wohle der Liga. „Die Situation ist bekannt, Deutschland ist Tabellenvierter“, so FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bereits vor geraumer Zeit mit Blick auf die Fünfjahreswertung. „Wenn wir weiter herunterrutschen, verlieren wir Startplätze und das ist bei dem Trend nicht zur Gänze auszuschließen. Und dann geht das Gejaule los. Das Gejaule sollten wir uns ersparen.“ Schuld daran sind nämlich nicht die Bayern, sondern ihre – leider nach wie vor nicht vorhandenen – Gegner in der Bundesliga.

Ist die Bundesliga langweilig? Ausländische Experten reden Klartext

Aritz Gabilondo, Diario AS (Spanien): Allzu langweilig war die Bundesliga dieses Jahr nicht. RB Leipzig konnte dem FC Bayern lange Paroli bieten, was aber auch mit den Münchnern selbst zu tun hatte, die bei weitem nicht ihre beste Saison gespielt haben. Schade war, dass Dortmund in der Liga nicht sein gewohntes Niveau abrufen konnte. Viel interessanter als der Titelkampf waren derweil die Leistungen der Wolfsburger und Frankfurter sowie natürlich das Schalke-Debakel.

Mirko Calemme, Calciomercato (Italien): Was mich an der Bundesliga reizt, sind die vielen Talente, die sie hervorbringt. Das gilt für Spieler und Trainer, was großen Mut vonseiten der Klubs erfordert. Auch ihre modernen Stadien, die vor Corona allesamt voll waren, machen wirklich etwas her. Die Dominanz der Bayern führt allerdings dazu, dass die Liga an Anziehungskraft verliert. Gefühlt gewinnen immer dieselben - und das führt früher oder später zu Langeweile.

Jack Gaughan, Daily Mail (England): Die Briten respektieren den FC Bayern. Die Prozesse innerhalb des Vereins sind top. Die Verantwortlichen können perfekt wirtschaften. Aber die Fans hier sind auch der Meinung, dass Bayern die besten Spieler der deutschen Konkurrenz wegkauft. Das würde unter den Topteams in England nicht passieren. Denn hier bekommen die Vereine so viel TV-Geld, dass sie nicht darauf angewiesen sind, ihre Stars zu verkaufen. Ist das der Fehler des FC Bayern? Natürlich nicht.

Arnaud Hermant, L’Equipe (Frankreich): Die Bundesliga ist langweilig, weil man am Anfang der Saison schon den Meister kennt. RB Leipzig, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Eintracht Frankfurt haben nicht die gleiche Qualität im Kader und können nicht mithalten. Mit dem Geld, das Bayern jedes Jahr in der Champions League verdient, wird der Abstand zu anderen deutschen Vereinen immer größer. Es ist wie bei Paris in Frankreich…

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