Zorc: "Es kann jeder reden, was er will"

Dortmund - Im tz-Interview erläutert BVB-Sportdirektor Michael Zorc seine Erkenntnisse aus dem Bayern-Spiel bei Inter Mailand und spricht über das verbale Vorgeplänkel vor dem Spitzenspiel am Samstagabend.

Herr Zorc, haben Sie am Mittwoch Fußball geschaut?

Zorc: Na klar.

Was sind Ihre Erkenntnisse?

Zorc: Es war ein sehr interessantes Spiel, von beiden Seiten offensiv geführt. Das Erstaunlichste war das Ergebnis am Ende.

Dass Bayern gewonnen hat?

Zorc: Nein, dass nur ein Tor gefallen ist! Es gab schließlich sehr viele, gute Offensiv-Szenen.

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Christian Nerlinger hatte Sie in der tz ja aufgefordert, dieses Spiel genau zu betrachten. Weiß der BVB jetzt, wie man einen Robben stoppen kann?

Zorc: Wir haben da unsere eigene Herangehensweise. Fakt ist, Arjen Robben hat den entscheidenden Schuss gesetzt, der zum Tor durch Gomez geführt hat. Und auch sonst hat er drei bis vier hundertprozentige Chancen vorbereitet. Zudem möchte ich noch sagen: Christian Nerlinger bezog sich da auf die Aussage von Kevin Großkreutz, der sich nach dem Spiel gegen St. Pauli weit aus dem Fenster gelehnt hat. Das wird jetzt alles 35 Mal wiederholt und es sieht so aus, als würde der hier seit Tagen durch die Gegend rennen und sagen: „Wir hauen die Bayern weg!“ So ist es nicht, und das ist auch nicht unsere Art.

Es ist aber ein bisschen seine Art, oder?

Zorc (lacht): Ja, manchmal schon. Und der Kevin darf das auch!

Wie bereitet sich Dortmund auf das große Spiel vor? Stellen Sie sich auf den Gegner ein oder bauen Sie auf Ihre eigene Stärke?

Zorc: Beides. Wir studieren die Bayern, aber an unserer Spielart ändert sich eigentlich nichts gravierend. Da ist es egal, gegen wen wir spielen und ob daheim oder auswärts auftreten.

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Was fällt Ihnen denn auf, wenn Sie die bayerische Abwehr studieren?

Zorc: Der FC Bayern hat insgesamt eine offensiv ausgerichtete Spielweise. Das macht es natürlich auch für die Defensivleute schwieriger. Aber, auch das habe ich beim Mailand-Spiel gesehen, selbst die Außenspieler waren bemüht, nach hinten mitzuarbeiten.

Und sie können nach vorne zaubern. Uli Hoeneß glaubt, Bayern gewinnt mit mindestens zwei Toren Unterschied…

Zorc: Ganz ehrlich? Das interessiert mich gar nicht. Das ist ein verbales Vorgeplänkel, was meiner Ansicht null Komma null Auswirkung auf das Spiel und das Ergebnis hat. So was interessiert doch unsere 21-jährigen Burschen nicht! Das ist jetzt auch gar nicht despektierlich gemeint. Es kann ja jeder reden, was er will.

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Ist Bayern noch die Nummer eins in Deutschland?

Zorc: Bayern ist der Branchenführer, das ist sonnenklar! Und das auch seit Jahrzehnten, da gibt es keine Diskussionen. Bayern hat durch die Wirtschaftskraft und das Umfeld eine Sonderstellung in der Bundesliga, da wollen wir uns auch gar nicht mit vergleichen. Wir wollen uns nur messen – fußballerisch, Samstag, halb sieben.

Wissen Sie eigentlich, wann das das letzte Mal richtig gut ausging hier für den BVB?

Zorc: Ist lange her, oder?

1991. Sie waren nicht dabei.

Zorc: Puuh, da war ich verletzt, denke ich. Sonst hätte ich spielen müssen. Aber egal, das ist lang her. Diese Saison ist vieles anders, wir spielen den besten Fußball der Liga. Deswegen fahren wir auch nach München, um dort zu bestehen.

Interview: Michael Knippenkötter 

Rubriklistenbild: © Getty

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