Der lange Lauf von Alexej, dem ganz besonderen Fan

Der Forrest Gump vom FC Bayern…

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Wie Filmheld Tom Hanks in Forrest Gump: FCB-Fan Alexej.

Der junge Mann atmet schwer. Kleine Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn, doch er läuft weiter. Immer wieder rennt er die Säbener Straße herauf und herunter.

Vorne auf dem Gehweg vor dem Trainingsgelände des FC Bayern, wo die hochbezahlten Superstars trainieren. „Sechste Runde!“, ruft er. Die Fans, die das Bayern-Training besuchen, schauen komisch.Wer ist dieser seltsame Mann in Trainingsanzug und Fußballschuhen?

Der Forrest Gump des FC Bayern!

Jeden Tag kommt Alexej zum Bayern-Training, läuft seine Runden. Viele Fans kennen ihn bereits, manche nennen ihn Forrest, in Anlehnung an den Film „Forrest Gump“. Da spielte Superstar Tom Hanks einen jungen Mann mit großem Herzen, der vor allem mit einem Talent gesegnet ist: Laufen. Forrest läuft und läuft und läuft und verändert dabei ungewollt und ohne es zu merken die ganze Welt. Und erreicht am Ende alle seine Ziele…

In der professionellen Welt der Bayern-Superstars ist Alexej, seit er vor einem halben Jahr zum ersten Mal auftauchte, ein Reibungspunkt. Ohne Scheu spricht er jeden an, auch die Profis. Anfangs wusste niemand so recht, wie man mit ihm umgehen sollte. Die Spieler nicht, Ordner und Fans auch nicht. Manch einer war ob Alexejs fehlender Schüchternheit pikiert.

Einzig Trainer Ottmar Hitzfeld hatte von Beginn an keine Probleme im Umgang mit Alexej – er behandelte ihn einfach ganz normal. Wenn der ihm zurief: „Wie viele Runden noch, Trainer?“, antwortere Hitzfeld gelassen: „Noch vier!“ oder: „Hast genug, kannst aufhören!“ Gestört fühlte sich Hitzfeld nie.

So gehörte Alexej irgendwann einfach dazu. Manche Spieler grüßten (Ottl), andere lachten mit ihm (Poldi), andere nahmen ihn gar nicht groß wahr (Toni). Jeder, wie es seinem Naturell entspricht. Und Alexej war glücklich. Beinahe schien es, als sei er selber ein Star. Zumindest hatte er das Gefühl. So kam es, dass er besonders hübschen Mädchen auch mal anbot: „Wenn du morgen wieder kommst, kriegst du auch ein Autogramm von mir.“ Danach drehte er weiter seine Runden um den Trainingsplatz der Profis.

Doch mit einem auf den anderen Tag änderte sich alles. Denn als er vor ein paar Wochen auf das Gelände wollte, sagten die Ordner plötzlich nicht mehr „Servus“, sondern: „Stop!“ Alexej verstand die Welt nicht mehr. Er hatte doch niemandem etwas getan. Aber die Ordner hatten die Anweisung: Alexej kommt nicht mehr rein.

Doch so leicht ließ er sich nicht abwimmeln. Auch am nächsten Tag kam er wieder. Und weil er nicht aufs Gelände durfte, lief er halt auf dem Gehweg davor. Auf und ab. Ein ums andere Mal. Dazwischen ein paar Dehnübungen, Rumpfkreisen, Liegestütze. Immer wieder lugte er sehnsüchtig durch die Auffahrt zu den Profis rüber. Und wenn jemand zurückschaute, rief er: „Sechste Runde!“ Doch wer genau hinschaute, der bemerkte: Alexej war traurig. Sehr traurig.

Auch Ottmar Hitzfeld bemerkte, dass Alexej nicht mehr da war. Als der Trainer den Grund erfuhr, war er sehr verärgert. Und sorgte sofort dafür, dass die Anweisung aufgehoben wurde. „Solange ich hier bin, darf er hier immer aufs Gelände. Egal, ob öffentliches Training oder nicht-öffentliches!“, sagte Hitzfeld zur tz und wies die Ordner an, dies zu beachten. Seine Begründung: „Er ist ein ganz netter, freundlicher Kerl. Er dreht hier jeden Tag seine zehn, zwanzig Runden. Das stört ja nicht. Wenn das sein ganzer Lebensinhalt ist, dann macht das doch niemandem etwas. Wenn jetzt jemand hier stehen würde und pöbeln würde, wäre es etwas anderes.“

Überhaupt hat sich der Trainer geärgert, wie mit Alexej umgegangen wurde. „Es hat mich schon einige Male gestört, wie er hier behandelt worden ist. Denn er hat sich uns gegenüber immer anständig benommen“, sagte Hitzfeld. Also nahm der Trainer seinen großen Fan in Schutz.

Der darf jetzt wieder direkt am Trainingsplatz seine Runden drehen, seinen Idolen ganz nahe sein. Hitzfeld wird wieder Anweisungen geben, wieviele Runden er noch laufen muss. Und wenn Hitzfeld dann nach Hause fährt, wird Alexej wie immer rufen: „Alles Gute, Trainer!“

Quelle: tz

Quelle: tz

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