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"Der Spieler hat nicht nichts gemacht"

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Franck Ribéry geriet mit Ja-Cheol Koo aneinander © M.I.S.

München - Franck Ribéry ist gegen den FC Augsburg vom Platz geflogen. DFB-Vize Koch sagt im Interview mit dem Münchner Merkur über den Fall: Es kann nur darum gehen, wie lang die Sperre ausfällt.

Koch: Karl-Heinz Rummenigge fordert, dass Rotsünder Franck Ribéry wie kürzlich der Dortmunder Marcel Schmelzer vom DFB freigesprochen wird. Wir fragten bei Dr. Rainer Koch, DFB-Vize und früherer Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, nach.

Herr Koch, wie steht der DFB zu dem Vorstoß?

Koch: Es gibt weder ein spezielles Recht (Lex) für Borussia Dortmund noch für den FC Bayern, sondern nur das für alle Vereine gleiche Fußballrecht von DFB und FIFA. Ein Freispruch für einen Spieler von Dortmund begründet keinen Anspruch auf einen Freispruch für einen Bayern-Spieler. Nicht jeder Fall ist gleich.

Was sind die Unterschiede zwischen den Fällen Ribéry und Schmelzer?

Koch: Man muss Feldverweise, bei denen wie im „Fall Schmelzer“ überhaupt kein regelwidriges Verhalten vorliegt, unterscheiden von Feldverweisen, denen eine Regelwidrigkeit zu Grunde liegt. Ein Freispruch ist nur dann möglich, wenn der Schiedsrichter sich offensichtlich und zweifelsfrei geirrt und der Spieler sich tatsächlich regelkonform verhalten hat. In Fallkonstellationen, in denen der Spieler nicht nichts gemacht hat, lässt sich mal streiten, ob eine Ermahnung, Gelb oder Rot die angemessene persönliche Strafe ist. Um jedoch einen stets wiederkehrenden Streit um die Rechtmäßigkeit bei Rot zu vermeiden, ordnet das Fußballrecht grundsätzlich eine Mindestsperre von einem Spiel nach einem Feldverweis an. Gerade der in jüngster Zeit immer wieder eingeforderte Respekt gegenüber unseren Schiedsrichtern muss es gebieten, deren Bewertungen zu respektieren. Vor dem Sportgericht kann es deshalb bei Roten Karten wie im Fall von Ribéry, der seinem Gegner ja ohne Zweifel regelwidrig ins Gesicht gefasst hat, nur darum gehen, wie lang die Sperre ausfällt.

Fürchten Sie künftig öfter solche Vorstöße, da der „Fall Schmelzer“ eine gewisse Tür geöffnet hat?

Freisprüche bzw. Verfahrenseinstellungen vor dem Sportgericht sind auf Grund der besonderen, von mir genannten Voraussetzungen sehr selten. In den letzten zehn Jahren gab es die keine fünf Mal.

Zur Straftat und zum Strafmaß im Fall Ribéry: Womit ist zu rechnen – fließt in die Bewertung mit ein, dass es sich um eine vergleichsweise kleine Tätlichkeit gehandelt hat?

Koch: Unsere Sportgerichte sind in ihrer Entscheidung völlig unabhängig, an Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Das Sportgericht muss nach Anhörung des Schiedsrichters und des FC Bayern sowie Betrachtung der Fernsehbilder klären, wie schwer das Vergehen war, ob nur ein unsportliches Verhalten oder eine Tätlichkeit vorliegt, ob eine Provokation des Gegenspielers vorausgegangen ist. Danach wird es eine angemessene Strafe aussprechen.

Jupp Heynckes hat wegen des nicht gegebenen Tors von Anatoli Timoschtschuk dafür plädiert, dass der Vierte Offizielle einen Monitor hat, um bei solchen Situationen einzuspringen. Realistisch?

Koch: Nach den derzeit weltweit gültigen Bestimmungen der FIFA ist der Videobeweis während des Spiels grundsätzlich nicht zugelassen. Das bedeutet, dass auch dem Vierten Offiziellen ein Monitor nicht zur Verfügung steht.

Interview: Andreas Werner

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