FC-Bayern-Aufsichtsrat

Stoiber stärkt Hoeneß

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Edmund Stoiber (links) und Uli Hoeneß am 1. Mai in Barcelona beim CL-Halbfinale der Bayern gegen Barca.

München - Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der im Aufsichtsrat des FC Bayern München sitzt, will im Fall Hoeneß die gerichtliche Klärung abwarten. Er meint: Die Mehrheit der Fans steht hinter Hoeneß.

Seit Dienstag steht fest: Im Steuerstrafverfahren ist Anklage erhoben gegen Uli Hoeneß, es wird aller Voraussicht nach zum Prozess kommen. Doch wie wenig der Ausgang des Verfahrens vorhergesagt werden kann, so wenig lässt sich die Frage eindeutig beantworten, ob Hoeneß weiter als Präsident des FC Bayern und Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG tragbar ist.

Edmund Stoiber zumindest hat Stellung bezogen in dieser Frage, hat sich in unserer Zeitung geäußert und ist Hoeneß dabei indirekt zur Seite gesprungen. Der frühere Ministerpräsident, der im Aufsichtsrat sitzt, erinnerte an die „besondere Struktur“ des Vereins, die mit einem DAX-Unternehmen nicht gleichgesetzt werden könne. „Bei allen Erwägungen ist auch zu berücksichtigen, dass die FC Bayern AG zu über 80 Prozent dem Verein und damit den Mitgliedern gehört. Die haben Uli Hoeneß in den Aufsichtsrat entsandt. Ihre Sprechchöre in London, Berlin und München waren nicht zu überhören“, so Stoiber. „Es bleibt abzuwarten, zu welchem Ergebnis die gerichtliche Klärung dieses Falls und dieser Selbstanzeige kommt.“

Als Hoeneß sein Aufsichtsratsamt vor wenigen Wochen zur Disposition stellte, lehnte das Gremium das Angebot ab. Obwohl sich die Vorstände der DAX-Unternehmen Audi und Adidas damit angreifbar machen, stehen sie offensichtlich zu Hoeneß.

Geäußert zum brisanten Steuerfall hat sich gestern auch Horst Seehofer. „In der Angelegenheit Hoeneß gehen wir streng rechtsstaatlich vor: Es gibt keine politische Einflussnahme. Dieses Verfahren ist der Politik nicht zugänglich. Es darf keinen Malus und keinen Bonus geben“, sagte der Bayerische Ministerpräsident. „Ich habe einen vernünftigen Umgang mit Uli Hoeneß. Daran wird sich auch nichts ändern. Ich schätze seine riesigen Leistungen, die er für Bayern und den FC Bayern erbracht hat.“

Bei der Beurteilung des Prozess-Ausgangs könnte eine entscheidende Rolle spielen, dass Richter Rupert Heindl für das Urteil zuständig sein wird. Ein Mann, der allgemein als strenge Instanz gilt, die auch einmal einen rauen Ton anzuschlagen pflegt.

Seit knapp einem Jahr steht Heindl der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II vor. Früher fungierte er als Beisitzer von Martin Rieder, der inzwischen Vorsitzender des Schwurgerichts ist. Die Schule Rieders hält recht wenig von Absprachen abseits des Prozesses, Heindl führt diese Linie fort. „Sie können uns alles erzählen, aber wir müssen nicht alles glauben“, lautet das Credo. Der Vorsitzende Richter gilt als einer, der viel nachfragt, das Detail schätzt, in der Tiefe wühlt.

Vermutlich keine falsche Vorgehensweise in der Causa Hoeneß. Diese nämlich als unübersichtlich zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. In Justizkreisen wird gemauert wie nie. Dürre sechs Sätze zählte gestern die Pressemitteilung des Gerichts zur Einleitung des „Strafverfahrens gegen Ulrich H. wegen Steuerhinterziehung“.

Generell verweist man auf die Geheimhaltungspflicht, die in Steuerstrafverfahren besonders streng gehandhabt wird. Frühestens Ende September sei mit einer Entscheidung des Gerichts zu rechnen, ob die Anklage zugelassen und ein Prozess angestrengt wird, hieß es. Die Ermittlungsakten hätten beträchtlichen Umfang, die Verteidigung hat zunächst einen Monat Zeit, sich zu äußern.

Hoeneß schweigt, die Justiz mauert – das Motto lautet: Zunächst einmal abwarten. Die Fakten sind: Da es zu einer Anklage gekommen ist, dürfte die Selbstanzeige von Hoeneß den Ansprüchen nicht genügt haben. Nun geht es darum, wie hoch die Steuerschuld ist (sie soll sich zwischen einer Million und 3,2 Millionen Euro bewegen) und unter welchen Umständen Hoeneß die Selbstanzeige eingereicht hat. Er hatte wohl im Januar einen Wink bekommen, dass ein Reporter des „stern“ bei der Schweizer Vontobel Bank, wo Hoeneß ein Konto unterhielt, recherchiere. Selbstanzeigen, die unter dem Druck des Entdeckungsrisikos abgegeben werden, gelten unter Umständen als wertlos.

Die Höhe des Strafmaßes hängt von etlichen Parametern ab. Es gibt einen Hinweis des Bundesgerichtshofes, dass eine Steuerschuld jenseits der Eine-Million-Euro-Marke stets mit Gefängnis zu ahnden wäre. Allerdings wird auch berücksichtigt, wie geständig und reuig sich der Angeklagte zeigt, wie seine Sozialprognose ausfällt und ob er durch Vorstrafen belastet ist. In besonders schweren Fällen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Gerüchten zufolge sind bei Hoeneß zwei Jahre auf Bewährung plus 720 Tagesssätze als Strafmaß im Gespräch. Möglicherweise ist ein Teil der Steuerschulden verjährt.

Andreas Werner, Nina Gut, Mike Schier und Christian Deutschländer

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