Ex-Löwe und jetziger U23-Trainer Danny Schwarz im Interview

FC Bayern II mit Stars im Derby? „Wir halten uns alle Optionen offen“

Danny Schwarz will den Einsatz von Bayern-Stars bei der U23 im Endspurt nicht ausschließen.
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Danny Schwarz will den Einsatz von Bayern-Stars bei der U23 im Abstiegskampf nicht ausschließen.

Der FC Bayern II muss das Derby gegen den TSV 1860 gewinnen. Trainer Schwarz schließt im Abstiegskampf der 3. Liga Unterstützung aus dem Profi-Kader nicht aus.

München – Gleich zweimal stand er beim TSV 1860 unter Vertrag (2002 bis 2004 und 2006 bis 2009): 104 Spiele bestritt er im Löwen-Trikot. Seither ist Danny Schwarz, 46, für den FC Bayern* tätig, zunächst als Spieler der Reserve, seit 2012 als Trainer im Nachwuchs des Rekordmeisters – und jetzt, im Drittliga-Endspurt, für die vom Abstieg bedrohte U 23 (zusammen mit Martin Demichelis). Unser Interview vor dem brisanten Drittliga-Derby an diesem Sonntag (14 Uhr).

Herr Schwarz, der Vorjahresmeister steht vor dem Abstieg aus der 3. Liga. Wie konnte es so weit kommen?

Ich kann nur die Phase beurteilen, für die wir jetzt zuständig sind. Und da kann ich nur sagen: Uns fehlt einfach mal ein dreckiger Sieg. Wenn ich nur an unser Spiel in Zwickau (1:1) denke, wo wir in der 96. Minute noch den Ausgleich kassieren, nachdem wir davor zwei Hundertprozentige liegen lassen: Das sind die Punkte, denen wir hinterherlaufen. Dadurch sind wir immer noch in dieser Abwärtsspirale und mit jedem ausbleibenden Erfolgserlebnis geht es noch mal einen Schritt tiefer. Das gipfelte im Spiel gegen Unterhaching (1:2), wo auch diese Lähmung und die kiloschweren Klötze an den Beinen erkennbar waren.

FC Bayern II: „In unserer derzeitigen Phase ist weniger oft auch mehr“

Sie waren ja selbst lange Profi, sind seit fast zehn Jahren Trainer. Wie vermittelt man einer Mannschaft Selbstvertrauen, die seit zehn Spielen nicht mehr gewonnen hat?

Darüber könnte man wohl ein Buch schreiben. Fragen Sie zehn Trainer – und Sie werden zehn verschiedene Ansätze bekommen. Die Wahrheit liegt letztlich auf dem Platz, Erfolgserlebnisse muss ich mir im Training erarbeiten, die fallen einem nicht in den Schoß. Dafür muss ich das Spiel so einfach wie möglich halten: Kleine Schritte machen, von einem gewonnenen Zweikampf, einem gelungenen Abschluss oder einer herausgeholten Ecke zur nächsten Aktion.

Die Konkurrenz aus Meppen und Uerdingen legt am Wochenende vor, Sie wissen also schon vor Anpfiff, welches Ergebnis nötig sein wird, um im letzten Spiel zumindest noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Vorteil oder zusätzliche psychologische Belastung?

Manchmal ist das Nichtwissen von Ergebnissen von Vorteil. Es ist aber die Realität, der müssen wir uns stellen. Wir haben ja auch am Sonntag zur Halbzeit mitbekommen, dass Meppen verloren hat. Das hat aber trotzdem nicht, wie erhofft, für die zweite Luft gesorgt. Ich glaube, in unserer derzeitigen Phase ist weniger oft auch mehr – vor allem, was Informationen und Einflüsse von außen betrifft.

TSV 1860 gegen FC Bayern II - Schwarz: „Für beide Mannschaften steht viel auf dem Spiel“

Ins Derby gehen Sie mit Ihrer Mannschaft als Außenseiter, diese beiden Spiele sind ohnehin jede Saison Höhepunkte. Könnte das helfen, die komplizierte Tabellensituation ein Stück weit auszublenden?

Das stimmt wohl. Die Tabellensituation ist in einem Derby oft sekundär. Der Fußball schreibt halt manchmal solche Geschichten: Für beide Mannschaften geht es um alles. Ob das jetzt ein Vor- oder Nachteil ist, ist spekulativ. Wir tun gut daran, alle Nebenkriegsschauplätze auszublenden und uns dieser Herausforderung zu stellen.

Was erwarten Sie für ein Spiel am Sonntag?

Ich kann mir schon vorstellen, dass die Löwen versuchen werden, unsere Situation auszunutzen und von Anfang an zeigen wollen, wer der Herr im Haus ist. Auf das werden wir die Jungs vorbereiten. Sechzig hat einen positiven Druck, wir einen negativen. Wichtig wird sein, dass wir unserem Plan treu bleiben, dass unser Fokus da ist, unsere Bereitschaft, unsere Frische, sowohl in den Beinen als auch im Kopf. Aber auch Sechzig hat mittlerweile was zu verlieren. Keine Frage: Für beide Mannschaften steht viel auf dem Spiel.

FC Bayern II: U23-Trainer Danny Schwarz hat keinen Kontakt mehr zu Ex-Verein TSV 1860

Sie waren als Spieler ja sogar zweimal bei 1860. Gibt es heute noch Kontakte dorthin?

Nein, gar nicht. Es ist schon zwölf Jahre her. Und zwölf Jahre sind in einem Fußballerleben wie 70 Jahre im normalen Leben. Zu Biero (Daniel Bierofka, die Red.) hatte ich früher immer wieder noch Kontakt, aber der ist ja jetzt auch in Innsbruck. Man verliert sich oft ein bisschen aus den Augen.

Kommen wir zu den sportlichen Details: Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen bei 1860?

Das ist eine eingespielte Truppe, die zuletzt auch spielerisch ihre Linie gefunden hat. Dazu kommt mit Sascha Mölders ein Leader und Goalgetter, der trotz seines hohen Alters vorne weg marschiert. Ein kleiner Vorteil könnte sein, dass sie jetzt auch zu grübeln anfangen und nicht so recht wissen, was sie am Sonntag erwartet. Wir sind angeknockt, aber man weiß ja auch: Angeknockte Gegner können gefährlich sein.

Verstärkung von den Profis des FC Bayern für die U23? „Wir halten uns alle Optionen offen“

Was würde ein Abstieg für die Nachwuchsarbeit des FC Bayern bedeuten?

Die 3. Liga ist eine sehr enge und ausgeglichene Liga, auch deshalb war uns allen trotz der Meisterschaft und dem daraus bedingten Umbruch klar, dass es für uns nur um den Klassenerhalt geht. Es geht in erster Linie darum, unsere Jungs weiterzuentwickeln, das müsste dann eine Etage tiefer passieren.

Für die Profis ist die Saison gelaufen. Werden Sie das Gespräch mit Hansi Flick suchen? Oder wollen Sie den Ligaverbleib ohne Verstärkung schaffen?

Wir halten uns alle Optionen offen und sind im Austausch. Es wird in den kommenden Tage sicher Gespräche geben. (Interview: Matthias Horner)

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