Nachwuchsleistungszentrum kostete 70 Millionen Euro

FC Bayern: Die Bilanz nach zweieinhalb Jahren Campus 

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70 Millionen hat der FC Bayern in das neue Nachwuchsleistungszentrum investiert.

Der FC Bayern Campus wurde 2017 eröffnet und ist das Zuhause der Jugendmannschaften des FCB. Doch hat sich die Investition gelohnt? Ein Zwischenfazit zum NLZ des Rekordmeisters.

  • 2017 hat der FC Bayern den Campus für über 70 Millionen Euro eröffnet.
  • Der Verein möchte die Stars der Zukunft auf  dem Gelände an der Ingolstädter Straße selbst ausbilden.
  • Die Richtung beim Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters stimmt nach zweieinhalb Jahren. 

München - Die Säbener Straße kennt jeder deutsche Fußballfan. Sie ist die Heimat der Profis desFC Bayern München. Doch auch die Ingolstädter Straße ist vielen Anhängern inzwischen ein Begriff. Am 1. August 2017 haben die Münchner dort ihr neues Nachwuchsleistungszentrum eröffnet. „Es ist seit vielen Jahren unser Traum, einen solchen Campus zu haben“ sagte der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei der Eröffnung. 

Uli Hoeneß bei der Eröffnung des Campus im August 2017.

Über 70 Millionen investierte der FCB in NLZ

Über70 Millionen Euro hat der FC Bayern Campus den Rekordmeister gekostet. Ab der U9 bis zur U19 trainieren alle Nachwuchsmannschaften des FCB an der Ingolstädter Straße. Der Campus besteht aus acht Fußballfeldern und beinhaltet eine Spielstätte. Dort bestreiten die U17, die U19 und das Frauen-Bundesliga-Team die Heimspiele. Für den ehemaligen Bayern Präsident Uli Hoeneß ist der Campus die Antwort auf den Transferwahnsinn und die damit verbundenen hohen Ablösesummen. „Wir wollen zu den Top Fünf Nachwuchsleistungszentren in Europa gehören“ sagte NLZ-Leiter Jochen Sauer kurz nach der Eröffnung des Campus.

Doch hat sich die Eröffnung des NLZs für den Rekordmeister gelohnt? Ein Blick auf die Entwicklung der älteren Nachwuchsteams seit dem Umzug auf das neue Gelände im Münchner Norden. 

U17: Verheißungsvolle Talente im Anmarsch

Die U17 des Rekordmeisters spielt in der Bundesliga Süd/Südwest. WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose ist in seiner zweiten Saison Trainer der B-Junioren. Der Weltmeister von 2014 steht mit seiner Mannschaft nach 21 Spielen mit fünf Punkten auf Rang drei. In den letzten vier Jahren war die U17 jeweils Staffel-Meister, im Sommer 2017, kurz vor der Campus-Eröffnung, gewann das Team - damals unter dem ehemaligen VfB-Coach Tim Walter - sogar die Deutsche Meisterschaft durch einen 2:0-Sieg im Grünwalder Stadion gegen Werder Bremen. 

Einigeverheißungsvolle Talente sind in der Klose-Elf am Ball. Spieler wieLuca Denk oder Angelo Brückner absolvierten in jungen Jahren schon viele Länderspiele in den U-Mannschaften desDFB und könnten zu Topspieler reifen. Besonders talentierte Spieler wie beispielsweise Joshua Zirkzee wurden frühzeitig in die nächsthöheren Teams nach oben gezogen. 

Im NLZ gibt es 35 Appartements und es wohnen Spieler verschiedener Nationen auf dem Gelände. Liam Morrison kam beispielsweise 2019 von Celtic Glasgow zu den Bayern und hat sich mit 14 Einsätzen in dieser Saison gut an der Isar akklimatisiert.

U19: Nachwuchs empfiehlt sich für die zweite Mannschaft

Die Elf von Ex-Abwehrstar Martin Demichelis kickt natürlich auch in der Bundesliga Süd/Südwest. Im Moment dominiert das Nachwuchsteam die Staffel nach belieben und grüßt vonTabellenplatz eins. Die Münchner haben vier Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten VfB Stuttgart und zusätzlich noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Erst zwei Niederlagen kassierte die U19 des Rekordmeisters in dieser Spielzeit. In der Youth League spielten die A-Junioren die beste Gruppenphase aller Teilnehmer. Im Achtelfinale schied das Team allerdings nach einemharten Kampf im Elfmeterschießen gegen Dynamo Zagreb aus

Das Team ist gespickt mit talentierten Fußballern, die oft schon in derzweiten Mannschaft eingesetzt werden. Angelo Stiller erkämpfte sich nach der Winterpause einen Stammplatz bei der U23. Der 18-Jährige war in der Hinrunde noch für die U19  am Ball. Auch Spieler wie Batista-Meier oder Joshua Zirkzee haben sich von der U19 nach oben gekämpft. 

FC Bayern II: Top-Talente begeistern in der 3. Liga 

Durch die Corona-Pause wurde leider der starke Lauf der zweiten Mannschaft  ausgebremst. Die Bayern-Reserve spielt „den attraktivsten Fußball der 3. Liga“ lobte zuletzt Großaspach-Trainer Hans-Jürgen Boysen nach der 0:2-Niederlage im Grünwalder Stadion. Die Elf von Sebastian Hoeneß stieg unter Vorgänger Holger Seitz vergangene Saison aus der Regionalliga auf. Viele Spieler wie beispielsweise Hoffmann, Früchtl oder auch Mai waren bereits in den Junioren-Mannschaften erfolgreich.

Neuzugänge wie Sarpreet Singh oder Leon Dajaku verstärkten den Kader vor der Saison genauso wie Fiete Arp oder Mickael Cuisance, die in der 3. Liga Spielpraxis sammeln. Auch Alphonso Davies musste sich erst in der zweiten Mannschaft beweisen und wurde dann zu einer Stammkraft bei der ersten Mannschaft.

FC Bayern München: Das warten auf einen neuen Alaba hält an

„Es bleibt das große Ziel, Spieler für unsere Profimannschaft auszubilden“ sagt NLZ-Leiter Jochen Sauer. Ein neuer Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder David Alaba fehlt zwar noch, aber einige junge Spieler haben das Sprungbrett genutzt. Der zum Außenverteidiger umgeschulte Alphonso Davies empfahl sich durch starke Leistungen und ist inzwischen Stammspieler. Stürmer Joshua Zirkzee (18) ist seit 2017 in München und durch drei Treffer in fünf Bundesliga-Spielen in die Rolle des Lewandowski-Backups hinein gewachsen. 

Fazit: Die Richtung stimmt

Haben die Millionen-Investitionen Früchte getragen? Der Sprung zu den Stars ist groß. Auch nach drei Jahren hat sich bis auf Davies, der erst seit Januar 2018 in München ist, zehn Millionen gekostet hat und ohnehin für die Profis vorgesehen war, kein Jugendspieler bisher einen Stammplatz erkämpfen können. 

Hoffen dürfen die Fans trotzdem, den in den Jugendmannschaften sind einige  Top-Talente, die mittelfristig eine Verstärkung für die erste Mannschaft werden könnten. Mit dem FC Bayern Campus ist der Rekordmeister auf dem richtigen Weg. Uli Hoeneß glaubt zwar, dass durch die Coronakrise der Wahnsinn bei den Ablösesummen wieder zurückgeht, trotzdem sind selbst ausgebildete Stars auch in Zukunft die günstigste und beste Investition. 

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