Samstag Auftakt im Pokal

Frauen des FC Bayern starten die Titeljagd! Lohmann: „Wenn uns etwas stoppen kann, dann wir selbst“

Sydney Lohmann sprintet in einem Zweikampf davon
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Sydney Lohmann (rechts) führt mit dem FC Bayern souverän die Frauen-Bundesliga an.

Die Frauen des FC Bayern starten Samstag in die Rückrunde. Sydney Lohmann verrät im tz-Interview, was ihr Team auf dem Weg zur Meisterschaft aufhalten kann.

  • Sydney Lohmann (20) und die Frauen des FC Bayern starten am Samstag mit dem Pokal-Achtelfinale ins Jahr 2021.
  • Im tz-Interview vor dem Auftakt spricht die Nationalspielerin über den großen Meister-Traum.
  • Außerdem verrät Lohmann, was es mit ihrer ungewöhnlichen Rückennummer auf sich hat.

München - Die Frauen des FC Bayern starten ihre Titel-Jagd. Auftakt ist am Samstag (15.30 Uhr, Magenta) im Pokal-Achtelfinale beim Hamburger Regionalligisten Walddörfer SV. Vorab spricht Senkrechtstarterin Sydney Lohmann (20) im tz-Interview über den Meister-Traum und ihre sagenhafte Hinrunde.   

Frau Lohmann, wie fühlen Sie sich – Beine schwer nach der Vorbereitung oder sind die Akkus wieder voll aufgeladen?
Lohmann: Der Akku ist auf jeden Fall aufgeladen, aber die Beine sind schon wieder etwas schwerer. Das ist in der Vorbereitung normal. Wir steuern es so, dass wir zum Pokalspiel topfit sind. Wir haben gut trainiert bisher, sind alle auf einem guten Fitnesslevel. Es kann wieder losgehen!
Wie gut tat die rund einmonatige Spielpause?
Lohmann: Sie tat sehr gut. Ich freue mich jedes Jahr sehr auf die Winterpause und darauf, heim zur Familie zu fahren. Gerade im Jahr 2020 war die Auszeit durch die verlängerte Saison und die vielen Spiele in kurzer Zeit bitter nötig. Jetzt freue mich aber genau so drauf, dass es wieder losgeht.
Am Samstag starten Sie in den Rückrunde – mit dem Achtelfinale beim Regionalligisten Walddörfer SV. Wie hoch haben Sie im Team die Ziele gesteckt?
Lohmann: Unser Ziel ist es auf jeden Fall, Titel zu gewinnen. In der Meisterschaft stehen wir sehr gut da, es wird aber noch mal eine harte Rückrunde mit zehn Spielen. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Im Pokal sind es relativ wenig Spiele bis zum Finale – und das wollen wir auf jeden Fall erreichen. Dann ist alles möglich. In der Champions League wissen wir noch nicht, wer unser nächster Gegner ist. Aber wir wissen um unsere Qualitäten und auch, dass wir gegen jeden Gegner mitspielen können.

FC Bayern: „Wir müssen in der Champions League etwas cooler bleiben“

Wie sehr hilft die perfekte Bundesliga-Hinrunde (zwölf Siege in zwölf Spielen) mit Blick auf die Champions League?
Lohmann: Die Champions League hat noch mal ein anderes Flair. Es war gut, dass wir im letzten Sommer mit dem Viertelfinale gegen Olympique Lyon einen echten Härtetest hatten. Da haben wir schon gesehen, dass wir auf Augenhöhe mitspielen können, aber auch, wo unsere Grenzen sind. Wir waren keinesfalls weit unterlegen, müssen in solchen Spielen aber noch mutiger auftreten und mehr Spielkontrolle haben. Außerdem müssen wir unsere Torchancen, die es nicht so oft gibt wie in der Bundesliga, ausnutzen. Wir müssen in der Champions League etwas cooler und abgeklärter bleiben.
Der FC Bayern liegt in der Bundesliga fünf Punkte vor Wolfsburg. Was soll Sie noch stoppen auf dem Weg zur ersten Meisterschaft seit 2016?
Lohmann: Wenn uns etwas stoppen kann, dann wir selbst. Wir haben es in der Hand, aber wir dürfen gar nicht anfangen, jetzt schon ans Saisonende und den Titel zu denken. Wir wissen genau: Wenn wir unser Ding durchziehen und weiter so diszipliniert arbeiten, liegt es nur an uns.
Inwiefern wächst der Druck auf das Team, wenn es plötzlich etwas zu verspielen gibt?
Lohmann: So ein Fünf-Punkte-Vorsprung hat zwei Seiten: Zum einen gibt er einem das Ruhe, aber man weiß auch, dass jeder Gegner einen schlagen und einem ein Bein stellen will. Wolfsburg ist jetzt in der Position, dass sie nichts mehr zu verlieren haben. Und wir müssen den ersten Platz verteidigen.

FC Bayern: So arbeitete Sydney Lohmann an ihrer Torgefährlichkeit

Hatten Sie in der einmonatigen Spielpause mal die Zeit, das letzte Halbjahr sacken zu lassen? Sie kommen in elf Liga-Spielen auf neun Tore und vier Vorlagen.
Lohmann: Ja, damit habe ich absolut nicht gerechnet. Ich hatte in der Saison zuvor gar nicht getroffen und das hat mich geärgert. Also habe ich mir vorgenommen, torgefährlicher zu werden. Es ist jetzt schon ziemlich gut gelaufen. (lacht) Das kommt aber nicht von alleine. Die Mitspielerinnen unterstützen mich, ich stand oft richtig - und das Momentum hat einfach gepasst.
Wie haben Sie an Ihrer Torgefährlichkeit gearbeitet?
Lohmann: Ich habe nach dem Training immer mal wieder eine Extra-Schicht eingelegt und Torschuss geübt oder mich in den Spielformen etwas mehr auf den Abschluss konzentriert.
Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung abseits der Tore?
Lohmann: Ich habe viel Spielzeit bekommen, spüre das Vertrauen des Trainerteams und der Mannschaftskolleginnen. Es ist mein drittes Jahr in der Bundesliga und ich habe das Gefühl immer besser reinzukommen, meinen Rhythmus zu finden.

FC Bayern: „Ich bin noch keine Weltklasse-Spielerin“

Sie haben mit gerade einmal 20 Jahren eine beachtliche Entwicklung hinter sich. Müssen Sie sich manchmal kneifen, wenn Sie zurückblicken?
Lohmann: Ich nehme es, so wie es ist. Ich freue mich, Teil der Mannschaft und des FC Bayern zu sein. Ich fühle mich im Verein sehr wohl, meine Familie wohnt nicht weit weg. Ich versuche, Gedanken wie „Du musst mehr spielen, du musst mehr Tore schießen“ gar nicht aufkommen zu lassen. Ich versuche, am Boden zu bleiben und so weiterzumachen wie bisher. Wenn man sich an den Weihnachtstagen mit den Eltern unterhält, sind die natürlich sehr stolz. Mir selbst aber ist die Entwicklung gar nicht so bewusst, weil ich ja jeden Tag daran arbeite.
Ihr Trainer Jens Scheuer sagt Sie werden „definitiv eine Spielerin von Weltklasse“. Was machen solche Aussagen mit Ihnen?
Lohmann: Natürlich freut es mich, so etwas vom Trainer zu hören. Andererseits möchte ich solche Aussagen gar nicht groß an mich ran lassen. Fakt ist: Noch bin ich keine Weltklasse-Spielerin. Für mich ist es aber ein großer Ansporn, dass mir die Personen beim FC Bayern so sehr vertrauen und mich auf dem Weg unterstützen. Ich möchte in jedem Training und an jedem Spieltag etwas zurückgeben.
Es heißt, sie würden nicht zweifeln – nicht an sich selbst, nicht am Spielverlauf. Wie kommt's?
Lohmann: Ich kann nicht genau sagen, woher das kommt. Aber meine Eltern waren früher nicht die, die bei jedem Spiel am Rand standen und mich angefeuert haben. Sie waren nicht extrem ehrgeizig, sondern haben gesagt, dass ich so lange Fußball spielen soll, wie ich möchte. Fußball war mein Hobby, ich hatte Leidenschaft dafür. Und so ist es heute noch. Ich bin der Überzeugung, dass der Kopf eine ganz große Rolle spielt. Ich sage mir immer wieder: Es bringt nichts, an mir oder der Mannschaft zu zweifeln. Lass die Dinge kommen und mach das Beste draus.

FC Bayern: Das steckt hinter Sydney Lohmanns Rückennummer

Wenn man Ihre Instagram-Beiträge anschaut, sind Sie jemand, der gerne mal wandert, auf dem Snowboard oder dem Rad abschaltet. Wie sehr fehlt Ihnen dieses Kopf-frei-bekommen aktuell?
Lohmann: Ich schalte auf andere Art und Weise ab. Man kann trotz Corona noch spazieren gehen oder Fahrrad fahren. Ich probiere daheim aber auch andere Dinge aus. Ich will Gitarre lernen, habe angefangen zu backen und koche gerne. Ich komme gut mit mir selbst zurecht und genieße die Ruhe auch ein Stück weit.
Sie sind schon Teil des Mannschaftsrats. Von außen betrachtet sind Sie die perfekte Kapitänin der Bayern-Zukunft. Wie klingt das für Sie?
Lohmann: Der Trainer hat mit mir schon ein Gespräch geführt und mir gesagt, dass ich auf und neben dem Platz mehr Verantwortung übernehmen soll. Ich habe im Mannschaftsrat schon einige Aufgaben, versuche mich im Sinne der Mannschaft innerhalb des Vereins für den Frauenfußball einzusetzen. Daran wachse ich und eigne mir an, Verantwortung zu übernehmen. Was mal kommt, kann ich nicht sagen.
Sie haben vor kurzem bis 2024 beim FC Bayern verlängert. Inwiefern könnten Sie sich vorstellen, für nur einen Klub zu spielen?
Lohmann: Ich bin 20 Jahre alt, deshalb kann ich das heute schwer beantworten. Ich fühle mich jeden Tag wohler beim FC Bayern. Ich liebe den Verein und die Mannschaft. Für mich passt es perfekt – auch bis 2024. Ich sehe hier in München die Perspektive, etwas aufzubauen und Titel zu gewinnen.
Zum Abschluss: Wie kommt's zu Ihrer ungewöhnlichen Rückennummer 12?
Lohmann: In meinem ersten Jahr beim FC Bayern waren nur noch ein paar Nummern frei. Ich hätte gerne die Acht gehabt, die war aber bereits vergeben. Eine Freundin hat mir dann zur Nummer 12 geraten und ich habe sie genommen, auch weil ich nie so großen Wert auf Rückennummern gelegt habe. Jetzt will ich sie aber nicht mehr wechseln, die Nummer hat nicht jeder. Thierry Henry und Marcelo hatten sie zum Beispiel – und das sind ja ganz gute Vorbilder.

Interview: Jonas Austermann

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