Nach zwei Zu-Null-Siegen in Serie

FC Bayern mauert sich zum Erfolg: Ist Kovacs Taktik Bayern-like? Pro & Contra des Spielstils

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Bayern-Trainer Niko Kovac setzt auf eine starke Defensive.

Der Fokus von Niko Kovac liegt aktuell verstärkt auf der Abwehr des FC Bayern. Das 0:0 gegen Liverpool und das 1:0 gegen die Hertha sprechen für diese Taktik. Ein Pro & Contra von zwei FCB-Experten der tz. 

Es läuft die Nachspielzeit in der Allianz Arena. Die Bayern führen gegen die Berliner Hertha mit 1:0, nur noch ein paar Minuten trennen die Münchner von ihrem dritten Ligaerfolg in Folge. Grund genug für James Rodríguez, sich bei einer Ecke in der 91. Minute ganz besonders viel Zeit zu lassen. So viel, dass der Kolumbianer vom Unparteiischen die Gelbe Karte wegen Zeitspiel sieht. Als er den Eckball schließlich ausführt, geht lediglich Robert Lewandowski zum Leder – der Rest konzentriert sich auf die Verteidigung. Auch Manuel Neuer bleibt ewig auf dem Boden liegen, als er einen Ball fängt. Mit Zeitspiel zum Erfolg – ist das Bayern-like?

Fakt ist: Der Fokus von Niko Kovac liegt aktuell verstärkt auf der Abwehr. Ein Trend, der auch Lewandowski auf den Zeiger geht. Der Pole nach dem Schlusspfiff: „Wenn du zu Hause 1:0 vorne bist und bis zum Ende Angst haben musst, ist das zu wenig. Offensiv war es zu wenig. Wir haben nach vorne zu wenig Unterstützung. In letzter Zeit war es das Wichtigste, dass wir hinten die Null halten. Aber wir müssen auch nach vorne schauen – und manchmal offensiver spielen. Wenn wir zwei Tore geschossen hätten, hätten wir am Ende lockerer spielen können.“

Mit der Mauertaktik zu einem 0:0 in Liverpool und einem 1:0 gegen Hertha. Lässt sich diese Spielweise mit dem Selbstverständnis des FCB vereinbaren? Die tz diskutiert:

Pro: FCB muss nicht päpstlicher sein als der Papst

Dass die Bayern vor nicht allzu langer Zeit noch wie die Engel kickten, ist bekannt. Dass das Selbstverständnis des erfolgreichsten Klubs Deutschlands offensiven, attraktiven und torreichen Fußball voraussetzt, ist ebenso klar. Manchmal muss man als Trainer allerdings intelligent sein und den Zweck über die Mittel stellen – genau wie Niko Kovac im Moment. Der Trainer des Rekordmeisters hat erkannt, dass seine Mannschaft zwar vorne weitestgehend funktionsfähig ist, hinten allerdings oftmals Totalausfälle zu beklagen hat. Und so hat Kovac – verständlicherweise – nach den unzähligen Patzern gegen Düsseldorf, Freiburg & Co. den Fokus auf die Defensivabteilung gelegt. Und siehe da: Plötzlich verlässt der FCB die Anfield Road, ohne auch nur ein Tor kassiert zu haben. Für einen Sieg gegen die Reds reichte es am Ende nicht, gegen die Hertha allerdings schon. Wie predigt Uli Hoeneß immer: Vorne sind wir immer für ein Tor gut. Da die Bayern dank Kovac hinten zudem weniger kassieren, kratzen sie nun wieder an der Tabellenführung. Und muss für einen dreckigen Sieg mal etwas Zeit geschunden werden, ist das nun mal so. Bayern muss ja nicht päpstlicher sein als der Papst.

José Carlos Menzel López

Contra: Zeitspiel? Geht gar nicht!

Zeitspiel in der Champions League gegen Liverpool? Von mir aus. Aber dass der FC Bayern jetzt schon in der heimischen Bundesliga anfängt, eine knappe Führung über die Zeit zu zittern, ist für mich ein absolutes No-Go. Zur Erinnerung: Mit Hertha BSC war am Samstag der Tabellenneunte zu Gast. Da muss man vom deutschen Rekordmeister (zuletzt sechs Titel am Stück) erwarten können, dass er seine neue Mauer-Taktik zumindest geschickt hinter Passstafetten versteckt.

Stattdessen handelt sich James bei einem eigenen Eckball die Gelbe Karte ein. Um ein Zitat des Kolumbianers zu bemühen: „Wir sind doch hier nicht bei Eintracht Frankfurt!“ In München haben Fans und Kritiker den berechtigten Anspruch auf feinen Fußball – der kommt seit Beginn der Ära Niko Kovac oft zu kurz. Die vielen kritischen Stimmen aus der Kurve wird der Bayern-Coach mit plakativem Zeitspiel nicht zum Verstummen bringen.

Umbruch hin oder her: Der Rekordmeister steht für einen Stil, der mit Zeitspiel mal gar nichts zu tun hat. Wenn Kovac jetzt das schmutzige Retten von Vorsprüngen etabliert, sagt das viel aus über die Lage der Dinge. Der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel.

Jonas Austermann

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