Ex-Profi im Interview

Michael Rummenigge: FCB und BVB „auf Augenhöhe“, aber ...

Gegen Borussia Dortmund bekommt es Bayern-Star Jerome Boateng mit Pierre-Emerick Aubameyang zu tun.
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Gegen Borussia Dortmund bekommt es Bayern-Star Jerome Boateng mit Pierre-Emerick Aubameyang zu tun.

München - Er stand einst auf beiden Seiten auf dem Platz – und kennt heute beide Seiten gut. Michael Rummenigge (53) spricht im Interview über das Pokal-Halbfinale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund.

Herr Rummenigge, was hat mehr Spaß gemacht: Mit Bayern gegen Dortmund zu spielen oder andersrum?

Ex-Fußball-Profi Michael Rummenigge mit Ehefrau Carolin.

Michael Rummenigge: Dortmund war ja noch nicht die große Nummer, als ich mit Bayern gegen sie gespielt habe, Anfang der achtziger Jahre. Trotzdem war es immer schön im Westfalenstadion, das war etwas richtig Tolles, weil es eines der wenigen reinen Fußballstadien in Deutschland war. Bei uns im Olympiastadion kam ja nur Stimmung auf, wenn da 50.000 Zuschauer drin waren – und das war bei Weitem nicht immer der Fall. Mit Dortmund in München, da kann ich mich noch lebhaft an mein erstes Spiel erinnern.

Erzählen Sie!

Rummenigge: Das war im Herbst 1988. Raimond Aumann stand im Tor, das Spiel ging 1:1 aus, es war knapp. Norbert Dickel hat das Tor nach einem Pass von mir erzielt. Und in der Nachspielzeit habe ich noch einen Freistoß an die Latte geknallt. Ärgerlich war das!

Eine wie große Nummer ist Dortmund derzeit?

Rummenigge: Eine große, es ist der Clasico schlechthin, den wir nun sehen. Schauen Sie sich das Gefälle in der Bundesliga doch an. Da gibt es zwei Ausreißer Hoffenheim und Leipzig, und ansonsten sind da Dortmund und Bayern. Für Dortmund aber war klar, dass sie dieses Jahr nicht Meister werden müssen. Man ist dort mitten in einem Umbruch. Was nicht heißt, dass man den Bayern in diesem einen Spiel nicht gefährlich werden kann.

Vor dem Halbfinale 2015 haben Sie sich ein Elfmeterschießen gewünscht. Hatten Sie eine Vorahnung?

Rummenigge: Womöglich. Aber dass dann drei Mann die falschen Stollen aufgeschraubt hatten, konnte ich ja auch nicht ahnen (lacht). Auf ein ähnlich enges und spektakuläres Spiel hoffe ich.

Kann der BVB nach dem Bus-Attentat schon wieder frei aufspielen?

Rummenigge: Also erst mal muss man sagen: Die Fans hier sind nicht sauer, dass der Klub aus der Champions League ausgeschieden ist. Man steht zusammen. Das tut der Mannschaft gut. Und jetzt, nachdem man weiß warum? wieso? weshalb?, geht es allen besser. Diese Geschichte ist einfach perfide. Aber Dortmund hat den Turn-Around gegen Gladbach geschafft. Da waren sie über 90 Minuten klar die bessere Mannschaft.

Kann man sich als Ex-Profi in die Situation im Bus hineinversetzen?

Rummenigge: Ich musste in den letzten Wochen oft an einen Vorfall aus meiner Karriere denken. Wir hatten mal mit Dortmund ein UEFA-Cup-Spiel bei Besiktas Istanbul. Als wir mit dem Bus ins Stadion gefahren sind, flogen auf einmal Steine von allen Seiten auf den Bus. Da lagen wir auch alle am Boden. Das ist natürlich nicht vergleichbar mit einem Bombenanschlag, aber da kriegst du schon Angst. Und trotzdem glaube ich, dass so etwas eine Mannschaft auch zusammenschweißen kann. Da entstehen Freundschaften – und das spielt in dem Big Business Fußball auch eine Rolle.

Vor drei Wochen war der BVB den Bayern hoffnungslos unterlegen. Wie viel zählt das noch?

Rummenigge: Nicht viel. Ich sehe für Dortmund bessere Voraussetzungen. Das 4:1 war eine Machtdemonstration des FC Bayern. Da haben die Dortmunder das Spiel mit Blick auf die Partien gegen Monaco abgeschenkt, weil nichts zu holen war. Jetzt sind alle wieder dabei, unter anderem Marco Reus als Kreativposten. Die Ausgangslage hat sich völlig verändert.

Bei den Bayern eher im negativen Sinne.

Rummenigge: Ja, was die Verletzten angeht, sowieso. Im Moment ist ja fast die ganze Abwehr angeschlagen. Und was die Psyche angeht nach dem bitteren Aus in Madrid – da muss ich sagen: Leider. Denn ich gebe meinem Bruder Recht und sage es mit seinen Worten aus dem Fußballervokabular: Das war Beschiss! Real Madrid hat zwei klare Abseitstore geschossen. Die Partie war das beste Spiel, das die Bayern in dieser Saison gemacht haben. Dann lief aber alles gegen sie. Solche Dinge kannst du nicht stoppen.

Pressestimmen zum Real-Sieg: „Beide Tore waren Abseits“

Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
AS: „Cristiano ist Mister Champion“ © Screenshot as.com
Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
Daily Mail: „Real erreicht siebtes Halbfinale in Folge dank Ronaldos Doppelpack in der Verlängerung ... aber BEIDE Tore waren Abseits.“ © Screenshot dailymail.co
Real Madrid gegen FC Bayern
El Mundo: „Cristiano Ronaldo bringt Real Madrid ins Halbfinale der Champions“ © Screenshot elmundo.es
Real Madrid gegen FC Bayern
El Pais: „Cristiano befreit Madrid und eliminiert Bayern“ © Screenshot elpais.com
Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
Marca: „Cristiano, König von Europa“ © Screenshot marca.com
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Real Madrid gegen FC Bayern
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Real Madrid gegen FC Bayern
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„Für Bayern ist das Spiel entscheidend“

Kann Dortmund Bayern die Saison vermiesen?

Rummenigge: Ja, das kann passieren. Meister werden sie, aber das Pokalfinale – und das Double – wären wichtig. Beim 2:2 gegen Mainz hat man gesehen, dass das Spiel aus Madrid noch in den Köpfen hängt. Jetzt kommt aber ein Highlight. Wir sind ja im Moment in den „Los Wochos“ der beiden Klubs. Beide haben noch den Strohhalm, Pokalsieger zu werden. Für Bayern ist das schon entscheidend. Und Dortmund ist der schwerste Gegner, den es gibt.

Ist das Momentum auf Seiten der Dortmunder?

Rummenigge: Nein. Ich würde diesmal sagen: Es ist ein Duell auf Augenhöhe. Vielleicht mit einem Mini-Vorteil für Bayern, weil sie ein Heimspiel haben.

Sie sprechen von den „Los Wochos“ – in München hört man derzeit nicht gerne spanisch. Kann es ein Zufall sein, dass man vier Mal hintereinander gegen spanische Teams rausfliegt?

Rummenigge: In diesem Jahr war es anders, nicht so deutlich. Das Rückspiel war ja ein Wahnsinn, was da für ein Tempo drin war, was für eine Spielstärke. Nichtsdestotrotz muss man sagen: Die spanische Liga ist momentan das Maß aller Dinge. Dann aber kommt die Bundesliga.

Die Zeit wirkte reif – nun steht ein Umbruch an.

Rummenigge: Die Bayern wissen das alles, der Umbruch wird eingeleitet. Die werden immer Spitze sein, in der Bundesliga sowieso – aber sie müssen schauen, dass sie den Anspruch auch international behalten. Denn irgendwann wollen die nach 2013 ja auch den Henkelpott mal wieder in den Händen halten.

Coman und Costa? „Schwächer als Robben und Ribery“

Die Jungen – Kingsley Coman und Douglas Costa – spielen kaum eine Rolle.

Rummenigge: Man muss klar sagen, dass die beiden schwächer sind als Robben und Ribery. Wenn die beiden Oldies gesund bleiben, sind sie immer noch eine Bereicherung für diese Mannschaft, sicher noch ein, zwei, vielleicht auch drei Jahre. Bei den beiden Jungs geht es darum, ob sie die Geduld haben, aus der zweiten Reihe zu kommen. Da bin ich gespannt.

Ist das Duell auch eines zwischen Alt und Jung?

Rummenigge: Kann man so sagen. „New Generation“ gegen „Old Economy“, wie an der Börse (lacht).

Wird Dortmund Bayern auf Sicht auch in der Liga wieder ein Konkurrent?

Rummenigge: Erfahrung kannst du dir nicht kaufen. Die drei großen Abgänge von Mkhitaryan (zu Manchester United), Gündogan (Manchester City) und vor allem Hummels haben den BVB extrem geschwächt. Pulisic, Dembélé, Mor brauchen noch. Trotzdem hat der BVB es sehr gut gemacht und wird dem FC Bayern auch in der Liga näherrücken. Dass der BVB 2012 seinen letzten Titel geholt hat, zeigt, wie außergewöhnlich es ist, was in München in den letzten Jahren passiert ist.

Auch unter Ancelotti?

Rummenigge: Na klar. Der ist ein ganz anderer Typ als Pep Guardiola. Aber er ist ein guter Typ. In einem Spiel gegen Real ging es um Nuancen. Ich hätte gerne gesehen, was passiert wäre, wenn Arturo Vidal den Elfmeter zum 2:0 im Hinspiel verwandelt hätte. Das vergessen die Leute oft: Um welche Kleinigkeiten es geht, wenn da eine ganze Saison beurteilt wird.

In der kommenden Saison muss er Philipp Lahm und Xabi Alonso ersetzen. Wer wird Kapitän?

Rummenigge: Manuel Neuer wäre ein Kandidat. Aber ich finde, auch Mats Hummels kann das machen. Der ist in München groß geworden, der kennt den Klub, er ist eine Persönlichkeit, vertritt die Interessen der Mannschaft, spielt herausragend, hat keine Eingewöhnungszeit gebraucht.

Nur über das Spiel gegen den BVB sagt er nichts.

Rummenigge: Das kann ich gut verstehen. Er hat den Klub gemeinsam mit Jürgen Klopp aufgebaut – deshalb ist es eines der wichtigsten Spiele der Saison für ihn. Das war für mich auch immer so. Jetzt habe ich ja gesprochen – er kann danach reden (lacht).

Im Oktober 2019 übt Michael Rummenigge harsche Kritik am BVB: Es geht um falsche Aufstellungen und „C-Jugend-Fußball“.

Interview: Hanna Raif

Die TOP-Videos zum FC Bayern

Video: Glomex

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